festliche Gaben; alle brachen in den Nuf aus:
Jenseits werden die auf Erden weise leben; Sternenkronen sie umgeben.
Der Jubelgreis war unterdessen in den Pfarrhof hinabgegangen, wir seine Kinder und Enkel wa⸗ ren ihm in einiger Entfernung gefolgt. Seg⸗ nend breitete er seine Hände über die versam⸗ melten Gemeindeglieder aus, und rief mit von Thränen erstickter Stimme: Gottes Segen über euch, meine vielgeliebten Kindlein, denn solche seidt ihr in der langen Reihe von Jahren, wel- che ich unter euch lebe, meinem Herzen gewor— den, Gottes Segen über euch und alle die Eu⸗ ren! Dann faltete er still seine Hände und schau⸗ te mit unaussprechlich viel sagendem Blicke zum lichtblauen Himmel auf, tief im Innern den anrufend für das Wohl der ihm anvertrauten Herde, welcher, ein Geist der Liebe, alle dieje⸗ nigen, die ihn suchen, seine heilige Nähe em⸗ pfinden läßt.— Mit entblößten Häuptern in andächtiges Flehn versunken umstanden ihn sei⸗ ne Pfarrkinder; die Gefühle, welche ihre Her⸗ zen erfüllten, malten sich in ihrem Aeußeren; oͤffnete sich auch keine Lippe, so sprach doch aus allen der heiße Wunsch: lange noch wolle der gütige Vater im Himmel unsern treuen, in Ehren ergrauten Hirten zum Heile seiner, ihm so in⸗ nig anhangenden, Heerde, uns erhalten.— Durch daurende Ergebenheit und treues Fest⸗ halten an dem für wahr Erkannten ihm seinen Le⸗ bensabend zu verschönern, sind wir alle bereit!— Jetzt öffneten sich die Reihen; einige der älte⸗ sten Gemeindeglieder schritten auf den Ehrengreis zu und setzten auf sein silberweißes Haupt einen in lieblichem Grüne prangenden Eichenkranz; jüngere Glieder der Gemeinde folgten und über⸗ reichten ihrem vielgeliebten Seelsorger einige
Heil unserm edlen Freunde, unserm Lehrer, unserm Vater! Heil ihm und den Seinen! Tief ergriffen dankte der durch die Liebe der Seinen hochbeglückte Greis, ging unter seinen Pfarrkin⸗ dern umher, reichte einem nach dem andern die Hand und sagte einem jeden von ihnen einige wenige, aber Geist und Gemüth ansprechende Worte. Die Morgensonne umleuchtete die im Geiste in eine höhere Welt versetzte Versamm⸗ lung; alle empfanden die Nähe des großen Got⸗ tes und in flammender Begeisterung stimmten sie unter Posaunenschall' an das herrliche unter
ben die Glocken der frommen Christenschaar dag Zeichen, daß die der Verehrung des de weihten Hallen ihrer harrten und geräuschlos schritt Alt und Jung dem Gotteshause zu.—
Zur Laͤnder⸗ und Voͤlkerkunde. Kamtschatka und seine Bewohner. III.
„Die Kamtschadalen sind ein äußerst gutmü⸗ thiges, gastfreies und furchtsames Völkchen durch Farbe und Gesichtsbildung mit Chinesn und Japanern nahe verwandt. Sie bekenmn sich sämmtlich zur christlichen Religion, habn aber doch heimlich noch manche heidnischen Ge bräuche beibehalten, unter welche besonders das Tödten ihrer krüppelhaften Kinder zu rechnen ist.
Ehedem glaubten die Kamtschadalen an einen allmächtigen Schöpfer der Welt, welchen sie Kutka nannten. Er bewohnte den Himmel, hatte sich aber einige Zeit in menschlicher Gestalt in Kamtschatka aufgehalten, und war der Stamm— vater der Kamtschadalen geworden. Auch bei ihnen fand man die Sage von einer allgemeinen Ueberschwemmung, und sie zeigen noch jetzt auf der Spitze eines Berges den Ort, wo Kutka auf einem Boote gelandet seyn soll, um die Welt mit Menschen zu versehen. Ein noch jetzt in Kamtschatka allgemeines Sprüchwort, um eine längst verflossene Vergangenheit auszudrücken, ist: das war zu Kutka's Zeit. Außer dem höch⸗ sten Gotte Kutka hatten sie noch eine Menge Un, tergötter, welche ihre Einbildungskraft zum Theil auf Berge, in Wälder, Gewässer und in die Luft versetzte. Sie beteten solche an, so lange ihre Wünsche erfüllt wurden, und schimpften sie aus, sobald es ihnen nicht nach ihrem Sinne ging, ähnlich dem gemeinen Italiener, der, ärgert er sich über ein Mißgeschick, seine Mütze abnimmt, so viel Heiligennamen, als ihm ge— rade einfallen, hineinspricht und dann mit Fü⸗ ßen tritt.
Zwei aus Holz geschnitzte Hausgötter, Aschu— schok und Hontai, standen bei ihnen in beson⸗ derm Ansehen. Ersterer hatte die Figur eines Menschen, und sein Amt war, die Walbgeister vom Hause zu verscheuchen, wofür er auch ge⸗ speist wurde, indem man seinen Kopf täglich
dem Namen des ambrostanischen Lobgesangs be⸗ kannte Lied: Herr Gott dich loben wir; da ga—
mit Fischbrühe besudelte. Hontai war halb Mensch und halb Fisch; es wurde jährlich, am


