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Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
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und möchten auch für die Zeit, die wir selbst kaum verlebten, schon so gerne den poetischen Zauber der Ferne antipiciren. Leise und den Blicken unmerkbar verwachsen die neueren Geschicke Giessens mit denen der Universität und auch diese greifen grösstentheils fördernd, zum Theil aber auch hemmend, mehr nach innen ein, als sie sich nach aussen zu wahrnehmen lassen. Es vermehren sich die Subsistenzen, die Hülfsmittel, die Institute der Hochschule, während anderseits auch die Fortschritte der Intelligenz( oder besser: der Humanität, denn diese umfasst ja die Intelligenz, wie sie sie durchdringt und ihr höhere Bedeutung gibt) einen solchen Zuwachs be- dingen, ja vielleicht einen noch grösseren gebieterisch verlangen. Die Sammlungen der Hochschule wachsen an durch Schen- kungen oder Ankäufe; so wird die Bibliothek, schon früher bereichert durch jene des ehemaligen Kugelhauses zu Butzbach, so wie durch die May'sche und Koch'sche, durch das gross- artige Vermächtniss des Freiherrn von Senkenberg bedacht, bestehend aus einer Sammlung von Büchern und interessanten Handschriften(ungefähr 9000 Bände), einem Kapital von 10,000 Gulden, von dessen Zinsen der Gehalt des Bibliothekars be- stritten werden soll, und einer freien Wohnung für denselben. Beachtenswerth sind die neuen Sammlungen physikalischer und chirurgischer Instrumente, anatomischer Präparate und das mineralogische, wie das zoologische Kabinet. Sodann erhält die Hochschule von dem Grossherzog Ludewig I den ehema- ligen Amtsgarten, welcher in einen hotanischen Garten ver- wandelt wird zum Geschenk, sie erhält eine verbesserte Ein- richtung des anatomischen Theaters und der Sternwarte, ein Klinikum, ein chemisches Laboratorium. Sie übersiedelt(1821) in das grosse neue Gebäude auf dem Selzerberg, welches kurz vorher(von 1817 bis 1819) als Kaserne errichtet worden; wo Mars geherscht, zieht jetzt Minerva ein. Ein philologisches Seminar, eine Gebäranstalt und eine Forstlehranstalt schliessen sich als wichtige Institute an das grosse akademische Ganze an. Diesem erweiterten Wirkungskreise, dieser Ausdehnung der Hülfsmittel entspricht denn auch die geistige Regsamkeit der Hochschule durch die Kräfte hochverdienter Lehrer, deren Namen ehrenvoll dastehen in allen Fächern der Wissenschaft.