Ausgabe 
11.3.1832
 
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ins Land brachte. Diese Pest griff wüthend um sich, so daß sie 20,000 Menschen, Kamtschada⸗ len, Korjäken und Kurden hinwegraffte.

Nach einer genauen, im Jahre 1822 ange⸗ stellten Zählung betrug die gesammte Bevölke⸗ rung von Kamtschatka, mit Ausnahme der sschukt⸗ schen, welche nicht gezählt werden konnten, 2457 Personen männlichen und 1941 weiblichen Geschlechts. National⸗Kamtschadalen befanden sich darunter nur 1428 Männer und 1330 Wei⸗ ber; die übrigen waren Korjäken und Russen. Alle zusammen besaßen 91 Pferde, 718 Stück Rindvieh, 3841 Hunde und 12000 Nennthiere, welche letztere den Korjäken ausschließlich ge⸗ hörten.

Den Namen Kamtschatka erhielt das Land von den Nussen nach dem größten der es durch⸗ strömenden Flüße, welchen die Eingebornen Kamtschatka, oder eigentlich Kontschatka nann⸗ ten, und zwar der Sage nach dem Kontschot, einem Helden der Vorzeit, zu Ehren, der an demselben eine veste Burg bewohnt haben soll. Die Einwohner hatten weder fur sich, noch für ihr Land einen eigenen Namen; sie nannten sich schlechtweg Kroscha, welches Wort Menschen bedeutet. Die Bewohner der südlichen Spitze der Halbinsel sollen sich durch die Benennung Itelmen ausgezeichnet haben, ein Wort, dessen Bedeutung unbekannt ist.

Ueber Staatsumwaͤlzungen. Mittheilungen eines Vaters an seinen Sohn. Wortgetreue Uebersetzung einer französischen Handschrift.

Du hegst den Wunsch, mein Sohn, daß ich mich offen gegen Dich über die französische Staats⸗ umwälzung ausspreche, und ich bin, so schwer es mir auch ankommt, die herben Schmerzen zu erneuern, welche die Erinnerung an dieselbe in mir erregt, dennoch bereit, diesem Deinem Wunsche Genüge zu leisten. Ach! das arme Frankreich hat gar viel leiden müssen; aber

aller Widerwärtigkeiten und Leiden, welche es

betroffen haben, ungeachtet, scheint es doch nicht weiser geworden zu seyn; denn es schlägt den⸗ selben Weg wieder ein, welcher es vor vierzig Jahren lange Zeit hindurch in eine Reihe von Unglücksfällen stürzte.

Die Arsachen der französischen Staatsum⸗ wälzung, geliebter Sohn, fallen in die vorher⸗

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gehenden Jahrhunderte: Ludwig XIV. liebte zu sehr den Krieg, welcher Frankreich mit Schul⸗ den überlud; Ludwig XV. fröhnte übermäßig der Sinnenlust, und seine Abhänglinge zehrten die mäßigen Einkünfte des Staates auf.

Diese anstößige Lebensweise des Königs und fast aller seiner zahlreichen Hofleute, ingleichen die eben nicht musterhafte Aufführung einer rei⸗ chen und allzu viel vermögenden hohen Geist⸗ lichkeit waren noch mehr den guten Sitten zu⸗ wider, als das Gelese schlechter Bücher, welche öffentlich unentgeltlich verbreitet wurden. Gleich⸗ wohl fehlte es nicht an solchen Männern, wel⸗ che ihren Pflichten treu nicht unterließen, wider die herrschenden Klügeleien sich zu vereinigen, und selbst dem Könige von ihren Lehrstühlen herab mit edler Freimüthigkeit die Worte zuzurufen:Herr⸗ scher, das unvernünftige Betragen der Fürsten, ihre Verschwendung, ihre ungerechten Kriege, das ohne Noth vergossene Blut ihrer Untertha⸗ nen, ihre Kebsweiber, ihre Gottvergessenheit, alle diese Greuel ziehen unfehlbar über sie und ihre Völker Ungluͤcksströme herbei, welche die Städte verwüsten, die Ernten zu Grunde rich⸗ ten und die Nation ins Verderben stürzen.

Betrachten wir den gegenwärtigen Zustand Frankreichs und denjenigen, in welchem es seit vierzig Jahren sich befand, so kann es uns nicht entgehen, daß die Vorhersagungen der Diener Gottes in ihrer ganzen Strenge sich verwirkli⸗ chen. Frankreich, nachdem es dem besten seiner Könige auf dem Blutgerüste den Tod gegeben hatte, verstel in einen Zustand der Gesetzlosig⸗ keit, welcher das edele Blut mehrerer Tausende von Franzosen fließen ließ; die Bürgerkriege, in welchen Hunderttausende der Söhne des Va⸗ terlandes gegen Hunderttausende ihrer Brüder den Vernichtungskampf kämpften, führten ganze Provinzen dem Abgrunde des Verderbens zu, und die mit dem Auslande geführten Kriege raubten dem unglücklichen Frankreich Millionen seiner Kinder. Und ist denn das gegenwär⸗ tige Loos dieses unglücklichen Reiches auch nur in etwas besser geworden? Kann größeres Unheil ein Land betreffen, als dasjenige ist, welches gegenwärtig in dem beklagenswerthen Frankreich wüthet? Ueberall werden Ver⸗ schwörungen gegen die Staatsgewalt angezet⸗ telt, deren Glieder selbst wider das gestürz⸗ te herrschende Haus sich verschworen hatten; ganze Provinzen sind im Aufruhr; Blut fließt, die Verachtung, welche man gegen den König