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Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
Entstehung
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steh' ich plötzlich vor dem Brünnlein, das aus dem Felsen quillt, rings von Basaltblöcken umgeben. Zur Seite ab senkt sich eine tiefe Schlucht, worin noch vor wenigen Jahren die junge Welt gern bei Fackelschein tanzte; steil über dem Brunnen geht es zum offenen ländlichen Tempel, der auf Baumstämmen ruht; moosbewachsene Felsblöcke bieten sich ringsum zu Sitzen, und nach allen Seiten hin laufen, wie Strahlen vom Centrum, die Waldgänge aus. Jetzt sind diese grösstentheils wieder verwachsen und die ganze liebliche An- lage wird nur selten mehr besucht.

Und nun verdopple ich die Schritte, um Gieesen zu errei- chen. Es ist Nacht geworden, und von ferne winken mir die Lichter der gastlichen Stadt.

Noch eine kurze Sommernacht und ich mass auch von ihr scheiden, die ich mich nach allen Ausflügen in die Um- gegend, immer mehr wie meine Heimath zu betrachten ge- wöhnte. Ihr freundlichen Bilder, die ich hier geschaut, ich rufe euch nicht:»kommet und durchflechtet meine Träume! Ihr kommt ungerufen und bleibet dem Herzen, wie alles Schöne.

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