Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
112
Einzelbild herunterladen

der Mitte läuft ein ſchmaler Gang mit niedriger Breteinfaſſung, und zwiſchen dieſer und der Wand nach beiden Seiten iſt für die einzelnen Arbeiter eine Lagerſtätte abgetheilt, an deren Fußende gegen den Gang zu ein verſchließ⸗ barer Kaſten iſt, wo jeder ſeine Victualien und ſonſtiges Eigenthum verwahrt. Die Torfherren liefern dazu nur eine Schütte Stroh; Betten und Decken haben die Arbeiter ſelbſt mitzubringen. Eine ſolche Hütte faßt 18 20 Mann, ſo daß im beſten Falle auf eine jede Lagerſtätte 5 Ellen Raum kommt. Augenzeugen finden dieſe Hüttendörfer den Hottentottenkraalen ähnlich; ſie heben ſich kaum von der ſchmutzig⸗braunen Erde ab und ſind auch im Innern ziemlich ſchmutzig, zumal es an aller Lüftung fehlt, was bei der Menge der in den Hütten ſchlafenden Leute und ihrer durchnäßten Tracht auch einen einer Hottentottenhütte ähnlichen Geruch erzeugt. Ein Dritttheil der Arbeiter etwa wohnt in ſolchen Hütten, und zwar berechnen die Torfherren keine Miethe. Was nun die Arbeit ſelbſt anbelangt, ſo kann ſie ſelbſtverſtändlich nur im Sommer ſtattfinden, und zwar iſt die Hauptzeit vom 1. Mai bis Mitte Juli; dann müſſen die Knechte der benachbarten Bauern zur Ernte fort, und es wird mit verminderten Kräften gegraben; auch findet ſich nach der Ernte nur die volle Zahl wieder ein. Ende October wird Beſchluß gemacht. Wo eine neue Gräberei aufgethan wird, müſſen erſt die Canäle ausgetieft werden, und das lohnt am beſten. Wo die Grube ſchon in regelmäßigem Betrieb ſteht, arbeiten ſtets 4 Mann in Accord mit einander, 1 Benker, der die obere Humusſchicht abſticht; 2 Stecher, einer, der im Waſſer ſtehend, ſchichtenweiſe den Torf horizontal abſticht, und einer, der von oben hinein die Torfſtücke vertical abſchneidet; dieſe beiden wechſeln regelmäßig ab, weil die Waſſerarbeit die an⸗ ſtrengendſte iſt; endlich ein Setzer, der die abgeſtochenen Stücke auſſchichtet. Eine ſolche Abtheilung von vier Mann(wo das Waſſer ſehr mächtig iſt, kommt ausnahmsweiſe noch ein fünfter, der Schöpfer hinzu) heißt ein Pflug. Da jeder ſtets dieſelbe Arbeit verrichtet, erlangt er ſehr bald eine große Virtuoſität darin, und die Arbeit geht ungeheuer ſchnell. Während der Arbeit geht es, weil jeder ſich möglichſt beeilt, ſehr ſtill zu, ſelten hört man ein Wort; das ſchwere Werk nimmt Leib und Seele ganz in Anſpruch; man glaubt eine arbeitende Maſchine zu ſehen, ſo abgemeſſen und gleichförmig ſind alle Be⸗ wegungen. Da ſolche Pflüge oft mehrere Jahre mit einander arbeiten. haben ſie ſich völlig in einander eingelebt. Mit Sonnenaufgang beginnt das Tagewerk; viele müſſen ſchon um 2 Uhr Nachts von Hauſe aufbrechen; der Anfang wird bezeichnet durch Aufziehung einer Fahne auf dem Comptoir, eben ſo das Ende. Jeder Pflug muß wöchentlich 7 Tagewerke liefern, ein Tagewerk beſteht in ungefähr 13,000 Torfſtücken. Mehr darf er nicht arbeiten. Dabei verdient der Setzer ungefähr 4 Thlr. 20 Ngr., die übrigen etwa 5 Thlr. 10 Ngr. Beim Canalgraben kann der Lohn bis auf 7 Thlr. ſteigen. Hat der Setzer den Torf geſchichtet, ſo beginnt die leichtere Arbeit, den Torf in ſogenannte Ringen zu ſetzen, d. h. in luftige Wände, in denen er trocknet, und den getrockneten nach den Kähnen auf den Canälen zu transportiren, was durch Karren, mit Hunden beſpannt, geſchieht. Das Luch hat daher eine Nebenbevölkerung von 23000 Hunden. Dieſe Arbeit verrichten nur die ſchwächeren Männer, meiſt aber Frauen und Kinder. Eine Frau verdient wöchentlich etwa 3 Thlr., ein Kind 12 Thlr. Die Arbeitszeit wird durch 2 Frühſtücke und das Mittagseſſen unterbrochen, die möglichſt ſchnell abgethan werden; der Benker muß für den Pflug das Kochen beſorgen; der gewöhn⸗ liche Trank iſt Kaffee und ein leichtes Bier. Nach Schluß der Arbeit kocht ſich jeder ſeine Abendmahlzeit ſelbſt.

