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Einen Augenblick mäßigt ſich der Sturmſchritt— ein Gedanke blitzt durch den Kopf:„Die ſchwarze Liſte hätte freilich auf Wochen wieder lohnende Beſchäftigung“— doch da brauſt er wieder hin: „Unmöglich! das ſchöne Deck und die Kanonen und der Dienſt!
„Nein und abermals nein!“
Armer Kurzſpleiß, hätteſt du ahnen können, daß dieſer Ent⸗ ſchluß keine vierundzwanzig Stunden vorhalten und ſich in das gerade Gegentheil verwandeln würde; hätte dir jemand geſagt, daß zwei Augen dies bewirken ſollten, und zwar die ſchwarzen Augen eines jungen Mädchens,— Himmel! ich hätte es niemand rathen wollen, heute auch nur etwas
dem Aehnliches anzudeuten.
„Herr Capitänlieutenant möchten die Güte haben, zum Herrn Capitän hinunterzukommen,“ meldet Kattblock ehrerbietigſt.
„Lieber Kurzſpleiß, ich muß Sie leider um etwas bitten, mit dem ich Sie gern verſchont hätte, aber die Umſtände zwingen mich dazu. Sie wiſſen, der Gouverneur gibt morgen unſerem Officiercorps ein officielles Diner. Seit heute iſt mein altes Leberleiden wieder ſtärker aufgetreten, und der Doctor hat mir ſtrenge Schonung aufer⸗ legt. Da müſſen Sie mich ſchon vertreten, weil es dienſtlich iſt.“ Der erſte Officier ſieht den Capitän erſchreckt an; eine trübe Wolke fliegt über ſein Geſicht. Diner, ja, wenn es ſich nur um das Eſſen handelte, aber was für furchtbare Sachen hingen damit zu⸗ ammen!— Poſitiv: Unterhaltung in Spaniſch— unmöglich; Toaſte— Horreur für jeden Seeofficier; Superlativ: ühren und ſtundenlang an ihrer Seite ſitzen— Schon der bloße Gedanke macht den aber es iſt Dienſt, und er verläßt mit der ihm
T Comparativ:
eine Dame zu Tiſch f vollſtändige Verzweiflung. armen Kurzſpleiß ſchaudern, ſtillſchweigender Verbeugung die Cajüte des Capitäns, lächelnd nachſieht.
Als Vogels Wache zu Ende iſt, warnt er die ablöſenden Kame⸗ raden:„Paß auf vor Böen, Barometer ſehr tief— 120 Schritt in der Minute!“ Drei tiefe Falten auf der Stirn des Bootsmannes geben der Stimmung des erſten Officiers auf dem Vorderdeck Aus⸗ druck. Die Schiffsjungen gehen ihm ſorgſam aus dem Wege und flüſtern ſich zu:„Es gibt ſchlecht Wetter; er hat drei Reffe eingeſteckt.“
Der gefürchtete Moment iſt erſchienen. In Kurzſpleiß Mienen ſpricht ſich eine wehmüthige Reſignation aus; er ſcheint eine Ahnung zu haben, daß dieſer Tag für ſein Leben verhängnißvoll werden wird. Eine ſonderbare Unruhe hat ſich ſeiner bemächtigt, die er vergebens zu bekämpfen ſucht.
„Was er nur hat!“ äußert der Bootsmann gegen den alten Schramm,„er iſt zumtal verändert. Heute bei der Muſterung kein einziger auf die ſchwarze Liſte, und ich gebrauche ſie doch ſo noth⸗
wendig.“ Schramm ſchüttelt den grauen Kopf:„Hm!“ erwidert er, „er muß krank ſein.“
Als re⸗Meiß- an der Spitze zimmer des Gouverneurs betritt, Der Boden ſchwankt unter ſeinen Füßen, körpert vor ihm— die ſchweren Träume der vergangenen Nacht. Eine einzige Uniform, ſonſt nur weibliches Geſchlecht. Wohin er blickt, überall Crinolinen, tanzende Fächer, blitzende Augen, bei deren Kreuzfeuer es ihm ſiedend heiß wird. Doch das iſt nur der Beginn der Tortur. Jetzt geht's an die Vorſtellung; Signorita Do⸗ lores, Candellaria, Incarnacion, und noch eine ganze Reihe ſpani⸗ ſcher Kalenderaamen— ein volles Dutzend und dazu lauter junge Mädchen, eine immer ſchöner, als die andere, und— Spanierinnen.
bittern Kelch bis anf die Hefe zu leeren, hört er ſich von fließendem Engliſch angeredet.
des Officiercorps das Empfangs⸗ flimmert es ihm vor den Augen. denn da ſtehen ſie alle ver⸗
einer der Damen plötzlich in iſt ſeine letzte Hoffnung zertrümmert, durch ſ niſchen Sprache der Unterhaltung überhoben zu ſein. er der Sprecherin in die Au Schickſal beſiegelt!
Zwanzig Jahre lang haſt und biſt als Sieger daraus hervorgegangen. s Auge geſchaut, und deine Wimpern haben ni Orkan die Maſten wie Rohr bog oder feindlich Verderben um dich ſprühten. Die See war dein aus, dein Glück, dein Stolz. leicht dein Herz, wie erbebt es unte Wie zauberiſch klingt de
gezuckt, wenn der Geſchoſſe Tod und b Heimat, das Schiſf dein H welch wunderbares Gefühl beſch enes ſtrahlenden Blickes!
