Ausgabe 
15.1.1832
 
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sich zu schämen, daß er von einem Andern ge⸗ führt werden mußte. Er riß sich von dem Arme des Schreibers los, um ohne Hülfe die Treppe herunter zu gehen, taumelte aber so sehr, daß er endlich der Länge nach die Treppe hinunter siel. Der Schreiber eilte seinem Herrn nach und richtete ihn wieder auf. Kaum war dieß ge⸗ schehen, so fing dieser an, seinen Schreiber sehr zu bedauern, daß er so unglücklich gewesen wäre, die Treppe hinunter zu fallen, und er⸗ kundigte sich sehr angelegentlich, ob er keinen Schaden genommen hätte? Der Schreiber, wel cher sich endlich des Lachens nicht mehr erwehren konnte, sagte zu seinem Herrn: Nicht ich, son⸗ dern Sie sind ja die Treppe hinunter gefallen. So, so! entgegnete der Beamte ganz gelassen und mit stammelnder Zunge,das ist mir lieb, ich glaubte wahrhaftig, Sie wären herunter gefallen. Also bin ich es gewesen, fragte er noch einmal ganz verwundert, der die Treppe herunter fiel? Ei, ei, das hätte ich nicht ge⸗ glaubt!

Gedaͤchtnißstaͤrke.

Vor mehr als hundert Jahren lebte zu Han⸗ nover ein blinder Magister, welcher in seinem fünfzigsten Jahre ohne Mühe tausend Wörter nicht nur in der vorgelegten Ordnung, sondern auch rückwärts und von der Mitte an herzusagen wußte. Er konnte neun und zehn Reihen Zah⸗ len und in jeder Reihe eben so viel Zahlen als Neihen, welche man ihm nur einmal vorgesagt hatte, sogleich behalten und ohne Anstoß vor⸗ wärts und rückwärts hersagen, ja wußte sogar auf der Stelle anzugeben, welches die vierte Zahl der fünften Reihe, oder die achte Zahl der neunten Reihe u. s. w. sei. Predigten, welche er nur einmal gehört hatte, wiederholte er von Wort zu Wort, und aus der Geschichte wußte er eine Menge Namen von Kaisern, Königen, Feldherren, Gelehrten und anderen berühmten Männern.

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Ein junger Mann klagt' einem Greise, So recht nach junger Männer Weise, Sein Eh'geschick im Jammerton:

Mein Weibchen, klagt' er, wird bald sterben;

Der Zorn, ach Gott! ist ihr Verderben:

Er nagt an ihrer Blüthe schon! i

Seid ruhig, sprach der biedre Alte!

Damit Er Ruh' und Trost erhalte,

Geb' ich ihm die exprobte Lehr':

Sei Er, mein Freund, nur nicht verlegen

Es stirbt kein Weib des Aergers wegen,

Sonst lebte längst kein Weibchen mehr. R l.

Nuͤtzliches Allerlei.

2. Mittel gegen Frostbeulen. b) Heilmittel.

Umschläge von faulen Aepfeln, oder in geriebenen frischen Rüben, oder von eiskalten Sauerkraut; Waschen der leidenden Theile m Branntwein; Salben derselben mit Fett auz dem Gekröse der Gänse*), oder mit Terpen⸗ tinöl; mehrmaliges tägliches Eintauchen des selben in eine Abkochung von Rübenschalen, welcher man etwas Weinessig zugesetzt hat; Reiben derselben mit Schnee, fern von dem warmen Ofen, und zwar so lange, bis die Wärme in ihnen zurückkehrt und die weißlich gewordene Haut sich wieder röthet; wiederhol tes Halten erfrorner Hände und Füße in Schwe feldampf, sind lauter Heilmittel, welche zur Vertreibung von Frostbeulen dienen sollen. Hufeland empfiehlt zur Heilung der Frostbeulen, dieselben Morgens und Abends mit Hasenfett einzureiben, an von Frost erstarrten Händen aber bei Nacht mit solchem Fette bestrichene Hand schuhe zu tragen. Kaltes, dem Gefrieren nahes Wasser wird als eines der besten Mittel zur Hei lung von Frostbeulen angepriesen. Man taucht den leidenden Theil des Tags einigemal etliche Minuten lang in dasselbe, bis die Frostbeule ganz verschwunden ist, was innerhalb vier Ta⸗ gen der Fall seyn soll. Nöthig ist aber, daß man die leidenden Theile nach der Anwendung des Wassers sorgfältig abtrocknet. Solchen welche kalte Umschläge oder Eintauchen in laltes Wasser nicht wohl vertragen können, empfiehlt Tissot, bei erfrornen Händen, Tag und Nacht glatte le; derne Handschuhe an denselben zu tragen. Au durch Frost entzündete Nase oder Ohren soll man,

um sie zu heilen, Essigdämpfe leiten.

*) Wird als ein vortreffliches Mittel gerühmt.

Redaction und Verlag der Brü