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Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
Entstehung
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61 munt bei Wetzlar erkennen, sodann in der Mittelhöhe des zweithinteren Bergrückens, das hochgelegene Braunfels mit dem stattlichen Schlosse des Fürsten zu Solms-Braunfels, endlich Dahlheim mit der Ruine. Den Hintergrund schliesst der Westerwald. Nun breitet sich der imposante Königs- stuhl im Mittelgrunde vor mir aus, im Vorgrunde lehnt sich an dessen Fuss der Schmidthof(einst ein adeliges Haus »zur Schmiede genannt), weiterhin Rodheim. Im Hinter- grunde gewahr' ich auf dem fernsten Berge: Schloss Greifen- stein und gedenke der Belagerung desselben durch Türenne, und des Spruchs, der dies Ereigniss im Volksmund erhielt.*) Zwischen diesem und dem Königsstuhl breitet sich ein andrer Höhenzug aus, auf dessen Mittelhöhe(1176 pariser Fuss über der Meeresfläche) Königsberg thront, wohl schon den- mern bekannt und wahrscheinlich durch Marquard von Hohen- solms in der ersten Hälfte des 13ten Jahrhunderts erbaut. Auf dem höchsten Gipfel seh' ich dann Hohensolms mit dem Schlosse des Fürsten zu Solms-Lich. Fast in gerader Rich- tung näher zu mir her, steigt im Vordergrunde die Kuppe des Vetzberges empor, während im Hintergrunde der hohe be- waldete Dünsberg(1432 pariser Fuss über der Meeresfläche) vortritt. Vom Dünsberg aber erzählt die Sage: auf seinem Gipfel habe einst ein Schloss gestanden, das nun schon längst verschwunden ist; zu gewissen Zeiten öffne sich der Berg, und wer das Zauberwort wisse, der könne in das Innere tre- ten und die Schätze holen, die drinnen verborgen seien. Zu- nächst vor dem Dünsberg begegnet mein Blick wieder dem

*) Die Ueberlieferung lautete also: Türenne habe sich überzeugt, dass er das feste Schloss Greifenstein nicht einnehmen könne und habe dies dem Grafen Wilhelm II von Solms-Greifenstein mitgetheilt. Da habe ihn der Graf zum Male geladen und nach der Tafel um Gewährung einer Bitte ersucht. Sie bestand darin, dass Türenne zum Abschied an jedem Thore des Schlosses einen Becher Wein leere. Türenne versprach's, konnte es aber nicht erfüllen, denn

der Thore waren zu viele. Und auf das Thor, wo er sein Unver- mögen weiterzutrinken bekannte, habe der Graf den Spruch schrei- ben lassen: Greifenstein, du edles Haus, Nuüchtern hinein, trunken heraus!-