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Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
Entstehung
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im plauen Duft halb verschleiert Greifenstein. Vor diesem schiebt sich jetzt ein langer schöngeschwungener Gebirgszug, an dessen Fuss liegt am rechten Ufer der Lahn und am Bie- berbach das anmuthige Heuchelheim, da steht bei der Mühle die breitschattige Linde, unter der schon so manche Jugend- freundschaft geschlossen ward; die Heuchelheimer Mühle (ungefähr eine halbe Stunde von Giessen entfernt) ist das beliebte Ziel so mancher Ausflüge. Weiter oben in der Mit- telhöhe zeigt sich mir Kinzenbach. Auf den Bergen, welche sich hinter diesem Augenpunkte des Mittelgrundes hinziehen, kann man Königsberg, und etwas weiter rechts drüber auf dem Saum des Gipfels Hohensolms gewahren. An diesen Gebirgszug schliesst sich nun der hohe mit dichtem Wald bewachsene Dünsberg. Vor diesem winkt mir der Vetz- berg mit dem Vetzberger Hof. Dann in der Hochebene der weisse Hardthof und auf dem hohen Gipfel rechts die stattliche Ruine des Schlosses Gleiberg, die wie ein Lugins- land auf Giessen herabblickt. Hinter dem Gleiberg ruhet mein Auge auf dem dunklen Crofdorfer Wald von der langen Rundschau aus. Diese ist jetzt abgeschlossen. An den Glei- berg reihet sich nämlich wieder der Wettenberg. Es wäre schwierig für den Zeichner, das herrliche Panorama in seiner ganzen Grossartigkeit aufzunehmen und dabei alle jene lieb- lichen Einzelnheiten der Gebirgsgruppen getreu bemerkbar zu machen, welche bei jeder wechselnden Beleuchtung andere Formen zu gewinnen, sich bald enger aneinander zu schlies- sen, bald wieder schärfer zu sondern scheinen, diesen köst- lichen Wechsel von Fruchtfeldern, Wiesen, Wäldern und Höfen; die Wirklichkeit, welche sich bei jeder neuen Beschauung neue Ueberraschungen vorbehält, würde wohl auch die sorgfältigste Aufnahme des Zeichners selbst bei der möglichst besten Aus- führung weit hinter sich lässen. Wie viel schwieriger aber gar, dieses Panorama durch Worte zu skizziren, ohne allzu ausführlich oder unverständlich zu werden! Die Skizze in Worten, welche ich eben versucht habe, sollte auch blos eine Nachhülfe der Erinnerung für Den sein, der sich selbst schon auf dem Standpunkt befand, welchen ich eben einnahm, und der, jetzt vielleicht manche hundert Meilen davon entfernt, sich