Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
111
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en Felskegeln. An ausgebrannten Kra⸗ eichnen ſich die Vul⸗ re Ränder ſind von unterirdiſche Feuer er der Inſel werden innert, daß dat nirtem Boden ſtehen. in den wolkenloſen maragd eines üppi⸗ Pnet die Grenze der en Gipfel umlagert ie ein ſtrahlendes

ſimmern die weißen e Punkte am Hori⸗ des Hafens von St. nuf dem hellgrünen iot und die geringere

ſonntägliche Ruhe. ne wirft ihre erwär⸗ und ein milder Luft⸗ u den Höhen empor, aenken, das wunder⸗ unterbrochen. Ein erkſamkeit von dem ihre eigenen, werthen

in während des gan⸗ ts Bohr auf eine nicht wenig Sorge acbordbraſſe ſcharf uern und auf dem ſtörriſchen Thiere itwärts, wenn es Vogels Schimmel n Baumſtamm und bringt den ſchweiß⸗ it vierbeinigen um⸗ an es bei dem allge⸗ lunt, ſo daß deſſen ů muß, will es das Hehlweges biegt, dem unſere Ma⸗

niſten und verah⸗ der mißgeſtalteten

den Pferden un uhe kundgibt, den ibt, ſo daß erſteren

es ſchwarz vor ihren Augen.

die Marinecavallerie bietet eine Genrebild, wie es ſich wohl ſelten dem Pinſel eines Malers präſentirt. Links und rechts fliegen Hüte, Mützen und andere Gegenſtände durch die Luft, die Zügel ſind losge⸗ laſſen, die Reiter haben krampfhaft den Sattelknopf oder die Mähnen erhaſcht. Todesſchrecken malt ſich auf ihren Geſichtern, Haare und Rockſchöße flattern in horizontaler Richtung im Winde, während die ſchnaubenden Roſſe in nnaufhaltſamer Flucht über Stock und Stein, über Berg und Thal durch Büſche und Dornen ihren raſenden Lauf verfolgen. Bohrs wahnſinniger Klepper iſt voran; eine Pferdeſchnauze dahinter, der Schimmel, über den Vogel alle Herrſchaft verloren, links vor ihm der Doctor, die übrigen ſind etwas zurück.

Bohr und der Doctor überlaſſen ſich reſignirt ihrem Schickſale, und erſterer erwartet mit geſchloſſenen Augen den Moment, wo er beim Kentern mit gebrochenen Rundhölzern(Armen und Beinen) voll⸗ ſtändig zum Wrack gemacht werden wird. Nur eins wirft er ſich vor, daß er nicht ſo vorſichtig geweſen iſt, einen Anker mitzunehmen, um im Nothfalle vor Anker zu gehen. Dem Doctor iſt alles Denken ver⸗ gangen, Vogel dagegen verliert die Geiſtesgegenwart nicht. Er beugt ſich ſoweit, wie möglich vornüber und blendet ſein Pferd durch Schließen der Schauklappen mit den Händen. Ein Teneriffapferd läßt ſich jedoch wegen ſeines ſteifen Kreuzes ebenſowenig wie ein engliſches Kavalleriepferd pariren, wenn es einmal im Zuge iſt. Der Schim⸗ mel galoppirt deshalb ruhig weiter, nur ſchlägt er jetzt einen andern Weg ein, als der übrige Trupp und raſt ſeitwärts feldein. Sumpfiger Boden, in den das Thier bei dieſem neuen Kurſe geräth, wirkt jedoch

beſſer, als Sturzacker, und Vogel befindet ſich in kurzer Zeit in einem

Moraſte, in dem das bis über die Knie eingeſunkene Pferd ſich feſtge⸗ laufen hat. Derſelbe ſich im Halbkreiſe zu bedeutender Länge ausdehnende

Moraſt ſetzt einige tauſend Schritte weiter auch dem Rennen der

übrigen Kameraden ein Ziel, nur nicht ſo allmählich, da er dort bedeutend tiefer, mit Waſſer bedeckt und der Boden bis unmittelbar an den Rand feſt iſt.

