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sondern werfe mich getrost in den lustig wogenden Men- schenstrom hinein und lasse mich von ihm forttreiben; geschehe nun mit mir, was da wolle,— ich bin mit allem zufrieden.
Es ist aber auch heute ein Pfingstfeiertag, der dem Früh- ling alle Ehre macht. Aus allen Kreaturen lacht der Wieder- schein der reinen Himmelsbläue über uns; ich spreche von mir in der vielfachen Zahl, denn ich betrachte mich als Theil der Volksmenge; es ist überhaupt so schön, sich als Theil eines Ganzen zu denken! Ja, unser denn ist heute der Himmel mit seinem hellen Blau, unser die Strasse, unser das Feld und die Wiese, unser dünkt uns heute die ganze Welt. Liege daheim heute, du ernste Arbeit, die uns so lang um- sponnen; heute sind wir dir entschlüpft, wir heben die ge- lähmten Fittige der Sonne entgegen, wir geben sie dem Wind der Freude hin, der sie schwellt und forttreibt. Gewiss: auch die Freude steckt an, wie der Schmerz. Wenn hunderte mich anlachen, so ganz vom süssen Augenblick trunken, als hätten sie nie eine düstre sorgenvolle Stunde durch und durch em- pfunden, da schlüpft die Sorge, da verbirgt sich der Gram in der Brust des Einzelnen recht tief hinab, als ob sie beide schliefen, und der Einzelne täuschet sich so gern, als trüge er sie gar nicht mehr mit sich.— Aber was sind das für Feier- tagsgedanken! Und stecken jene zwei Kobolde nicht gerade ihre Köpfe durch den Sack, in dem sie eingenäht sein sollen? Fort mit euch! lieber dicht hinter jenen schmucken Sammtröcken gewandelt, von denen ich eben zufällig einen grossen Namen gehört, den Namen eines Erfinders, den ihr in allen Geschichts- büchern umsonst nachschlagen werdet, den Namen eines Kö- nigs, vor dem ich Respekt habe, denn er hat schon viele hun- derttausend Menschen froh gemacht. Es ist ein fabelhafter König, dieser brave Mann; aber seine Erfindung ist und bleibt eine Wahrheit. Kurz er heisst Gambrinus, König von Flan- dern und Brabant, und hat— das Bier erfunden. Ich gestehe: sein Name, wie ich ihn hier aus wackrer Studenten Munde hörte, hat mich elektrisirt; denn wir sind alte Bekannte, König Gam- brinus und ich; er schuldet mir und dem Professor Massmann
in München noch seinen Dank, dass wir einst,— Massmann 5*


