34
der Sinnenwelt stete Herrschaft üben, dadurch ihnen und dem gesammten Menschengeschlechte die verlorene Würde wiedergewinnen,(4. Mos. III. 45.) und diese hohe Hoffnung in dem Gott⸗ menschen Jesu aufs Herrlichste verwirklicht wurde,— so hält auch uns aufrecht die selige Ueberzeugung, daß— streben wir dem erha⸗ benen Beispiele des göttlichen Meisters nach,— das Ziel unserer Vollendung immer näher und näher rücken werde.— Irrt auch ein großer Theil der Menschenwelt vom rechten Wege ab, so geht doch dadurch die große Sache der Mensch—⸗ heit nicht unter; Gottes Allmacht, welche die zahllosen Welten lenkt und erhält, wirkt auch mit ewiger Thätigkeit, segnend, ordnend und einend im großen Bereiche der Geisterwelt.— Denen, die obsiegen im Kampfe mit den Lüsten des Fleisches, rastlos dem lichten Ziele entgegen⸗ wallen, dem Ziele menschlicher Vollkommenheit, zu welchem Jesus Christus allen, die an ihn halten in treuer Liebe, bestrebt sind, durch rege Wirksamkelt für der Menschheit heiligstes Besitz— thum, für Tugend und Wahrheit, sein Ver⸗ dienst sich anzueignen,— die Bahn gebrochen hat, denen werden immer mehrere und mehrere redliche Arbeiter sich anreihen, und in der Stille wird das Gottesreich erblühen, das Reich, dessen Bürger leben in Unschuld und Liebe, in ungetrübter Seligkeit.
Zur Laͤnder⸗ und Voͤlkerkunde. Kamtschatka und seine Bewohner. J.
Die große Halbinsel Kamtschatka erstreckt sich von dem Küstenfluße Anadir im Norden von Asien aus nach Süden bis zu den kurilischen Inseln hin, und wird an der Ostseite vom Ocean, an der Westseite vom ochotzkischen Meere bespült. Sie wird für ein rauhes und unfruchtbares Land gehalten, ist aber weit besser, als ihr Ruf. Sie liegt mit England und Schottland unter gleichen Breitegraden, und ihr Flächen⸗ inhalt kommt mit dem dieser beiden Länder über⸗ ein). Sie hat sich im Vergleiche mit den ge⸗ nannten Ländern zwar keines langen, aber desto schöneren Sommers und eines weit üppigeren
) Derselbe beträgt nämlich 4000 Quadratmeilen.—
1
England hält deren 2400, Schottland 1600.
Pflanzenwachsthumes zu erfreuen. Die Winter dauern lange auf ihr, und verursachen des vie⸗ len Schnees wegen manche Unbequemlichkeit sind aber im südlicheren Theile nicht sehr kalt. Die Ansicht, daß die Kürze der guten Jahres, zeit den Getreidebau nicht gestatte, hat durch mehrere gemachte Erfahrungen vom Gegentheil bereits ihre Widerlegung gefunden. Die Gar⸗ tengewächse gedeihen sehr gut; Kartoffeln geben gewöhnlich einen dreißigfachen Ertrag und wür⸗ den den Mangel des Brods vollkommen ersetzen, wendeten nur die Einwohner mehr Sorgfalt auf deren Anbau. Diese aber finden es bequemer, sich für den ganzen Winter in Ueberfluß mit Fi⸗ schen zu versorgen, obgleich schon Jahre einge, treten sind, in welchen der Fischfang so wenig ergiebig war, daß er kaum vor allgemeiner Hungersnoth schützte. 5
Ueber ganz Kamtschatka erstreckt sich der Länge nach ein Gebirge, welches hoch in die Wolken hineinragt und mit ewigem Eise bedecht ist. Es bildet nur sehr wenige kleine Thaler, und seine Grundfläche nimmt die ganze Breite der Halbinsel ein. Die Halbinsel bietet dem Beschauer eine Reihe von dicht zusammenge⸗ drängten kegelförmigen, zum Theil sehr hohen, zum Theil niedrigen Granitbergen dar, deren eckige und zackige Gestalt auf den ungeheuren Kampf der Elemente deutet, unter welchem die Erde dieselben aus ihrem Schooße hervorgesto⸗ ßen hat. Noch immer hat dieser Kampf sein Ende nicht erreicht; dieß beurkunden die öfteren Erdbeben und das Rauchen und Brennen vieler Vulkane, von denen einer, der Kamtschatka⸗ berg genannt, sich mit den höchsten Bergen der Erde messen kann, und seine Umgebungen oft durch Lavaströme zerstört. Das Gebirge mit seinen Gletschern und Vulkanen„deren Rauch⸗ und Feuersäulen sich aus dem Eise erheben, bildet mit dem schönen Grün der Thäler einen malerischen Abstich. Einen besonders seltsamen und herrlichen Anblick aber gewähren die an der westlichen Küste befindlichen Krystallenber⸗ ge. Von der Sonne bestrahlt spielen sie Bril⸗ lantenfelsen vergleichbar in den schönsten Far⸗ ben, und der hier sich vorfindende Schwefelkies gibt den Bergen das Ansehen, als seien sie von gediegenem Golde.
Im Winter bedeckt der von den Bergen her⸗ abgewehte Schnee die Häuser oft gänzlich, und die Bewohner derselben müssen sich Ausgänge durchgraben, während das Vieh über die Daͤ—


