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Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
Entstehung
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Geschlechts. Die Hauptlinie aber wird durch einen andern Grafen Hermann fortgepflanzt, welcher wahrscheinlich ein Neffe jenes Herzogs Friedrich von Niederlothringen und somit ein Geschwisterkind des zuerst erwähnten Hermann's, Grafen von Luxemburg ist. Beide Grafen Hermann, sowohl jener von der Nebenlinie als dieser von der Hauptlinie, greifen mächtig in die grossen Geschicke ihrer Zeit ein. Und welche Zeit! Ein Kampf um die Freiheit gegen die Willkühr des König- thum's, wurzelnd in der alten Stammfeindschaft zwischen Franken und Sachsen, breitet sich aus über alles deutsche Land. Ich brauche blos den Namen: Kaiser Heinrich IV zu nennen, diesen so vielfach verlästerten und doch so ehrwür- digen Namen! Sein Vater aus Fränkischem Stamme, jener grosse Charakter, Kaiser Heinrich III, erhebt das deutsche Königthum auf den höchsten Gipfel moralischer Bedeutung und streckt seinen gewaltigen Arm auch über die Kirche aus; er will sie nicht blos von ihrer Verderbniss reinigen; nein, er will auch ihre Anmasungen zurückdämmen. Aber seit der Ge- waltige im Dom zu Speier schlummert(Seit 1056), artet das Königthum in Willkührherrschaft aus; da erheben sich die Sachsen gegen Heinrich IV und ein vernichtender Hass ent- brennt, wie er leider Deutschen gegen Deutsche eigen sein kann. Aber wer trägt die Schuld, dass der junge König von der Kindheit an seine Stellung verkennen lernte? Zwei Geistliche, die Erzbischöfe Anno von Köln und Adalbert von Bremen. Auf ihnen haftet die Zurechnung alles Unheils, welches Hein- rich IV und das deutsche Volk in der Folge trifft. Das Herbste dadurch, dass Heinrich IV, vem Hasse gegen die trotzigen Sachsen hingerissen, gegen sie den Papst Gregor VII als Autorität aufruft. Indem er diesen Schritt thut, erkennt er stillschweigend die letztere an und dies muss er noch theuer bezahlen. Bald darnach nimmt sein Glück einen raschen Um- schwung, und er will es benutzen, um den Widerstand der Sachsen mit einem Schlage für immer zu vernichten. So führt er(1075) ein zahlreiches Heer gegen sie an die Unstrut und bei Hohenburg kommt es zur entscheidenden Schlacht. Und als sie schon schwankt, und als ihm schon Boten kommen, das Schicksal seiner Schaaren sei an den Untergang ge- 4*