— 53—
den Kaiser auf. Aus welcher Veranlassung? Heinrich IV bringt es dahin, dass sein zweiter Sohn Heinrich, als fünfter dieses Namens, zum deutschen König erwählt wird, und darüber grollen mehre Grosse, unter ihnen Graf Hermann von Gleiberg. Aber der junge Heinrich V, ein entschlossener Character, greift zu den Waffen und führt ein stattliches Heer wider die feste Burg Gleiberg. Da schimmern die weissen Zelte im Thal, und eine glänzende Schlange von Waffen windet sich den Berg hinan; die Trompete ertönt, die Sturmleitern liegen an den Mauern, das Kriegsvolk klettert hinan, während die Wurfmaschinen ihre Steinlasten auf Mauern und Zinnen schleu- dern. Der Uebermacht des jungen Königs kann die feste Burg nicht lange widerstehen. Sie wird erobert und zerstört, und Graf Hermann muss sich umwilligen Herzens dem Sieger unter- werfen. Dies geschieht im Jahre 1103. Aber wie bald wen- det sich das Geschick! Der junge König hat noch andre Waffen, als Schleudern, Pfeile, Speere und Schwerter. Er hat die Waffen der schlauen Rede und er hat die Hierarchie zur geschäftigen und verlässigen Freundin, obwohl sie sich seine Herrin dünkt, welche ihm jene Waffen vergiftet und heiligt. Eine entsetzliche Taktik, welche sie anwendet, um das Königthum zu stürzen! Sie vergiftet die Treue, sie bewaffnet den Sohn gegen den Vater. Aber dieser Sohn, welcher sie durchschaut, und nur als Mittel für seinen Egois- mus braucht, während sie ihn blos als Mittel betrachtet, wird für das Prinzip des Vaters fortfechten. In dieser traurigen Zeit der Verwirrung, da nichts mehr heilig ist vor Roms So- phismen, weiss der junge König Heinrich den gewaltigen Grafen Hermann von Gleiberg für sich zu gewinnen und versöhnt sich mit ihm. Graf Hermann gelangt nun wie- der in den Besitz seiner Feste und stellt sie her. Bald da- rauf(1104) wirft Heinrich V die Maske weg und fällt von seinem Vater ab; der Papst Paschalis II ertheilt ihm dafür den apostolischen Segen und vollständigen Sündenablass hier auf Erden und im anderen Leben. Da weichen alle unzufrie- denen Grossen des Reiches von dem unglücklichen Vater und auch Graf Hermann von Gleiberg schliesst sich an die Parthei des Sohnes. Rasch bricht jetzt die Katastrophe der Kaiser-


