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Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
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geh'n ganz unmerklich ineinander über, und zu dem Interesse an den Reizen der Natur, einem Interesse, welches durch die mannichfaltige Abwechselung von Höhen und Thälern, von Wald und Strom, durch die effectvollsten Gruppirungen der Hintergründe stets frisch und neu bleibt, gesellt sich noch das historische Interesse für das Alter und die gewesene Bedeut- samkeit der umliegenden Schlösser, Kirchen und Ortschaſten. Schon der Gesammtüberblick der Stadt vom Buschischen Gar- ten aus lässt die Schönheit der Umgebungen ahnen. In ihrer vollen Pracht und Grossartigkeit aber soll ich diese vor mir entfaltet sehen, wenn ich den Seltzerberg besteige, und auf dessen Hochrücken meine Blicke die Runde machen lasse. So räth mir ein trefflicher Freund, und rasch befolge ich seinen Rath und nehme seinen Arm; wir steigen hinan. Unser Stand- punkt ist einige Schritte vom Kreuzweg. Da liegt die Stadt mit ihren beiden Kirchthürmen tiefab zu unseren Füssen, nur das Universitätsgebäude raget mit seiner hellen Façade hoch und breit hervor. Gerade über demselben erheben sich unsere Blicke zu dem Wettenberg, den das Volk die»sie- ben Köppel« nennt; und es sind auch eigentlich sieben- gel, welche sich schichtenartig übereinandergipfeln. Von den beiden höchsten Spitzen senkt sich rechts die Linie des Berg- rückens hernieder. Wir verfolgen nun das Rundgemälde in der Richtung nach rechts. Am Fuss des Bergrückens, am rechten Ufer der Lahn, die im Silberglanze schimmert, liegt das Dorf Launsbach; die Thurmspitze der katholischen Kirche weist wie ein Zeiger gerade darauf hin. In der nächsten Schlucht liegt das uralte Pfarrdorf Wissmar. Nun schliesst sich an die Absenkung jenes Bergrückens ein aufsteigender anderer; von dessen beiden kahlen Gipfeln ist der erste breitere der Altenberg, der kleinere rechts nebenan der Lützelberg. Wo sich dieser Bergrücken in den Waldgrund niedersenkt, da öffnet sich ein reizendes Thal, zur andern Seite von einem bewaldeten Bergrücken geschlossen; aus diesem Thale eilt die Lahn von Marburg her, an Bellenhausen, Friedels- hausen, Kirchberg und der Badenburg vorbei nach Launsbach und Giessen zu; den Hintergrund dieses Thales schliessen die blauen Berge, an welchen ich durch ein gutes