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8.1.1832
 
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Sonntagsblatt

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Nro. 2.

Sonntag den 8. Januar

1832.

Des Hessischen Boten Betrachtungen am letzten Abend im Jahr. 0 2.

Welcher Mensch, der nicht gleichgültig ist gegen seine erhabene Bestimmung, nicht in nich⸗ tigem Treiben seine Lebenszeit verbringt, sondern das Höhere unverrückt vor Augen hat, fühlt sich nicht in den Tagen, mit welchen ein größe rer Zeitabschnitt seines Erdenlebens zu Ende geht, um einem neuen, den sein sterbliches Auge noch nicht durchschaut, Naum zu geben, in den Tagen, wo die Grenzscheiden zweier Jahre sich begegnen, angeregt zu stillem Nachdenken über sich selbst, über die Art und Weise, wie er die unwiederbringlich dahin geschwundenen Lebens⸗ tage angewendet, ob er zugenommen habe an Erkenntniß des Wahren und Guten, an Festigkeit und Beharrlichkeit in dem für wahr und gut Erkannten, ob er stets den Forde⸗ rungen der Pflicht gegen Gott und die Mensch heit nachgekommen, Nützliches von ihm geför dert und der ihm Anvertrauten Wohl nach Kräften gegründet worden sei, oder ob der unbestech⸗

liche innere Richter ihn des Irrthums, der Nachlässigkeit in seinem Berufe und des Mangels an Theilnahme für Menschenwohl und Men⸗ schenveredlung zeihe. Wohl ihml kann er sich das Zeugniß geben, das so unaufhaltsam schnell dahin geeilte Lebensjahr weise benützt zu haben; wohl ihm! gibt sein Gewissen ihm die erhebende Ueberzeugung: er habe den flüchtigen Zeitraum nicht umsonst durchlebt, sondern manchen guten Samen ausgestreut, manche edle Frucht zur Reife gefördert.

Mit Seelenruhe erfüllt ihn dann der Rückblick auf die Vergangenheit, und sonder Furcht und Grauen schaut er in die dunkle Zukunft. Was auch der Schooß der kommenden Zeiten in sich schließen mag, ihm banget nicht; ver⸗ tr auensvoll stellt er dem seine Schicksale anheim, der bisher so väterlich und weise über ihm wal⸗ tete, auch in Widerwärtigkeiten ihm zur Seite war, mit himmlischem Troste ihn erquickte und seinen Fuß bewahrte, daß er nicht strauchelte. sondern muthig fortschritt auf dem rauhen Pfade, der allein zum Heile hinführt. Ihm dem