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aber später, dem sächsischen Hause feindselig, 939 im Kampfe erlag. Diese Stammesvettern aus Konradinischem Geblüt, Hermann und Udo, sind mächtige Grafen in der Wetterau und im Oberlahngau; sie erfreuen sich gar grossen Gebietes weit und breit; nur eine Freude bleibt ihnen versagt, ein männlicher Leibeserbe, welcher die Macht des Geschlechtes fortpflanze. Doch Töchter blühen ihnen und eine von diesen, die reiche Erbin, gibt einem Grafen von Niederlothringen ihre Hand. Und so zieht ein neues Geschlecht freudig hier ein. Die junge Hausfrau lässt den Mann ihres Herzens von den Zinnen hinabschauen auf das schöne Land umher und spricht zu ihm:»sieh, es ist dein eigen! Ein herrliches Geschlecht, dies niederlothringische! Doch nicht lange behält es hier diesen Namen. Siegfried, ein Graf desselben Geschlechtes, erwirbt durch Tausch vom Stift St. Maximin bei Trier das Schloss Lützelburg(Luxemburg) und von da an nennt sich sein Ge- schlecht das der Grafen von Luxemburg, auch von Glei- berg(»Glizberg, Glipperg, Glichberg«)*) und Salm. Dieses Siegfried's Tochter heisst Kunigunde, eine fromme Jungfrau; um sie freit Heinrich der Baiernherzog und erhält ihre Hand; es ist derselbe Heinrich, der nach Kaiser Otto's III Tode zum König der Deutschen und Kaiser gekrönt wird. Diese Kuni- gunde, so fromm sie ist, kann dennoch dem bösen Leumund nicht entgehen. Sie wird der ehelichen Untreue bei ihrem Herrn verdächtigt; aber siehe da: das Gottesurtheil beweist ihre Schuld- losigkeit, denn unversehrt wandelt sie über glühende Eisen wie über rothe Rosen dahin. Jener Graf Siegfried hat noch einen Sohn Friedrich, der nach des Vaters Tode in Niederlothringen und in Luxemburg die Herrschaft führt und ein zahlreiches Geschlecht hinterlässt. Von dessen Söhnen war Friedrich, der älteste, Herzog in Niederlothringen, und Giselbert Graf von Luxemburg; dieser(† 1057) zeugt einen Sohn Hermann, Grafen von Luxemburg und von Salm in den Ardennen, welcher auch Graf von Gleiberg genannt wird; das ist die Seitenlinie des
*) Man leitet den Namen Gleiberg,(alterthümlich auf Glizberg) von „glänzen, gleissen⸗ her, oder vom Bache Glippach, welcher nicht weit vom Berge entspringt.


