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ein Kindlein, der wird nicht hinein kommen.“ (Marc. X. 14. 15.) So sei denn, auch dieser holde Kleine uns ein Abbild der höheren Welt, die Reinheit seiner Seele zu bewahren unsere stete Sorge. Wohl euch, Aeltern! die ihr ihm das Leben gegeben habt, ist er einst durch eure treue Sorgfalt zu einem thatkräftigen Jüngling herangereift, der schon in der Blüthe seiner Jahre eine segensreiche Wirksamkeit verspricht; wohl euch! seht ihr ihn in den Tagen, wo weißes Haar euren Scheitel deckt, zitternd euer Fuß dem Grabe zuschreitet, als wackern Mann seinen Veruf, als Gatte, Vater, Bürger, als Mensch und Christ treulich erfüllen. Segen, reicher Segen, die Frucht redlichen, Gott wohlgefäl⸗ ligen Wirkens krönt dann euer Alter und der sußeste Lohn für eure Mühen und Sorgen ist das erhebende Bewußtsein, Gott und der Menschheit würdige Arbeiter erzogen zu haben. Daß du in Liebe verbundnes junges Paar diese Krone des Lebens dir erringen wirst, das verbürgt mir der fromme Geist, der aus deinen freudethrä⸗ nenden Blicken strahlt; das der Ausdruck des
eiligsten Entzückens, der in den Mienen deiner greisen Aeltern, beim Hinschauen auf dich und deinen Erstgebornen sich zeigt, mir und Allen verkündend: durch dich werde ihr Lebensabend verschönt, durch dich die Beschwerden ihres Al— ters erleichtert.— Denn die, welche in kindli⸗ cher Liebe gegen ihre Aeltern verharren und ihnen im Alter Freude gewähren;— die werden auch gute Kinder erziehen und hohe Freude an ihnen erleben.— Ihr aber alle, durch die Bande der Blutsverwandtschaft, oder durch die der Menschheit und des Christenthums diesem wür⸗ digen Paare und seinem Neugebornen Verknüpf⸗ ten werdet willig, was an euch ist, zum freu⸗ digen Gedeihen dieses zarten Sprößlings beitra⸗ gen; dessen versichert mich die hohe Andacht, mit welcher ihr der ergreifenden Handlung beiwohnt, die ihn für sein ganzes Leben dem Herrn der Welten heiligen soll.— So empfange er denn, nach der alten, ehrwürdigen Sitte der Kirche, unter Benetzen mit Wasser, zum Zeichen, daß Reinheit der Seele ihn auf seiner ganzen Lebens⸗ wanderung schmücken möge,— die heilige Wei⸗ he; werde getauft auf den Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. — Mit den Jahren nehme er zu an Erkennt⸗ niß, richte sich sein Wille hin auf das, was recht und gut ist;— dann wird er in dem Ur⸗ heber der sinnlichen und geistigen Welt stets den
liebenden Vater erschauen, dem hohen Vorbild der Vollkommenheit, das der Sohn für alle Zeiten gegeben hat, nachstrebend, zu einem wahren Christen erwachsen und die seligen Wir⸗ kungen des heiligen Geistes erfahren, der allen nach Wahrheit strebenden Geisteswesen seine Tiefen erschließt, sie hinleitet zu vollendeter Seligkeit.“—
Die Rede ist geendet; der Täufling wird dem Diener des Herrn überreicht; die Taufhandlung dem alten Brauche der Kirche gemäß vollzogen; der Versammelten stilles Flehen für das Wohl des jungen Erdenbürgers steigt, mit dem des un digen Pfarrherrn, zur Welten lenkenden f macht empor; sie empfangen den Segen und, Unter dem die Gläubigen zur sonntäglichen Gi tesverehrung rufenden Glockengeläute wird der heißgeliebte Säugling von den treuen Mutter armen zur friedlichen Wohnung getragen.
(Fortsetzung folgt.)
Mittheilungen aus der Geschichte von Polen.
4. o (Fortsetzung.)
Die polnischen Geschichtschreiber haben diese Sage von Piast's Erhebung noch mehr ausge⸗ schmückt und ins Wunderbare gezogen. Sie er— zählen: Zwei wohlgekleidete Jünglinge hätten bei dem stolzen Popiel auf Schloß Kruschwitz ein Nachtlager begehrt, wären aber schnöd und unfreundlich abgewiesen worden. Diese seien hierauf von einem in der Nachbarschaft woh⸗ nenden Edelmanne Piast und seiner Gattin Na⸗ pitza gastfreundlich aufgenommen und ihnen, was Küche und Keller vermochten: Brod, Schweinefleisch und Meth reichlich vorgesetzt worden. Und, o Wunder! obgleich die Wande⸗ rer sammt den vergnügten Wirthen tüchtig zu⸗ gelangt hätten, sei doch des Honigs und der Schinken kein Aufhören gewesen, so daß viele Hungrige gespeist worden wären. Beim Ab⸗ schiede hätten sie dem Sohne ihrer gastfreien Wirthe ein glänzendes Schicksal verheißen, diese Verheißung aber, ingleichen die wunderbare Vermehrung der Speisen und Getränke den bie⸗ deren Wirthen die Ueberzeugung gegeben: ihre Gäste seien Bewohner des Himmels gewesen. Am Tage der Herrscherwahl nun sei von jenen himmlischen Gaͤsten die Wahl auf den wackeren


