Druckschrift 
Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen

56

loschene Geschlecht einst, so fröhlich und hoffnungsreich, auf den Mauern rings um den Berg erbaut hatte.

Die Erbtochter Hartrads VI von Merenberg war an den Grafen Johann von Nassau-Saarbrücken vermählt, an wel- chen nun durch diese Verbindung der Besitz der Burg und Herrschaft Gleiberg übergeht. Von letzterer ist aber nur ein kleiner Theil ihres ehemaligen Umfanges übrig geblieben; Fa- milientheilungen und fromme Stiftungen haben im Laufe der Zeiten manchen schönen Bestandtheil abgerissen und so wird nur das Amt Gleiberg, aus den Ortschaften an der Lahn, aus dem Hätten- und dem Stoppelberge bestehend, nassauisch, und selbst dies ist, mit Ausnahme von Gleiberg, Vetzberg, Atzbach und Dorlar, gemeinschaftlich mit Hessen. Im Besitz der Grafen von Nassau erhalten die Gebäulichkeiten der Burg, wie die Be- festigung, manche Zusätze und Veränderungen. In den herr- schaftlichen Gebäuden,(welche jetzt der Besitzer der Wirth- schaft bewohnt,) befanden sich das Justizamt und die Rentei; noch jetzt erinnert hie und da eine Jahrszahl oder ein Name auf einem Steine an das Ende des Mittelalters. Unfern der Wirthschaftsgebäude rechter Hand, wenn man in den Burghof hinaufkommt, ist der Eingang zum grossen Burgkeller; aus ihm soll ein unterirdischer Gang in den Wald geführt haben; jetzt ist derselbe verschüttet. Vielleicht stammt der Schloss- brunnen ausserhalb der Ringmauer(ein kleinerer verschütteter Brunnen befindet sich im äusseren Burghof) aus der Mitte des 16ten Jahrhunderts; wenn anders nämlich die sinnige Schrift, welche bis vor einigen Jahren auf einem Steine des Brunnen- geländers zu sehen war, der Spruch:»Christus ist die Quelle des Lebens« mit dem Namen des Pfarrers, der um 1550 lebte, nicht später als die Entstehung des Brunnens anzunehmen ist.

So steht die Burg Gleiberg, im Besitz der Grafen von Nassau, fest und wohlbehalten bis in die traurigen Zeiten des 30 jährigen Krieges. Da schlägt ihr die Stunde des Verfalls. Der deutsche Kaiser, dem Grafen Ernst Kasimir von Nassau schwer zürnend, legt 1635 Beschlag auf Burg und Amt Gleiberg, und übergiebt sie 1637 pfandweise der ihm treu ergebenen Darmstädtischen Linie des fürstlichen Hauses Hessen, und diese lässt die Burg durch Kriegsvolk von Giessen besetzen. Im