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Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
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gelehrt, wie immer, ich etwas oberflächlich-romantisch, Beiträge zu seiner Biographie veröffentlichten. Wahrscheinlich hat uns der König vergessen, aber alte Liebe rostet nicht und verschmerzt auch den Undank. Ich hatte längst schon dran gedacht, ein Monument für diesen guten alten König von Flan- dern in Anregung zu bringen. Nun denkt euch meine Freude, als ich mich den Studenten anschliesse und von ihnen ver- nehme:sie beabsichtigten nächstens sein Jubiläum zu feiern und zwar auf der Höhe des Felsenkellers zu Giessen. Ein glücklicher Einfall, bei so vielem Jubel unserer Tage auch dem gesunden Spass sein Recht wiederfahren zu lassen! Die Idee müsste grossartig ins Werk gesetzt werden, mit allem, was zu einem deutschen Mummenschanz gehört; der Witz müsste dabei vollen freien Spielraum haben; doch bald hätte ich ver- gessen, dass wir ja selbander zur Badenburg ziehen, und nachdem das Gespräch nun einmal angeknüpft ist, so bitte ich meine gefälligen Begleiter um nähere Auskunft über das, was die Volksmenge dort heute wohl besonders suchen mag. Ich erinnere mich im alten Johann Just Winkelmann gelesen zu haben: Zur linken Hand des Busecker Thals gegen den Lohnstrom an einer Waldecke liegt das mit schönen künstlichen Gemäld- und Feld-schlachten gezierte adelige Haus Badenburg, denen von Schrautenbach zuständig.« Es ist schon lange her, seit Winkelmann von jenenkünstlichen Gemäld- und Feldschlach- ten« schrieb; aber selbst, wenn diese seither nicht verblasst sind, so begreife ich doch kaum, wie so vieles Volk zu ihnen hinausströmen mag, heute, da der Festtaghimmel das belebte reichere Gemälde der Natur beleuchtet. Und es ist auch nicht an dem. Die Gemälde sind verschwunden, und die Natur ist's, welche die Volksmenge hinauslockt. Die Badenburg(so lautet die Auskunft, welche ich erhalte) ist überhaupt einer von den Lieblingspunkten der Giesser, unter denen sie in ihren herrlichen Umgebungen so viel zu wählen haben, dass einem wirklich die Auswahl schwer wird. An Feiertagen aber, wie der heu- tige, eilt Jung und Alt, vorzugsweise zur Badenburg und ein wahres Volksfest ist dort zu schauen, ein grosses Rendez- vous, welches sich alle Stände geben und wobei sich jeder auf seine Weise vergnügt.