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drängt,— da wallen plötzlich von der einen Seite her die Fähnlein des Babenbergischen Kriegsvolkes, von der andern eilt Graf Hermann von Gleiberg herbei und entscheidet den Sieg für Heinrich IV. Dieser hat den vollständigsten Triumpf über seine Feinde errungen; aber er missbraucht ihn, von Leidenschaft verblendet, und furchtbar rächt diesen Miss- brauch seine Demüthigung zu Canossa(1077), wo er im wol- lenen Busshemde drei Tage lang, barfuss in strenger Winter- kälte, vor dem Papste Gregor VII harren muss, bis ihn dieser vom Banne löset. Und wesshalb erträgt er, der kluge König, für den sogar allenthalben das Volk einsteht, diese Demüthi- gung? weil er einsieht, dass die allzumächtigen Grossen gegen ihn sind, und dass die öffentliche Meinung gegen ihn ist, und dass ihm die Krone nicht eher wieder fest auf dem Scheitel sitzen wird, bevor er den Fluch des Papstes davon abgeschüttelt hat. Aber damit ist noch nicht alles gethan. Gott kann verzeihen, die Hierarchie nie. Wenn die Hierarchie hasst, so hasst sie bis in den Tod; aber sie selbst stirbt nicht, denn sie ergänzt sich; nur der Einzelne, den sie vernichtet, kann sich nicht als moralische Person reproduziren. Die Hie- rarchie salbt Gegenkönige, zuerst jenen Rudolf von Schwaben, dem Gottfrid von Bouillon im Gefecht die rechte Hand abhaut, womit er Heinrich IV Treue geschworen; dann nach Rudolfs Tode 1081 eben jenen Grafen Hermann von Luxemburg aus der Gleibergischen Seitenlinie. Ein arger Kampf ist's, den dieser andre Hermann kämpft. Das Unglück adelt Hein- rich IV in den Augen des Volkes, und desshalb spielt der Gegenkönig Hermann von Luxemburg, trotz seines Muthes, gar bald eine traurige Rolle. Das Volk nennt ihn den Pfaffen- könig, spöttisch blos den»Knoblauchskönig«, weil er in Eis- leben gekrönt ward, wo ein grosser Knoblauchsmarkt; selbst die Sachsen, der Franken alte Feinde, verlassen ihn, da ent- sagt Hermann von Luxemburg voll Scham über die unwürdige Stellung, die er einnimmt, der Krone 1087 und unterwirft sich dem Kaiser, um durch dessen Gnade seine eingezogenen Gü- ter wieder zu erlangen. Nun aber tritt der andere Hermann. der Graf von Gleiberg,— als Sieger an der Unstrut einer der mächtigsten Grossen, bisher so treue,— plötzlich gegen


