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5.2.1832
 
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Die Regierung gab dem Anfrager über seine Ignoranz den verdienten Unwillen zu erkennen und rietyh ihm unter bedeutenden Winken an, sich über Gegenstände seines Amtes richtigere Begriffe eigen zu machen.

Promemoria.

Der, welcher spät aufstehet, muß den gan⸗ zen Tag laufen und ist am Abend doch nicht am Ziele. Trägheit gehet langsam voran und Ar⸗ muth folgt schnell hinterher. Treibe deine Ge⸗ schäfte und laß dich nicht von deinen Geschäf⸗ ten treiben. Der Fleiß setzt sich nicht hin und wünscht. Wer von Hoffnung lebt, stirbt am Fasten. Kein Gewinn ist ohne Mühe, und Lot⸗ terieloose sind Eingangszettel in's Hospital.

Wer Land hat, muß eine Hand haben; wer ein Gewerbe hat, besitzt ein Gut; und wer einen Beruf hat, bekleidet ein Amt, das ihm Geld und Ehre bringen kann. Aber das Land muß bearbeitet, das Gewerbe betrieben und der Beruf besorgt werden. Ein fleißiger Mann stirbt niemals Hungers. Fleiß ist der Vater des Glücks; und Gott gibt alle Dinge dem Fleißigen. Die Sparsamkeit muß den Fleiß unterstützen. Eine fette Küche macht ei⸗ nen leeren Beutel, und wer reich werden will, muß eben so sehr auf das Sparen, als auf das Gewinnen denken. Durch ganz Indien ist Spanien nicht reich geworden, weil es mehr ausgab, als einnahm. Eine Narrheit kostet mehr zu unterhalten, als zwei Kinder. Wer Leckerbissen zu sehr liebt, wird zuletzt am Brode Mangel leiden. Liebe zur Kleiderpracht liegt als ein Fluch auf dem Menschen. Ehe man seine Neigung frägt, sollte man seinen Beutel fragen. Kleiderstolz ist eine unverschämte Bettelei. Es ist leichter, die erste Begierde zu unterdrücken, als allen folgenden Genüge zu leisten. Der Stolz speiset zu Mittag mit der Pracht und zu Abend mit der Verachtung.

Charade. Mein Erstes stellet sich als Sylbenpaar Des Näthsels, welches ich hier bringe, Ganz deutlich deinem Auge dar, Und deutet doch verborgne Dinge. Mein Letztes schließt in feste Orte

Verbrecher ein von jeder Sorte. Erräthst du meines Ersten Sinn, Ich dir das Ganze nicht mehr bin.

Al u flösung des Näthsels in Nr. 5. Freimüthigkeit.

Die menschliche Schwäche. Von mannigfachen Menschenschwächen Läßt die am öftesten sich seh'n: Daß viele Leute nicht zu sprechen Und auch zu schweigen nicht versteh'n. J. F. Castelli.

Nuͤtzliches Allerlei. 3. Verwahrungsmittel gegen die Cholera.

Dem Schreiben eines in Lemberg lebenden geschickten deutschen Arztes zufolge, dient nach⸗ stehendes äusserst einfache Mittel zur Verwoh⸗ rung gegen die Cholera. Man binde überein andergelegtes dichtes Papier mit einem Tuche dergestalt auf den Magen fest, daß es densel⸗ ben beinahe ganz bedeckt.

Von vielen Hunderten, welche sich dieses Mittels bedienten, soll auch nicht ein Einziger 1 der entsetzlichen Krankheit befallen worden eyn.

4. Kartoffelbrod.

Die gewöhnliche Art, Kartoffelbrod zu machen, ist: daß man die Kartoffeln kocht, sie zerreibt oder zerquetscht und dann mit Mehl ver⸗ mengt. Diese Behandlungsweise ist nicht zu loben. Man reinige die Kartoffeln, schneide sie in kleine Würfel; dörre sie hernach im Back⸗ ofen hart; lasse sie wie das Korn in der Mühle mahlen, und vermenge drei Theile des Kartof; felmehles mit einem Theile Roggenmehl. Auf diese Weise erhält man ein gutes, nahrhaftes und wohlschmeckendes Brod, dessen Vortheile bei theuren Kornpreisen von selbsten in die Augen fallen.

Nedaction und Verlag der Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.

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