Als die unglücklichen Reiter die Waſſerfläche vor ſich ſehen, wird Obgleich ihr Element, können ſie ſich nicht mit dem Gedanken befreunden, ſich demſelben mit ſo ſteuerloſen Fahrzeugen anzuvertrauen, wie ſie in ihren Pferden entdeckt haben, und ein eiſiger Froſt ſchüttelt ſie. Doch auch die Pferde theilen die Anſicht ihrer Herren. Am Rande des Sumpfes angekommen, pariren die Thiere des Lieutenants und des Doctors ſo aus dem Stegreif, daß die von dieſer neuen Heimtücke nichts ahnenden Reiter über den Hals fort und zehn Schritte weit in den Moraſt fliegen. Von der

nachfolgenden Truppe machen die nächſten einen gleichen salto mortale, während die Pferde ſchadenfroh am Ufer ſtehen und auf die zappeln⸗

den Bewegungen ihrer geſtrandeten Herren ſchauen, die wie Fröſche in dem Schlamme umher und dem feſten Lande zu kriechen. Der Reſt der Marinecavallerie langt ſpäter und vereinzelt an, jedoch ſind ihre Roſſe etwas humaner und begnügen ſich, ſie einzeln auf feſtem

Boden abzuſetzen oder wohl gar im Sattel zu laſſen.

Die ſich jetzt bietende Scene iſt koſtbar. Die Zappler im Mo⸗ raſte erreichen nach vielen Kämpfen halb erſtickt und natürlich von oben bis unten mit einer Lage ſchwarzen Schlammes bedeckt das Ufer. Mit ſchmerzlich verzogenen Geſichtern reiben ſich die meiſten ihre ge⸗ ſchundenen oder verſtauchten Gliedmaßen. Faſt alle ſind ohne Kopf⸗ bedeckung, der zurückgelegte Weg iſt damit, ſowie mit vielen anderen

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verlorenen Gegenſtänden beſtreut, die Garderobe hat bei dem wüthen⸗ den Jagen durch Buſch und Dorn entſetzlich gelitten, und der ganze Trupp macht den kläglichſten Eindruck. Im Hintergrunde erſcheint Vogel, der ſeine Strafe erhalten, und da er die Reitgerte verloren, nur mit größter Mühe ſeinen halsſtarrigen Schimmel aus dem Mo⸗ raſte hat ziehen können und am fernen Horizonte erblickt man die zu⸗ rückgelaſſenen Führer, welche mit Entſetzen den Spuren ihrer durch⸗ gegangenen Pflegebefohlenen nachlaufen.

Als die verſchiedenen Gruppen ſich einigermaßen von ihrem Schrecken erholt haben, verſuchen einige minder Beſchädigte das Aben⸗ teuer vom humoriſtiſchen Standpunkte aufzufaſſen; ſie reüſſiren jedoch nicht, denn die meiſten ſind zu empfindlich von dem Unfalle betroffen. Bohr beſonders iſt äußerſt ungehalten über das Schlammbad; kein Fleck an ihm iſt verſchont, aber er betheuert in kräftigſter Weiſe, ihn ſolle dieſer oder jener holen, wenn er in ſeinem Leben je wieder ein anderes, als ein Pferd unter der Raa beſtiege. Um wieder zu den verlorenen Sachen zu gelangen, muß der ganze Weg noch einmal zu⸗ rückgelegt werden, und da jetzt jeder Reiter ſeinen Gaul an der Hand führt, um ſich nicht einem abermaligen Parforceritte auszuſetzen, geht dies viel langſamer von Statten. In ziemlich trübſeliger Stimmnng erreicht man nach einer Stunde endlich das verhängnißvolle Plateau, wo ſich auch die letzten Hüte wiederfinden. An eine Fortſetzung der ſo gewaltſam unterbrochenen Pikpartie iſt unter ſolchen Umſtänden natürlich nicht zu denken. Dies ſcheint auch allen ſo ſelbſtverſtänd⸗ Qlich, daß derſelben mit keiner Silbe erwähnt wird. Für eine Fuß⸗ tour iſt es zu weit, und wer wollte ſo kühn ſein, nach ſo bitteren Er⸗ fahrungen wieder zu Pferde zu ſteigen. Schweigend tritt daher die Geſellſchaft nach kurzer Raſt den Rückweg an, die widerſpenſtigen Thiere hinter ſich herziehend, die ihren Herren noch manchen Kummer bereiten, ſich ohne weiteres in jeder vorbeipaſſirenden Pfütze nieder⸗ legen oder plötzlich eine Schwenkung in eine Herde friedliche Eſel machen, die ihren Weg kreuzen. Lahm, ſchweißtriefend, mit Staub und Schmutz bedeckt und mit allerlei Reitconſequenzen geſegnet, er⸗ reichen die Reiſenden endlich Laguna, wo ſich wiederum die Fenſter⸗ ſchalter öffnen und die ſchwarzen Augen von heut morgen abermals aus den Mantillen hervorſchauen. Welcher Contraſt! Niemand denkt jetzt an Kokettiren, und das Lächeln der Schönen ſchneidet den Deutſchen tief ins Herz.

