Ausgabe 
4.3.1832
 
Einzelbild herunterladen

lat bei

der br⸗

sei

per Hessische Bote. 12 Sonntagsblatt ae en

für

St and t U

n d a

Als Beilage zum Giesser Augeigeb late

Nro. 10.

Des Hessischen Boten gesammelte Schilderungen und Betrach⸗ tungen des menschlichen Lebens.

2. Ein Gemälde aus dem Jugendleben.

Welch munteres Getümmel wogt dort auf dem freundlichen Nasenplatz hin und her! Kna⸗ ben und Mädchen ergehen sich nach geendigter Schule auf der grünen Aue in frohen Spielen. Hier fliegt, von dem kräftigen Arm der älteren Knaben getrieben, der leichte Federball hoch in die Lüfte; dort schaaren sie sich zusammen und heginnen lärmend ein Soldatenspiel, haschen sich und erproben im Ringen ihre Kraft, wäh⸗ rend die Jüngeren, nicht lange bei Einem blei⸗ bend, hier und dort hin laufen, sich verstecken und jubelnd aus ihren Schlupfwinkeln hervor⸗ holen. Die Mädchen, nicht theilend die wilde Lust der Knaben, suchen zum Theil Wiesenblu⸗ men, winden Kränze und tanzen schäkernd einen

Ningelreihen, zum Theil lagern sie sich im Schat⸗

ten kühlender Bäume und erzählen einander an⸗ muthige Mährchen, auf welche die Kleineren, gelehnt an die Größeren, mit gespannter Auf⸗ merksamkeit horchen. Inzwischen bricht der Abend herein, es fängt an zu dunkeln, und heim

Sonntag den 4. Maͤrz

1832.

eilt frohlockend die muthwillige Knabenschaar,

Arm in Arm, mit den geflochtnen Blumenkrän⸗ zen in den Haaren die Reihe blühender Mägd⸗ lein. Ein mäßiges Abendbrod wartet ihrer,

Gesundheit gibt ihm die Würze, ste nehmen es

ein, verbringen noch ein Paar lehrreiche Stun⸗ den im stillen Familienkreise, dann entblößt der greise Familienvater das von spärlichem Silber⸗ haar umflossene Haupt, ein Zeichen, daß die Stunde der feierlichen Abendandacht da sei. Um ihn sammeln sich alle Hausgenossen, dicht an ihn drängen sich die Kinder; er faltet die Hände, spricht ein inniges Dankgebet für den heitern Lebenstag, den der gütige Vater ihm und den Seinen geschenkt hat, und empfiehlt sich und alle Hausgenossen dem Schutze dessen, der am

hellen Tage, wie zur dunkeln Nachtzeit für das Wohl seiner Kinder wacht und liebend Sorge

trägt. Die Kindlein horchen seiner Nede mit zusammengelegten Händchen; ein unnenn⸗ bares Gefühl, das Gefühl der Nähe des Un⸗ sichtbaren ergreift sie; ihre ruhevolle Andacht ist dem Weltenvater ein freudiges Opfer.

Nun bietet man sich den Gute⸗Nacht⸗Gruß; die Kindlein schmiegen sich inniglich an die Groß⸗ ältern, an Vater und Mutter, überschütten die Theuren mit schmeichelnden Küssen, wünschen den übrigen Hausgenossen mit freundlichem Munde suͤße Nuhe, und schlummern sorglos dem kommenden Tage entgegen.