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Raͤthfel⸗
Der Weise übt's vor'm Volk, vor Fürstenthronen, K
Oft scheinbar nur sich's eignet an der Thor; Dem Weisen Gott und Wahrheitsfreunde lohnen, Dem Thoren nur der Pöbel leiht sein Ohr.
Den Weisen ziert's, wann mächtig er die Stimme
Furchtlos für Wahrheit, Recht und Licht erhebt;
Der Thor erheuchelt's, wann in wildem Grimme
Des Staates Eintracht er zu stören strebt. Der Weise folget göttlichen Gesetzen,
Der Thor uur seiner schnöden Eigensucht; Den Feind selbst nimmer jener wird verletzen, Wo dieser seinen Widersachern flucht.
Heil! Heil! dir Volk, wenn nie aus deiner Mitte Die Tugend weicht, die in sich schließt mein Sinn;
Doch Wehe dir! bringst du der Väter Sitte Der Zügellosigkeit zum Opfer hin. Vom Herausgeber. Auflösung der Räthsel in Nr. 4. Seines Gleichen.— Sarg.
Name und Feste des Monats Januar.
Der Name Januar kommt von Janus her. Janus war bei den Römern der Vorzeit der Gott des Jahres, der Oberthürhüter im Him⸗ mel und auf Erden und der Vorsteher des Krie⸗ ges und des Friedens. Romulus, Roms Er⸗ bauer und erster König, führte dessen Verehrung in der neu erbauten Stadt ein, und errichtete ihm daselbst einen Tempel mit zwei einander ge⸗ genüber stehenden Thoren, welche in Kriegs⸗ zeiten geöffnet blieben, damit man, so oft man wollte, in dem Tempel opfern und den Janus um Sieg anflehen konnte, in Friedenszeiten aber geschlossen wurden. Dieser Janus soll einer der allerältesten Könige der Lateiner gewesen seyn, sein Volk den Ackerbau gelehrt, gute Ge⸗
setze und gottesdienstliche Gebräuche eingeführt
haben. Als sein Mitkönig wird Saturn genannt, welchen, von seinen Kindern Vertriebenen, er gastlich aufgenommen hatte. Latium beglückte, so meldet die Sage, unter diesen Herrschern ein ewiger Friede und ohne Mühe und Beschwer⸗ den gewann jeder ihrer Unterthanen seinen reich⸗ lichen Unterhalt. Auf uns gekommene Denkmale stellen den Janus mit zwei bärtigen Angesichtern vor, von denen das eine vorwärts, das andere rückwärts gekehrt ist.
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— Fuͤrwahr eine sinnige Darstellung!— G, der Eröffner des Jahres, schaut mit dem einen Gesichte in das zurückgelegte, mit dem andern in das beginnende Jahr hinein;— Vergangenset und Zukunft liegen vor ihm ausgebreitet; de erhält durch jene ihr Licht.—— Von Karl den Großen wurde der lateinische Name des ersleg Monats im Jahre mit dem deutschen Wintermo⸗ nat vertauscht.
Die in diesen Monat fallenden Feste sind:
4. Das Fest der Beschneidung des Herrn, der Neujahrstag.— Nach dem mosaischen Gesetzt werden die Kinder der Juden gewöhnlich acht Tage nach ihrer Geburt beschnitten und ihnen ein Name beigelegt; daher der Name dieses zum An denken der Beschneidung Jesu Christi angeordns ten Festes. 8
2. Das Fest der heiligen drei Könige, Wei— sen, auch Fest der Erscheinung oder Bekanntwer⸗ dung Christi, Festum Epiphanias genaunt. Die— ses Fest wird den 6. Januar zum Andenken det Ankunft der morgenländischen Weisen gefeiert, welche, wahrscheinlich von Arabien aus, nach Jerusalem und Bethlehem gezogen waren, um dem neugeboruen Könige der Juden, dem Mes⸗ sias, ihre Verehrung zu bezeigen. Daß sie zu dreien, Könige gewesen seien und Kaspar, Mel⸗ chior und Balthasar geheißen hätten, sind Er⸗ dichtungen.
Nedaction und Verlag der Brüh l'schen Buch⸗ und Steindruckerei.


