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Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
Entstehung
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erhält Landgraf Georg II. das gesammte Oberfürstenthum mit Marburg. Da verlegt er die Universität Giessen 1625 nach Marburg und vereinigt sie mit der dortigen. Dort bleibt sie mit geringer Unterbrechung(1634) bis 1650. Erst in diesem Jahre wird ein Vergleich zu Stande gebracht, die Hessen- Darmstädtische Hochschule von Marburg wieder nach Giessen verlegt und die Hessen-Kasselsche Hochschule(unter dem Landgrafen Wilhelm VI.) in Marburg wieder hergestellt. Wäh- rend jener Zeit(von 16311645) hält Landgraf Georg II. von IHessen-Darmstadt seinen Hofsitz in dem wohlbefestigten Gies- sen, um während der argen Kriegsläufte sicher zu sein. Da wohnt er, unangefochten von allen Wechselfällen des dreissig- jährigen Krieges, im Kolleggebäude und wandelt, wenn er sich den Regierungsgeschäften widmen will, über die schwebende Brücke, welche das Kanzleigebäude mit jenem verbindet. Einige Zeit war man unschlüssig gewesen, an welchen Ort die Hes- sen-Darmstädtische Hochschule zu versetzen sei, ob nach Darmstadt, der Residenz, oder nach Alsfeld oder Grünberg. Und als man sich endlich für Giessen entscheidet, da gibt diese Stadt der Hochschule durch allerlei nicht unbedeutende Zugeständnisse und Bewilligungen ihre Dankbarkeit zu erken- nen; sie begreift gar wohl die Wichtigkeit, welche ihr der Musensitz verleiht. Die Universität erhält bei ihrer Todthei- lung mit Marburg den silbernen mit goldnen Zierrathen ver- sehenen Scepter mit dem Reichsadler, dem Bilde Karls V. und der Inschrift: 3

Carole quinle, vale, tu sceptra scholamque dedisti; Benipotens patrias ego fundo Philippus Athenas

und prachtvoll ist das Fest der Wiedereinführung in Giessen. Im ganzen Lande wird für ihr Aufblühen gebetet, die Prinzen des Hauses, der Adel, die ganze Geistlichkeit und alle Magi- strate des Oberfürstenthums erscheinen dabei im feierlichen Zuge. Von jener Zeit an wird es immer mehr Sitte, dass die Prinzen von Hessen die Würde eines Rector magnificus an der Universtät Giessen bekleiden. Der Einfluss, welchen die warme Liebe der Fürsten für die Hochschule auf die ganze Physiognomie der Stadt äussert, ist von Jahr zu Jahr deut-