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Damit eine Unkenntniß der ſpa⸗ Erſchreckt blickt gen— armer Kurzſpleiß, damit iſt dein
du mit Sturm und See gekämpft Unerſchrocken haſt du
Und nun,
dem Einfluſſe j Ton ihrer Stimme und zittert in deinem Inneren nach! Eine un⸗ Und nun geht’s an die Ausführung. Sä geahnte Welt erſchließt ſich dir, du haſt erkaant, daß es Schöneres Hinterdecks werden nach vorn gebracht und dadurch
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* . 8= auf Erden gibt, als du bisher geglaubt, der Blitz aus zwei dunkeln Augen hat es dich gelehrt.— Armer„Seeſtern“! wie bedaure ich dich! Dein erſter Officier iſt verliebt!
Das ſchöne Deck, die blanken Kanonen, der Dienſt, der ganzz „Seeſtern“— alles, alles iſt vergeſſen; für die Ballactien beginn eine reißende Hauſſe. Und wenn es noch natürlich zugegangen wäre aber nein— der arme Kurzſpleiß iſt nur das Opfer einer hinterliſtit gen Intrigue, eines ſchändlichen Complottes geworden. Selbſt di Krankheit des Capitäns iſt fingirt, auch er hat Theil an der Verſchwö* rung, die im Verein mit den Officieren von den jungen Damen nu angezettelt iſt, um den Ball zu Stande zu bringen. Es galt, de 4 erſten Officier an Land zu locken und ihn der dämoniſchen Macht fe riger Mädchenaugen zu überliefern. Ach! der Plan gelang nur zu gu
Man geht zu Tiſch. Der Gouverneur bittet Kurzſpleiß, ſein Tochter zu führen— ſie iſt es, Dolores, die Schönſte der Schö deren Augen ihn bezaubern. Schon nach wenigen Minuten u er die Entdeckung, daß junge Mädchen bisweilen doch nicht eine üble Geſellſchaft ſind und einem noch viel Schlimmeres paſſiren kan als der Tiſchnachbar eines ſo reizenden Geſchöpfes zu ſein.
Dann und wann drängt ſich auch das Bild des„Seeſtern“ v ſein geiſtiges Auge und ſtört die Unterhaltung. Als er von Bu fuhr, ſah er, daß die Großoberbramraa nicht ganz gerade hing, u 1 dies fällt ihm jetzt ſchwer auf das Herz, aber— da trifft ihn wie ein Blitz aus den dunkeln Augen und nimmt ſeine ganze Seele fangen. Das Bild des„Seeſtern“ verblaßt immer mehr und ſchwindet endlich ganz. Stück für Stück löſt ſich die harte Rinde, ein zwanzigjähriger Kampf mit den Elementen, die ſtrengen Fo des Seedienſtes und eine misverſtandene Auffaſſung des Lebens das urſprünglich ſo gute und warme Herz gelegt. Der Widerſ innerlicher Zufriedenheit verſchönt die männlichen Züge des wette bräunten Geſichtes, das ſonſt ſo ernſte Auge leuchtet im Glanze ei aufblühenden Glückes, und die Worte fließen ungezwungen une lich von den Lippen. Die Macht weiblicher Schönheit und Lieh würdigkeit hat ſich hier wieder bewährt, und triumphirend läßt lores ihre Blicke über die Geſellſchaft ſchweifen, die eine ſo ſch Wandelung kaum zu begreifen vermag. Der Ball iſt geſichert
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die junge Welt ſchwimmt in Entzücken. Frohſinn und Heiterkeit ſchen überall, und Kurzſpleiß droht Vogel im Spaniſchen Concu zu machen,— ſo viel hat er heute gelernt.
„Hasta mannana,“ flüſtert ihm eine melodiſche Stimme zu ſich die Geſellſchaft trennt.
Ob ihr der Sieg wohl ſo leicht ge den? Das Zittern ihrer Hand in der ſeinigen, die er ihr nach niſcher Sitte zum Abſchied reicht, verräth das Gegentheil. 1 „Hasta mannana,“— auf morgen— erwidert er faſt wußt und wandert träumeriſch zum Hafen. Der Gruß 1 wunderbar in ſeinem Herzen nach.„Auf morgen,“ ſagte ſie der Ball iſt doch erſt übermorgen. Als Abends um neun Uhr die Hauptronde gegangen iſt, der Bootsmann gegen Schramm:„Du haſt Recht, er iſt kray Lampenwächter ließ die Laterne fallen, ſo daß ein großer Oelfl Zwiſchendeck kam, und er hat nichts geſagt.“ Schramm ſchüttelt ſchweigend den Kopf, auf der St Bootsmannes zeigen ſich die drei Falten, er ſeufzt:„Und ich ſo nothwendig ſchwarze Liſte!“ Mürriſch ſucht er ſeine Koje Am andern Tag herrſcht ein überaus geſchäftiges und b Leben an Bord. Alles ſchwirrt und fliegt durcheinander, ganze„Seeſtern“ ſcheint auf den Kopf geſtellt. Ueberall und fröhliche Geſichter und luſtige Scherzreden. Nur der Bootsmann iſt ernſter denn je. Er fährt ni zig Jahre mit Kurzſpleiß zur See; er iſt ſein Burſche be jener noch Cadet war, er iſt ihm, wie ein treuer Hund. von Schiff gefolgt, er glaubt ihn in- und auswendig zu kennen heute wird er vollſtändig an ihm irre. Keine Muſterun ſchwarze Liſte, kein Exercitium— ſondern fuur Vorbereitt einem wirklichen Balle auf Sr. Majeſtät Hi aterdeck— und Officier offenbar als einer der am meiſten/ dabei Intereſſirte dazwiſchen! Ein wehmüthig ſchmerzlichefr Zug, der, in Latein überſetzt, etwa: Et tu Kurzspleisdg! gelautet habe lagert auf ſeinem Geſichte, und er nimmt Mit dumpfer R die Befehle ſeines ſo traurig verwandelten V rgeſetzten ente
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