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Eine andre wichtige Veränderung neuerer Zeit betrifft den Organismus der Hochschule. Im Jahre 1808 wird die alte Uni- versitätsgeschäftsführung umgewandelt, werden Administration und Disciplin getrennt,— die Administration einer Kommission, die Disciplin einem Disciplinargericht übergeben. Im Jahre 1822 begibt sich die Universität ihrer eigenen Gerichtsbarkeit und 1831 wird ein besonderer Universitätsrichter bestellt, welcher ausgedehnte Vollmachten und wichtig eingreifende Befugnisse erhält. In den ständischen Verhandlungen des hessischen Landta- ges von 1834 nimmt die Dotirung der Hochschule das allgemeine Interesse in Anspruch. Da werden verschiedene Stimmen laut und die Streitfrage darüber führt in beiden Kammern zu tiefer eindringenden Erörterungen über das ganze Wesen und die Wirksamkeit der Hochschule, so wie über ihre besondere Stellung als Landesuniversität,— Erörterungen, welche wohl verdienten, in einer besondern neueren Geschichte derselben vollständig aufgenommen zu werden; denn sie sind Schlaglichter des Geistes der neueren Zeit.
Und nun lasst sehen, wie sich die neueren Geschicke der
Stadt neben jenen der Hochschule entfalten! Einstilles, unschein- bares und doch so nachhaltiges Wirken und Schaffen belausche ich, nachdem der unheimliche Lärmen der Kriegsjahre verhallt ist, und mit wahrem Wohlbehagen blicke ich in das Innere des Bürgerlebens, wie es seiner höheren Lebensfrage immer klarer bewusst, die Kreise seiner Wirksamkeit immer mehr erweitert. In dreifacher Weise sehe ich diese schöne Vervollkommnung vorwärts schreiten, in jeder ohne Prunk, aber um so gedie- gener, und alle drei greifen so harmonisch ineinander, dass man sie sogleich als innigverwandte Erscheinungen einer und derselben innerlich wirkenden Kraft erkennt. Wie nenne ich sie? Es ist dieselbe, welche heutzutage über den Trümmern der alten Vorurtheile hinweg die Völker einander näher bringt, es ist das Bewusstsein, dass der Einzelne noch etwas Höhe- res als ein Einzelner, dass er ein Glied der grossen Mensch- heitsfamilie ist. Wo dies Bewusstsein heutzutage das Bür- gerthum durchdringt, da muss Heil und Segen sein; denn es fordert zunächst die einzelne Kraft auf, sich zu regen, und es weist ihr in der grossen Familienverbindung, wie sie sich


