Ausgabe 
15.1.1832
 
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tig ein ins große Weltenganze, lenkt dessen Rä⸗ der fort und fort, führt alles hin zu einem freudigen Ende, ruft aus dem Schutte ver⸗ sunkener Erdenherrlichkeit neue, der Zerstörung und dem Zeitenwechsel trotzende Schöpfungen hervor, erhabene Himmelswahrheit, trost reiche Ueberzeugung! du bist es, die uns ruhig dem Zeitabschnitt, der immer näher rückt, der bald die Pforten einer neuen Wanderung uns erschließt, entgegen sehen läßt; du bist es, die uns aufrecht erhält, steigen düstere Nebel aus der Ferne auf, erheben spitziges Gestein und rauhes Dorngesträuch sich unter unseren Schrit⸗ ten. Wir wissen, die ewige Vaterhuld, die uns bis hierher so gut geführt hat, zerstreut die Nebel, wandelt das dornige Gestein in freund liche Blumenfluren um, leitet durch die Erden⸗ nacht sicher uns zum Ziele, wo ewiger Friede herrscht, des Wahnes, der Verblendung Schre⸗ cken nicht mehr sind, nein, mild und freund⸗ lich, wohlthuend und erquickend das Licht der Wahrheit strahlt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Nur Gott vertraut! dann schwindet Nacht und Grauen, Und Himmelsfriede strömt ins bange Herz; In Lichtgefilde wandeln sich die Auen, Die Nacht bedeckte, um; es flieht der Schmerz, Wo Stürme tosten, wilde Flammen glühten, Weh'n kühle Lüftchen süße Labung zu. Wo Dornen waren, laden Wonneblüthen Den müden Pilger ein zu sanfter Ruh. Nur Gott vertraut! dann fußt im Drang der Wogen

Des Lebens, trotzend der Vergänglichkeit, Ein Säulengrund; dann führen feste Bogen Den Ueberwinder hin zur Seligkeit.

Von der Gestalt des Erdkoͤrpers. (Fortsetzung.)

In den folgenden Jahrhunderten wurden von den Weltweisen Griechenlands andere Ansichten über die Gestalt des Erdkörpers aufgestellt, fanden jedoch bei dem Volke wenig Eingang.

Thales, einer der sogenannten sieben Wei⸗ sen,(600 J. v. Chr. Geb.) dachte sich den Erd⸗ körper unter der Gestalt einer Walze, welche in der Mitte der hohlen Himmelskugel schwebe,

und von einer in deren untern Hälfte befind⸗

lichen Wasserfluth getragen werde. Diese Was⸗ serfluth, lehrte er, stiege, von der Last des wal⸗ zenförmigen Erdkörpers gedrückt, rings um den Rand desselben in die Höhe und bilde das ihn umströmende Weltmeer. Sein Schüle, Ana⸗ rimander, stimmte mit dem Unterschiede ihm bei, daß er die walzenförmige Erde nicht von dem Wasser tragen, sondern mitten in den Räumen der hohlen Himmelskugel, überall gleichweit von deren Grenzen entfernt, sich schwebend er⸗ halten ließ. Anaximenes, ein Schüler des Ang⸗ rimander, und Anaxagoras, ein Schüler dez Anaximenes, stellten sich die Erde als eine groß runde Platte vor, welche die in dem un Theile der hohlen Himmelskugel angehäufte dit Luft zusammendrücke, und, indem diese Widen stand leiste, erschüttert und in bebenden Zustand versetzt werde. Andere, z. B. Leucippus, be⸗ trachteten die Erde als einen oben platten, unten gewölbten Körper; Kleanthes verglich sie mit einer unterwärts gekehrten Pyramide.

Die Lehre von der Kugelgestalt der Erde sol bereits von dem tiefforschenden Pythagoras(550 J. v.Chr. Geb.) ihre Begründung erhalten haben, Soviel ist gewiß, daß einige seiner Schüler, desgleichen Parmenides aus Elea(450 J. v. C. Geb.) dieselbe vortrugen und weiter ausbildeten. Erst nach des weisen Sokrates Tode(400 J. p, Ehr. Geb.) wurde dieselbe nach und nach von mehreren Forschern angenommen, ohne jedoch bei allen, geschweige bei dem Volke, Zustim⸗ mung zu finden.

(Fortsetzung folgt.)

Aus Gießens Vorzeit. (Fortsetzung.)

Ayrmann, ein alter Hessischer Geschichts⸗ schreiber, vermuthet: vor der Verbreitung des Christenthums seien hier in den geweihten Hainen des Philosophenwalds und Venusberges Götzen und heilige Eichen verehrt worden; das Wort, Gott, Götz habe man in früheren Zeiten Giz, Geiz ausgesprochen, und daher die Stadt den Namen erhalten.

Einige Bemerkungen über die oben genann⸗ ten Dörfer mögen hier ihre Stelle finden. Das Dorf Selters lag auf dem heutigen Seltersberg und hatte eine dem heiligen Petrus geweiht; Pfarrkirche, von welcher eine dem heiligen Pan