Die Torfarbeiter ſind auch in den Dörfern eine von der übrigen ländlichen Bevölkerung ſcharf geſonderte Claſſe; ſie haben ihre eigenen Sammelplätze und Sitten. Die Torfherren haben den guten Gedanken gehabt, die Polizei in die Hände der Arbeiter ſelbſt zu legen; ſie halten nur einen Aufſeher (Rhinluchaufſeher) zu Linum, der aber nur die Aufſicht über die Canäle hat. Die Polizei iſt im Intereſſe der Arbeit ſehr ſtreng und wird mit den Fäuſten und durch unwiderruflichen Ausſchluß von der Arbeit, der dann für das ganze Moor gültig iſt, geübt; während der Arbeit darf weder Branntwein getrun⸗ ken, noch geraucht werden; das Rauchen iſt nur Abends erlaubt. Uebel⸗ ſtände ſind die frühen Heirathen in Folge des reichen Verdienſtes, ſo⸗ dann die zeitige Abnahme der Kräfte in Folge der harten Arbeit; Männer im kräftigſten Alter haben etwas Greiſenhaftes; kein Torfarbeiter wird alt, Fieber und Lungenentzündungen graſſiren unter ihnen, ferner Verwilderung der Jugend, die ſo bald als möglich mit in den Torf genommen wird und während dieſer Zeit keinen Schulunterricht hat. Daß die Torfarbeiter es zu einem nachhaltigen Wohlſtand bringen, kommt beinahe nie vor; es iſt ein ſich ſtets recrutirendes Proletariat, das aus der Hand in den Mund lebt. Während der Arbeitszeit iſt keine Noth und ein reiches, üppiges Leben; ge⸗ ſpart wird nicht, und der Winter findet leere Caſſen. Da ſie nun an gutes Leben gewöhnt ſind, ſo wird den Winter über auf Borg gelebt, was einen großen Theil des Sommerverdienſtes im voraus verſchlingt. Die weiterab⸗ wohnenden Arbeiter haben meiſt ein kleines Landeigenthum und befinden ſich bei dem Torfverdienſte am wohlſten. Aber die Gemeinden um das Luch herum leiden unter dieſer Laſt ſehr und haben für die Einlieger kein rechtes Herz. Ein weiterer Uebelſtand iſt, daß es in der dortigen Gegend faſt gar keine Hände zur Landarbeit gibt; alles geht in den Torf und verſteht die nöthigen Handgriffe der Landwirthſchaft gar nicht mehr. Am troſtloſeſten iſt die Kindererziehung, da die Eltern den Tag über abweſend ſind und die Kinder frühe mit den rohen Arbeitern, namentlich den Schiffern, in Berührung kom⸗ men. Der Schulunterricht iſt kaum zu reguliren; jetzt hat man die Ein⸗ richtung getroffen, daß die Kinder früh bis 10 Uhr Schulunterricht haben und dann erſt ins Torf gelaſſen werden, und daß Sonntags Religionsunter⸗ richt ſtattfindet. Dieſe Einrichtung ſcheint nach vielen fehlgeſchlagenen Ver⸗ ſuchen zu gelingen. Auch hat man den Anfang gemacht, daß die benachbarten

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 17.

Unter Verantwortlichleit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig ielefeld und Berlin. Druck von Fiſcher* Wittig in Leipzig.

Verlag der Daheim⸗Expedition von Velhagen* Klaſing in B

192

Paſtoren auf dem Torfe ſelbſt kurze Gottesdienſte im Freien abhalten, und die Torfarbeiter ſind dieſer Einrichtung gern und freudig entgegengekommen. Aber erſt in neueſter Zeit hat man auf dieſe nicht unintereſſante Colonie halbwilder Leute im Herzen des Landes ſein Augenmerk zu richten angefangen, und ſich ihrer in geiſtlicher Beziehung energiſcher angenommen.

