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Mittlerweise haben wir längst von der ansteigenden Mar- burger Heerstrasse links ab in den Feldweg eingelenkt, wo uns, die wir in der Tiefe wandern, der Anblick Giessens durch die nächsten Höhen, welche die Stadt auf dieser Seite umgeben, verborgen bleibt; dafür seh' ich die Lahn wieder ganz in der Nähe und das stattliche Burgenpaar, Gleiberg und Vetzberg, welche man in Giessens Umgebungen fast nie aus dem Gesichtskreise verliert, so mannichfach sie scheinbar ihre Lage zu einander, zu ihren Nachbarbergen und zu dem Düns- berg wechseln, so erweisen sie dem Wanderer in Giessens Um- gebungen doch stets getreulich denselben Dienst, wie ein hoch- ragender Dom dem Fremden, der sich in einer grossen mittel- alterlichgebauten Stadt ohne Führer zurechtfinden will. Mein Weg führt grösstentheils zwischen gesegneten Fruchtfeldern in der Ebene hin, bis er sich wieder zu einem Hügel erhebet, hinter welchem ich Wald gewahre. Vor mir liegt am anderen (rechten) Ufer der Lahn Launsbach, malerisch vor den hinter dem Dorfe emporsteigenden Höhen, weiter hinauf Wissmar, mit seinem neuen hell in die Augen gleissenden Kirchthurm, dessen Architektur übrigens, nebenbei bemerkt, meinem Ge- schmacke nicht entspricht. Nun wenden wir uns rechts um die Ecke und betreten eine gar hübsch umfriedete Wiese— vor uns ländliche Gebäude, rechter Hand auf den Anhöhen ein kühles Wäldchen. Nur noch wenige Schritte und wir stehen vor der Mühle, deren Werk die Lahn treibt, und sehen hinan zur
Badenburg.
Wie? diese einzelne kahle Mauer, durch deren zerrissene Fenster das Grün des Laubes dahinter blickt, und— die Ba- denburg,»das mit schönen künstlichen Gemäld- und Feld- schlachten gezierte adelige Haus, denen von Schrautenbach zuständig«? Es war die Badenburg, die im Jahr 1358 Johann von Weitershausen(Weitholshausen) erbaute, deren Besitzer, die Weitholshausen, genannt Schrautenbach, sich auch nach ihrem Schlosse hier schrieben. Wie kommt es, dass von


