Druckschrift 
Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen

260- /

seinem Lande, soll sich in Giessen erheben; desshalb reiset er selber zum Kaiser Rudolf II. nach Prag und ruhet nicht und sparet kein Geld, bis er am 19ten Mai 1607 dessen Be- stätigung und Freibriefe dafür erhält. Inzwischen wird unterm Schall von Pauken und Trompeten am 25. August desselben Jahre der Grundstein zum Kolleggebäude gelegt und am 5ten Oktober findet die feierliche Einweihung der neuen Hochschule im Rathhaussaale statt. Der Landgraf selbst eröffnet sie mit einer Rede, sein Kanzler verliest die kaiserlichen Privilegien, und als Symbole derselben werden der Hochschule zwei sil- berne Scepter mit goldenem Zierrath überreicht. Hierauf ruft der Landgraf den Doktor Antoni zum Rektor und Kanzler der Universität aus, dann werden 28 Kandidaten mit der Magi- sterwürde und dem Bakkalaureat bekleitet und eine religiöse Handlung in der Stadtkirche, wobei die Scepter eingesegnet werden, beschliesst die Feierlichkeit. Die neue Universität wird reich begabt und die Studenten erhalten grosse Vergünstigun- gen. 1609 schenkt der Landgraf einen Theil des Burggartens hinter dem Kolleggebäude, welcher zum botanischen Garten eingerichtet wird. So erlangt Giessen, zuerst Burg, dann Stadt, hierauf Festung, jetzt eine höhere geistige Bedeutung; und die Hochschule erhält ihren Sitz unter den Landständen auf der Prälatenbank. Kräftig blühet die junge Universität durch den Eifer ihrer Lehrer, und unter den Jünglingen, welche heraneilen, sind selbst Fürstensöhne. Doch gar bald entspinnen sich hinwieder auch schon theologische Streitigkei- ten, die jedoch in den Hintergrund treten gegen die wichti- geren zwischen Hessen-Kassel und Darmstadt und gegen die Gefahren des 30jährigen Krieges. Im Jahre 1621 streift Her- zog Christian von Braunschweig mit seinen wilden Schaaren durch's Hessenland. Giessen ist mit einer Belagerung bedroht und schon wollen manche Studenten die Universität verlassen; aber der Rektor Winkelmann ruft sie auf, sich in Waffen zu üben, und sie schaaren sich unter einer Fahne, welche die Inschrift führt:»Literis et armis ad utrumqçue parali!« In- dessen: die gefürchtete Gefahr geht vorüber. Bald darauf kommt das Glück der kaiserlichen Waffen der Linie Hessen- Darmstadt zu statten und durch einen kaiserlichen Spruch