Wie einer das Gras wachſen ſieht.

Während eines ziemlich langen Beſuches, den ein franzöſiſcher Natur⸗ forſcher im Sommer 1847 in Hammerfeſt(im hohen Norden Norwegens ge⸗ legen), machte, bemerkte er eines Tages am Fuße der Felsriffe den kleinen, zar⸗ ten Stiel einer Art Mohnblume, die aus dem Boden hervorzuſprießen begann und noch im Grunde des Mooſes ruhte. Er zog ſeine Uhr: es war die Mit⸗ tagsſtunde. Um 1 Uhr maß der Stiel dieſer Mohnblume 2 Centimeter; um 3 Uhr 7; um 5 Uhr fing die Knospe der Blume an, ſich zu entfalten und deutliche Formen anzunehmen; um 11 Uhr Abends blühte die Blume in voller Pracht auf; und er befand ſich gegenüber einer farbenreichen Mohnblume. Zwei Tage nachher ſammelte er den reifen Samen dieſer Pflanze ein, uud am Ende der Woche löſte er von dem Fuß des Felsriffes ihren abgeſtorbenen Stiel, der zu vertrocknen anfing. Dieſer Same, nach Frankreich gebracht und in gutes Erdreich ſorgfältig gepflanzt, hat ſich dort nicht raſcher entwickelt, als andere europäiſche Pflanzen. Acht Tage brauchte er, um aus der Erde her⸗ vorzukommen; 14 Tage, um ſich zu entwickeln und faſt ebenſoviel, um ſeine Kuospe zu zeigen und ſeine Blume zu vollenden. In einem Klima, das ihr nicht zurief:Eile emporzuſproſſen, oder du wirſt todt ſein, ehe du das allen Weſen auferlegte Geſetz der Reproduction erfüllt haſt, ließ ſie ſich gemächlich Zeit, wie ihre Schweſtern um ſie herum; anſtatt in drei Tagen, wie ſie es im norwegiſchen Lappland that, geboren zu werden, zu leben und zu ſterben, brauchte ſie dazu mindeſtens vier volle Monate in Paris. L. F.

Nachdruck.

Der Nachdruck nimmt in einem Maße überhand, daß das literariſche Eigenthum vollſtändig ſchutzlos iſt. Große und kleine Blätter machen ſich kein Gewiſſen daraus, entweder unter möglichſt verſteckter Nennung der Quelle oder ganz ohne dieſelbe ihre Spalten mit fremdem Gut zu füllen. Namentlich werden die Beſuche bei Moltke und Vogel von Falckenſtein rück⸗ ſichtslos nachgedruckt, während viele große Blätter unſere Erlaubniß auf loyale Weiſe vorher eingeholt haben. Wir wollen ſür diesmal auf die Nam⸗ haftmachung der ſchuldigen Blätter verzichten, machen aber wiederholt darauf aufmerkſam, daß wir jeden Nachdruck unnachſichtlich veröffentlichen und gerichtlich verfolgen werden.

Es iſt eine Vereinigung mehrerer Blätter im Werk, um einen gemein⸗ ſamen Schutz gegen Nachdruck zu ſchaffen, und im Intereſſe der ſchwer be⸗ nachtheiligten Schriftſteller und Journale rufen wir die Hilfe des Publikums an, uns Nachdrucksfälle bekannt zu machen, denn was helfen einem Blatte, das darauf hält, nur Original⸗Beiträge zu bringen, die größten pecuniären und geiſtigen Anſtrengungen, wenn ein Artikel, einige Tage nach Erſcheinen, noch ehe er in die Hände der Abonnenten auf die Monatsausgabe gekommen, Gemeingut jedes Winkelblattes geworden iſt.

Briefkaſten.

