Lebensregel.
Willst du dir ein hübsch Leben zimmern, Mußt dich ums Vergangne nicht bekümmern; Das Wenigste muß dich verdrießen, Mußt stets die Gegenwart genießen, Besonders keinen Menschen hassen, Und die Zukunft att überlassen.
Goethe.
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Sich selbst bekämpfen ist der allerschwerste Krieg; Sich selbst besiegen ist der allerschönste Sieg. Log au.
Die getaͤuschte Erwartung.
Wohl kein Buch in der Welt ist theurer bezahlt worden, als ein in der Büchersamm⸗ lung des im Jahre 1738 gestorbenen berühmten englischen Arztes Boerhave een e Fo⸗ liant.
Unter den zur öffentlichen Versteigerung ge⸗ brachten Büchern des Verstorbenen befand sich nämlich ein stark versiegeltes Buch in Folio, mit folgender Aufschrift: Die einzigen und tiefsten Geheimnisse der Arzneikunst.
Jedermann glaubte, in diesem von einem so berühmten Arzte herrührenden Buche seien ganz unbekannte medicinische Mittel und Vor⸗ schriften zur Erhaltung und Verlängerung des menschlichen Lebens enthalten, und wünschte in den Besitz desselben zu gelangen. Einer überbot daher den Andern, bis es endlich um 70000 Gulden ersteigert wurde.
Der Eigenthümer glaubte damit die ganze Welt gewonnen zu haben und entsiegelte es voll der größten Erwartung.— Aber was fand er?
—— Unbeschriebne weiße Blätter, bloß auf dem ersten mit großen Buchstaben die Worte: Halte den Kopf kalt, den Leib offen und die Füße warm, so kannst du aller Aerzte spotten.
Nuͤtzliches Allerlei.
4. Seiden⸗, Wollen⸗ und Kattunzeuge zu reinigen, ohne Nachtheil für iht Gewebe und ihre Farbe.
Man reibe rohe Kartoffeln mit reinem Wasser zu einem feinen Brei, lasse die Flüssig⸗ keit durch ein Sieb in ein anderes Gefäß lau⸗ fen und so lange ruhig stehen, bis sich die feinen weißen Theilchen der Kartoffeln nieder⸗ geschlagen haben. Dann gieße man die schlei⸗ mige Flüssigkeit von dem Satzmehle ab und bewahre sie für den Gebrauch auf. Diejeni⸗ gen Zeuge, welche man reinigen will, müssen auf einem leinenen Tuche auf einen Tisch ge⸗
legt, mit der Kartoffelflüssigkeit mittelst eines
reinen Schwammes, bis zur gänzlichen Ent⸗ fernung des Schmutzes, bestrichen und dann mehrere Male in reinem Wasser ausgewaschen werden. Zwei Kartoffeln von mittlerer Größe reichen hin für einen Schoppen Wasser.
Diese schleimige Flüssigkeit kann man auch zur Neinigung von Oelgemälden und beschmutz⸗ ten Meubeln benutzen. Beschmutztes gemaltes Täfelwerk kann gereiniget werden, indem man einen Schwamm in die Fluüssigkeit eintaucht, dann in etwas feinen reinen Sand tupft und das Täfelwerk mit ihm überreibt. Den groben Brei, welcher im Siebe zurückbleibt, kann man mit vielem Nutzen zum Reinigen gewirkter Vor⸗ hänge, Tapeten, Teppiche und anderer groben Zeuge gebrauchen.


