Ausgabe 
19.2.1832
 
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vertrauenden Feinde entgegen.

auf einander.

schimpflichen Flucht, und führte seine Tapfern

sieggekrönt und mit Beute beladen nach Polen zuruck. Jarislaus hatte unterdessen frische Hee⸗ resmassen an sich gezogen, ereilte mit diesen die heimkehrenden Polen am Borysthenes) und suchte ihnen den Uebergang streitig zu machen. Boleslaus lieferte ihm eine blutige Schlacht, nöthigte ihn zu einem schimpflichen Rückzuge, und gelangte wohlbehalten mit seinen Treuen in der Heimath an. um seine Krieger in ste⸗ ter Thätigkeit zu erhalten, führte Boleslaus die⸗ selben nun gegen die Sachsen, besiegte unge⸗ achtet ihres kräftigen Widerstandes dieselben völlig, und zog sich, nachdem er die Elbufer als Grenzen seiner Staaten bestimmt und daselbst zwei eiserne Säulen als Gedenkzeichen seiner Eroberungen aufgerichtet hatte, in sein Reich zurück. Hierauf zwang er, ohne einen Schwert⸗ streich zu thun, Preußen und das früher zu Polen gehörende Pommern durch den Schrecken, welcher seinem Namen vorherging, zur Aner kennung seiner Oberherrschaft, und war nun un⸗ ermüdet darauf aus, sein Reich durch weise Anordnungen zu beglücken, es in Ruhe die Früchte seiner Siege genießen zu lassen. Aber der Russenhäuptling Jarislaus wollte noch ein⸗ mal mit dem Polenhelden sich messen, und drohte mit einem zahlreichen Heere in dessen Land ein⸗ zufallen. Der greise Boleslaus stellte sich an

die Spitze seiner sieggewohnten Schaaren, und

zog dem auf seine dreimal stärkere Heeresmacht An dem Bory⸗ sthenes, wo Boleslaus schon einmal den kühnen Gegner überwunden hatte, trafen beide Heere Die Polen, von ihrem Könige an den früher hier erkämpften Sieg erinnert, und ermahnt, weder die Menge der Feinde zu scheu⸗ en, noch zu verachten, griffen rasch an, und zwangen die Russen, in einer ungeregelten Flucht ihr Heil zu suchen. Boleslaus gebot ih⸗ nen, der fliehenden Feinde zu schonen, schickte die Kriegsgefangenen ohne Lösegeld zurück, und machte dem Jarislaus so gemäßigte Friedens⸗ bedingungen, daß die Russen, durch diese Milde gewonnen, sich willig dem Sieger unterwarfen.

Nach einer ruhmreichen Herrschaft von fünf undzwanzig Jahren starb der wackere Boleslaus, und hinterließ seinem Sohne Miecislaus, wel- chen nach des Vaters Tode die Polen zu Pos⸗

Dnepr; entspringt im Wolchonskywald und fließt bei Otschakow ins schwarze Meer.

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nanien) einmüthig als ihren König anerkannt hatten, ein großes und mächtiges Reich. Mit Recht nennt die Geschichte den Boleslaus einen großen Herrscher; denn mit seltenem Helden⸗ muthe vereinigte er in sich eine große Mäßigung, und sein steter Wahlspruch war:Ein Herr⸗ scher müsse als seinen höchsten Ruhm erachten, über ein freies Volk zu gebieten..

Raͤthsel.

Eine Jungfrau thront seit undenklichen Zeiten Auf starrem Gestein und wogendem Meer; Buntfarbige Hüllen die Jungfrau umkleiden, Die ruht, selbst umtobt von der Stürme Heer.

Denn von felsigten Massen sind ihre Glieder Gefügt zu einem großmächtigen Bau;

Ihn reißet kein sterblich Geborener nieder, Wie sehr er auch auf seine Macht vertrau'.

Nur Einer vermag diesen Bau zu vernichten, Der, welcher ihn mächtig hat aufgeführt; Der Eine auch einstens das Leben wird richten, Das in diesem Baue sich emsig rührt.

Jahrtausende sind schon vorübergegangen, Die Riesenjungfrau, sie trotzte der Zeit; Noch erglänzt sie in feurigem Jugendprangen, Doch ihr Leben trübte manch bitt'res Leid.

Den Schooß dieser Jungfrau vor Jahren einst schmückte

Ein einziger funkelnder Edelstein;

Den Edelstein regsames Leben beglückte,

Ein kleines, doch muthiges Völkelein.

Doch innere Zwietracht das Völklein erfaßte; Da war's um des Völkleins Frieden gescheh'nz Des funkelnden Edelsteins Schimmer erblaßte, Denn, Wehe! er mußte getheilt sich seh'n.

Drei mächtige Felsen die Theile erkohren, Zu erhöh'n ihren Glanz und ihre Macht; Doch das, was das trauernde Völklein verloren, Nicht Zeit, noch Muth ihm hat wieder gebracht.

Die muthigen Helden des Völkleins durchirren Die Fremde nach mancher blutigen Schlacht.

*) Posen.