Ein wie eine Lawine anwachſender Haufe von Bettlern und Straßenbuben bildet ihre Eskorte bis zu der Poſada, wo ſie wenig⸗ ſtens einige Ruhe finden. Es koſtet geraume Zeit, ehe die Spuren des Abenteuers einigermaßen vertilgt ſind. Nach mehreren Stunden geduldigen Harrens gelingt es auch, einen etwas kräftigeren Imbiß zu erhalten, als Waſſermelonen und Oliven, und gegen Abend tritt die getäuſchte Schar ihren Rückweg nach St. Cruz an. Diesmal triumphirt aber der Doctor; es ſind Wagen gemiethet, und bald raſſeln ſie durch die öden Straßen der Stadt. Nur Lieutenant Bohr bleibt zurück; er hat ſich geſchworen, von jetzt ab nur Boote zu benutzen, wenn er Touren über Land macht, und da er in Laguna keins be⸗ kommen kann, zieht er es vor, den langen Weg zu Fuß zurückzulegen. Im Herzen tief ſeinen Leichtſinn bereuend, athmet er zuerſt wieder froh auf, als er die Decksplanken des Seeſtern unter ſeinen Füßen fühlt und gelobt ſich feierlichſt, ohne Noth nicht wieder ſein ſicheres Schiff zu verlaſſen und ſich dem wechſelvollen Landleben anzuver⸗ trauen.

An Zanilientiſche

Eine Wildniß im Herzen Deutſchlands. II. Die Torfgräber im Rhinluch). Die im Rhinluch arbeitende Torfgräbercolonie beſteht aus etwa 3500 Seelen, die im Moor graben, und gegen 1000 Schiffern, die auf Kähnen, welche Eigenthum der Torfherren ſind, den Torf auf der Havel verſchiffen.

Die hohen Arbeiterlöhne ziehen Maſſen von Arbeitſuchenden ſelbſt aus weiterer

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Ferne, bis zur Mecklenburger Grenze hin, herbei, die dann in den umliegenden Dörfern ihren Wohnſitz aufſchlagen; viele derſelben haben Meilen weit nach ihrer Wohnung. Auch aus den herabgekommenen Handwerkern und ſelbſt aus den Verbrechern recrutirt ſich dieſe Bevölkerung. Candidaten der Strafhäuſer, ſteckbrieflich Verfolgte ſchleichen ſich häufig unter falſchem Namen ein, was um ſo eher geſchehen kann, da die Arbeitskräfte geſucht ſind und die Controle nicht zu ſtreng geübt wird. Viele weiß die Polizei dort wieder auszuſpüren,

viele aber werden durch die ſchwere Arbeit wieder zu ordentlichen Menſchen,

Die kleinen Grundbeſitzer in der Nähe

h*) Siehe No. 5. S. 79.

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K gründen ſich ein neues Daſein. 5

laſſen ihre Knechte während der Torfzeit in den Gruben arbeiten, unter der Bedingung, daß ſie zur Ernte wieder an die Landarbeit gehen; aber dieſe bilden nur einen kleinen Bruchtheil, die größte Maſſe ſind unabhängige Torf⸗ gräber. Sie müſſen ſchon um der ſchweren Arbeit willen kräftige, aus dauernde Menſchen ſein, und ſich während der Arbeitszeit gut und ſubſtantiell nähren. Die meiſten ſuchen der Grube möglichſt nahe zu wohnen, und ſo haben ſich die umliegenden Dörfer mit einer Coloniſtenſchar bevölkert, die ihre eigene, einheimiſche Bewohnerzahl weit überſteigt. Das Dorf Linum z. B., das ſonſt 600 Seelen zählt, hat jetzt die dreifache Zahl. Die Arbeiter, die in der Nähe wohnen, gehen allabendlich nach Hauſe und bringen ſich früh ihren Bedarf an Nahrung mit. Die entfernter Domicilirten gehen wöchentlich einmal, oder auch erſt nach mehreren Wochen nach Hauſe und verſorgen ſich dann in entſprechender Weiſe; ihre Hauptnahrung bilden Fleiſch, Speck, Eier u. dgl. Für dieſe ſind von den Unternehmern blockhausartige Hütten auf dem Moore ſelbſt errichtet, in deren Mitte das Comptoir ſteht, in welchem eine Glocke

in zur Regelung des Arbeit hängt; neben dem Coinptoir iſt meiſt eine Schenkwirthſchaft eingerich tet. Die Hütten ſind klein 24 Fuß Länge, 12 Fuß Breite, 10 Fuß Höhe);,