Druckschrift 
Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen

11

Fernrohr das Marburger Schloss erkennen kann. Gerade über dem Buschischen Garten sehe ich die Dörfer Wieseck und Altenbuseck. Nun bilden Waldparthieen den Vorder- grund, auf dem sich mein Auge erholet, bevor es die Berg- züge wieder verfolgt. An dem dichtbewaldeten, hohen Berge gewahr ich hierauf Grossenbuseck und Rödchen; dann steigt der Giesser Wald mählig bis zu der Höhe hinan, auf welcher die wohlerhaltenen Gebäude der weiland Deutsch- Ordens-Kommende Schiffenberg thronen. Den Raum im Hintergrunde, wo er sich zwischen den Senkungen dieser Höhe und jenes Waldberges öffnet, füllen die blauen Spitzen des Vogelsberges in beinahe horizontaler Richtung. Ich habe mich indessen unvermerkt gewendet und sehe jetzt in der äus- sersten Ferne einen Höhenzug beginnen, dessen kahlen Saum der römische Pfahlgrahen markirt, der sich nach Pohlgöns fortzieht. Auf dem höchsten Punkte steht das Pfarrdorf Grü- ningen, nicht weit davon stand einst das im 30jährigen Krieg erloschene Dorf Obersteinberg. Wo dieser Höhenzug sich zu senken scheint, steigt ein anderer aus dem Walde der Lindner Mark empor, und hinter dem Einschnitte, welchen Beide bilden, zeigt sich in der Ferne die Höhe bei Friedberg. Der Mittelgrund ist jetzt fortwährend Wald; im Hintergrund aber erhebt sich jetzt der Hausberg bei Butzbach, und scheint sich in dem langen und hohen Rücken des Hüttenberges, hinter welchem bei günstiger Beleuchtung die Spitze des Feld- berges zu erkennen ist, fortzusetzen. Der nächste Gipfel dieses Zuges ist der Stoppelberg, an dessen Fuss in der Schlucht Mänchholzhausen liegt. Ich sehe Lützellinden und Kleinlinden und in einiger Höhe das freundliche Duten- hofen. Nun gleitet der Gebirgsrücken allmälig in die Ebene hinab, welche er mit einem schmalen Vorsprung schliesst. Hier verlässt die Lahn das schöne breite Thal, in welches ich sie bei Launsbach eintreten sah, und wendet sich hinter jenem Vorsprung, um gen Wetzlar zu eilen. Längs der Oeffnung des Thales gruppiren sich jetzt die Gebirge des fernsten Hin- tergrundes zauberisch schön. Am rechten Lahnufer zeigen sich zunächst Dorlar und Atzbach, dahinter an dem hohen Berg- rücken, dessen Umrisse scharf aus dem Horizont hervortreten,