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Jahre 1646 erhält der Graf von Nassau das Amt und die Burg zurück. Mittlerweile hatte im grossen allgemeinen Kriege, welcher ganz Deutschland entzweit, auch der Streit zwischen den beiden Linien Hessens, der Darmstädtischen und Kassel schen immer zugenommen; da zieht in eben jenem Jahre 1646 plötzlich Hessen-Kasselsches Kriegsvolk gegen die Burg heran, in welcher ein Darmstädtischer Hauptmann das Kommando hat; der feindliche General will sich ihrer durch einen raschen Ueber- fall bemeistern; und als dies durch die Tapferkeit der Besatzung vereitelt wird, umringt der Feind die Thore und hält jede Zu- fuhr von Lebensmitteln ab. Noch einige Zeit lang hält sich die Besatzung wacker, bis endlich die Noth wächst; da ergibt sich jene auf die Bedingung eines freien Abzugs. Dies wird bewilligt und nun zieht das Kasselsche Kriegsvolk in die Burg ein, plündert sie und schleudert die Brandfackel in die schönen Gebhäude. Hochauf lodern die Flammen, die Zinnen und Mauern stürzen bis auf wenige zusammen und ihr Schutt bedeckt weit- hin die untersten Räume; doch der ehrwürdige Thurm spottet der Wuth der Flammen und des Menschen. So ist in wenigen Stunden das Werk zerstört, welches Jahrhunderte stand, und öde ist die Stätte, wo einst schöne Frauen und hohe Ritter fröhlich wandelten. Noch mehr verödete sie, als im Jahre 1731 auch der Sitz des Amtes von Gleiberg nach Atzbach verlegt wird. Da nahm auch der Flecken Thal-Gleiberg an Wohlstand und Menschen ab, dem einst Kaiser Ludwig der Baier das Recht eines Wochenmarktes gab, und den die Nas- sauer Grafen mit städtisch-bürgerlichen Freiheiten begabten; niemand mochte gerne mehr in Thal-Gleiberg wohnen, und die Bewohner zogen ins uralte Crofdorf, wo es ihnen wohn- licher war. Wohl aber ist der Flecken heutzutage, da Glei- berg(in Folge des Staatsvertrages von 1816) aus dem nassaui- schen Besitz in den preussischen überging, wieder belebt von einer wandernden Bevölkerung, welche sich unter die blei- bende des Ortes mischt, und oft wimmelt es von frohen Wall- fahrern aus Giessen, welche heranziehen zu einem Wunderbilde. Ja, ein solches ist hier oben zu schauen,— das Wunderbild der Natur, und auch hier könnt ihr einen Ablass gewinnen,— einen Ablass von allen Sorgen und trüben Gedanken, die euch


