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ab;— ihr feiert unter Engelchören in der Hei⸗ math, gereinigt von den Schlacken des Erden⸗ lebens, den Tag, der mich, der die mir Ge⸗ bliebenen mit so hoher Wonne erfüllt;— ihr umschwebt uns; ich empfinde eure Nähe;— seid, selige Geisteswesen, mir gegrüßt!“ So schloß er, dankte mit stillem Wonneblicke seinem Gotte, herzte uns alle zu wiederholten Malen und nann⸗ te eins um das andere seine lieben treuen Kinder. Wir nahmen nun das Festgewinde und um⸗ kränzten damit die theuren Bilder der guten Großmutter und ihrer beiden, ihr zur Heimath vorangegangenen, Söhne; dann führten wir den Jubelgreis in das Seitengemach, in wel⸗ chem die übrigen Geburtstagsgeschenke für ihn ausgebreitet lagen und uns ein einfaches länd⸗ liches Frühstück erwartete. Hier begrüßten den in treuem Wirken ergrauten Familiengreis auch der alte Jakob und die greise Marie, der red—⸗ liche Diener und die bewährte Dienerin unsers Hauses, mit den Tiefen ihrer reinen Herzen entströmenden Segenswünschen. Länger als dreißig Jahre hatten beide in unserm Hause ge⸗ dient und Freude und Leid mit ihrer Dienst⸗ herrschaft getheilt. Herzinniglich dankte ihnen der in Ehren grau gewordene Hausvater und sprach zu ihnen Worte des Friedens, welche den Treuen der süßeste Lohn für ihre lange, durch keinen Mackel getrübte Dienstzeit waren.— O gesegnet das Haus, in dem der Friede wohnt; gesegnet der Familienkreis, in welchem lautere Frömmigkeit heimisch ist, und dessen Glieder al⸗ lesammt innige Liebe und treue Anhänglichkeit verbindet! Es gleichet einem Garten Gottes, in welchem ewiger Frühling herrscht und Saa⸗ ten, die kein Sturm zerstört, zu freudiger Reife gedeihen. Sein stiller Herd ist ein heiliger Al— tar, von welchem dem Herrn der Welt, dem großen Geiste, der mit heiliger Liebe und hoher Weisheit, mit Allkraft und Stärke der Welten und der Wesen Heere hält und lenkt, liebliche Opfer entsteigen.— O möchten doch alle Erd⸗ bewohner die hohe Weihe echter Häuslichkeit empfinden und diese Welt durch friedliches Bei— sammenwohnen zu einem lichten Eden sich ge⸗ stalten, in dessen Mitte ein unerschütterlicher Tempel die Kinder Gottes einete in festem Glau⸗ ben, hoher Liebe und seligem Hoffen.
Die Zerwuͤrfniß der Staaten. Ein auch noch so mächtig aufgeführtes Staats⸗
gebäude zertrümmern ist furwahr weit leichter als auf dessen Trümmern ein neues, ein besse res gründen.— Um ein Staatsgebäude zu gründen, dazu bedarf es nämlich der Weisheit welche in einem besonnenen Handeln sich offen, bart;— Weisheitsstreben ist aber der tobenden Menge nicht eigen.— Um ein Staatsgebäude zu zertrümmern, dazu bedarf es nur der Entsittli⸗ chung des Volkes durch eine der Wahrheit und dem Nechte Hohn sprechende Wirksamkeit.— Von einer solchen Wirksamkeit aber wird zun größten Schmerze aller Edelen in unsern Tagen ein großer Theil der Staatsbürger bearbeitet, indem er sich von den Fallstricken eines Begeist⸗ rung für Freiheit und Volksbeglückung erhu⸗ chelnden, in der That aber nur herrschen wol lenden, nur nach Befriedigung seiner Eigensucht strebenden Haufens umgarnen läßt.— Da bie ten sich denn dem ruhigen Beschauer des wüsten Treibens der im Rausche der Genüsse einer sich stolz brüstenden Scheinfreiheit und Ständegleich⸗ heit dahin taumelnden wildbewegten Volksmas— sen die herzzerreißendsten Erfahrungen dar. Fa— milienhäupter, Jahrzehente lang der Schmut ihres stillen Hauskreises, enteilen, ach! zur tiefen Betrübniß der Ihrigen, dem harmlosen heimischen Herde, mischen sich unter die in kuͤhnem Tha⸗ tendrang ungestüm dahin brausende Jugend; setzen, umnebelt von den mißverstandenen Lehr weisen schwindelnder Volksleiter, die allein den Mann von vestem Sittengepräge bezeichnende Besonnenheit bei Seite, und gefallen sich in un— überlegten Vernünfteleien über die weit und breit zu herrschen beginnende Völkerfreiheit, von wel— cher die Wortführer der für Volksbildung an vie⸗ len Orten stattfindenden Zusammenkuünfte ihnen einen Vorschmack gegeben haben.— Irregelei— tete jugendliche Gemüther, welche ihren ausge— zeichneten Fähigkeiten nach eine Zierde des Va⸗ terlandes werden können, vernachlässigen, nicht achtend der Jammerthränen ihrer betagten Ael— tern, ihre bürgerlichen Berufsgeschäfte und wälzen sich in dem Schlamme entzügelter Lei— denschaftlichkeit fur die Beförderung der Entkind⸗ schaftung der ihrem Wahne nach mündig gewor⸗ denen unter Zwingherrndruck schmachtenden Völ— ker. Die Schwungreden einiger tolldreisten zum Aufruhr, zum Umsturze alles Bestehenden anreizenden Tagsblätter, die machen ihre gei⸗ stige Nahrung aus; so werden sie der frommen
Scheu vor allem Unrecht nach und nach gänzlich entfremdet, und niedrige Sclaven ihrer eigenen


