— 7—
begrenzt. Die Mitte des Bildes nimmt die letzte noch übrige Hauptmauer der Badenburg auf dem Berge ein, an welche sich links das einfache offene Tempelchen reiht, wo man die herrliche Aussicht geniesst. Das Bild hat nach jenen vielum- fassenden Fernsichten, die ich bereits genossen, gleichwohl einen grossen Reiz für mich; es ist so in sich abgeschlossen und vollendet, möcht' ich sagen, dass man mit Behagen alle Details verfolgen kann, deren Zusammenwirken in uns den wohlthuenden Eindruck hervorbringt. Nun will mich mein Freund stillschweigend wieder an den Kahn führen, aber ich lasse es mir nicht nehmen, auch die entgegengesetzte Land- schaft zu überblicken. Ich muss es rasch thun, denn mein Freund lässt mir keine Zeit, indem er mich versichert, von dem, was ich hier, mit dem Rücken gegen die Lahn, sehen könnte, hätte ich das Eine(links den Gleiberg und weiterhin Wismar) schon gesehen, und das Andre(den Stauffenberg) würde ich bald noch besser sehen; ich dürfe mir den ersten Eindruck nicht verderben, und so fort. Nun gut, ich gehorche ihm. Er sieht etwas bedenklich auf meine Beine, als wollte er fragen, ob diese noch eine tüchtige Wanderung aushielten, und nachdem ich ihm dies, auf deren Ehre bedacht, unbedingt versichert habe, führt er mich lächelnd wieder in den Kahn. Ich glaube bemerkt zu haben, dass dies Lächeln ein wenig ironisch war.
Und nun wandeln wir zusammen den Fusspfad zum Berge hinan und droben zwischen den fröhlichen Menschen umher, welche sich alläberall gelagert haben. Ja wohl ist's ein wah- res Volksfest; man braucht nur die frischen Gesichter anzu- sehen und man glaubt es gerne. Das geht ab und zu, das scherzt und lacht; es ist doch eine rechte Freude, harmlose, frohe Menschen zu sehen. Hätten sich's die alten Herrn von Weitholshausen wohl je träumen lassen, dass— zwar nicht in denselben Räumen, wo sie selbst guter Dinge waren, wenn sie ihre Harnische abgeschnallt hatten,— nein, dass auf der Stätte, wo einst ihre Prunkstuben standen, die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts ohne Harnisch, ohne Allongeperücken und ohne Zöpfe so herzensvergnügt sein würden, dass hier einst so manches»gaudeamus igitur“ erschallen, dass so