Sehr häufig ergeht an uns die Bitte zum Abdrucke von Aufrufen für abgebrannte Ort⸗ ſchaften und andere Zwecke der Wohlthätigkeit, die wir leider nur in höchſt ſeltenen Aus⸗ nahmefällen berückſichtigen können. Wir bitten die Zurückweiſung der meiſten derartigen Geſuche(neuerdings H. G. in Z. P. v. S. in M.) deshalb nur der Beſchränktheit unſeres Raumes und den vorwiegend nach anderen Richtungen hin liegenden Zwecken unſeres Blattes zuſchreiben zu wollen. Herrn B. S. in E. Ihr Wunſch, eine Arbeit von Camphanſens Hand im Daheim zu ſehen, wird ſchon in einer der nächſten Nummern erfüllt werden. Wilhelmine N. IhrBienenſtich hat uns weder geſtochen noch IhrHonigkuchen gelockt. Den guten Willen ehren wir wenn nur die Ausführung ihm entſpräche! P. B. in Nen⸗Ruppin. Laſſen Sie Hans von Nördingen, das Geſpenſt um Mitternacht ruhen. Herrn Wundarzt N. in Alt⸗W. bei B. Erfinder der im II. Jahrg. Nr. 22.(S. 327) er⸗ wähnten Tragmaſchinen iſt Herr Univ. Bandagiſt Nyrop in Copenhagen. In Deutſchland wird ſie gefertigt vom Bandagiſten Reichel in Leipzig und Hrn. Bertram in Magdeburg, ſie kann übrigens nach der Beſchreibung in der Prager Vierteljahrsſchrift für prakt. Heilkunde 1865 Bd. I von jedem umſichtigen Bandagiſten geliefert werden.

Einigen Leſern in Wetzlar. Sie können die Looſe zur 11. Serie der Lotterie des König Wilhelm⸗Vereins zur Unterſtützung invalider Krieger und ihrer Familien in allen Städten und bei allen Collecteuren der Staatslotterie haben; das ganze Loos koſtet 2 Thlr., das halbe 1 Thlr. Herr Buchhändler Ad. Geſtewitz in Düſſeldorf, bekannt durch ſeine großen Mani⸗ pulationen zu Gunſten der Dombaulotterie, hat den Hauptvertrieb für die weſtlichen Pro⸗ vinzen übernommen. Die erſte Serie hat für die wirklich Invaliden einen Reingewinn von 50,600 Thlr. gebracht, die II. Serie ſoll 100,000 Thlr. abwerfen, damit die Bedürftigen bis zu der Zeit, wo das Abgeordnetenhaus das Invalidengeſetz genehmigt haben wird, einiger⸗ maßen unterſtützt werden können. Alsdann wird der Staat ſelbſt auf eine würdigere Weiſe für ſeine Braven ſorgen müſſen, aber bis dahin ſollte man auch dieſen Weg nicht verſchmähen, Noth und Entbehrung zu lindern. Dr. R. C. in Haunover. An größeren Werken über Langenſalza iſt unſeres Wiſſens bis jetzt nichts erſchienen, dazu iſt die Zeit auch noch zu kurz, Sie werden ſich noch eine Weile gedulden müſſen. Dagegen machen wir Sie auf eine Karte der Schlacht aufmerkſam, die wir Ihnen als ganz vorzüglich empfehlen, beſonders was die verſchiedenen Truppenaufſtellungen der Hannoveraner und Preußen anbetrifft. Dieſe wird Ihrem Zweck gewiß ſehr entſprechen. Soviel wir wiſſen, erſchien dieſelbe beim Buchhändler Klinghammer in Langenſalza.

Auflöſung des Rebus in No. 6. Eigenlob ſtinkt, Freundes Lob ſinkt, fremdes Lob klingt.

Juhalt: Die Wittwe Lautenſpihl. Novelle von Georg Heſekiel. Staarmatz. Von Fr. Schlegel. Illuſtr. von R. Kretſchmer. Braſilianiſche Nächte. II.(Schluß). Von Rob. Avé⸗Lallemant. Das Weib des Karaiten. (Schluß). Nov. v. M. Ben Aron. Reminiscenzen aus der Hochſommer⸗ zeit. II. Das Kirſcheſſen bei Nachod. Mit Illuſtr. Bilder a. d. Seeleben. Von R. Werner. IX. Marinecavallerie. Am Familientiſche.

8 8 5 M

Immer dolf ſtets an il namentlich auch

nun endlich in

gegeben, den Liel

Eindruck auf da beſonders hoch a ſie ſih darüben ſcoon gar nicht

Davon ab ers leicht genne offene Sprache das böſe Gew ſcharfſichtigen 1 Als es g ſpihl ſchon zu Vetter nichts tr unmer noch ſei wiſch von Feldr Chriſtinnicen ihrer Jugend

88

Tages ertapp Auf nächſten Sie wu war's doch, rage des Ve ebrauch g

gene valter ſo

lled . Ich ſ

ſc ſelbſt