Anekdote.
Der türkische Kaiser Soliman II.(starb 1566), einer der berühmtesten und thätig⸗ sten Regenten der Osmanen und Zeitge⸗ nosse Luthers, hatte von dessen großem Werke gehört, und fragte deßhalb einst den kaiserlichen Gesandten: Wer denn der Luther sei? und was er lehre?— Doctor Luther— war die Ant⸗ wort— ist Lehrer an einer hohen Schule, mag nichts wissen von der Anbetung Verstorbener und dringt auf die Worte der Bibel:„Du sollst an⸗ beten Gott, deinen Herrn, und ihm allein die⸗ nen.“
So ist— bemerkte Soliman— der Luther dem reinen Glauben der Osmanen sehr nahe
gekommen. J Richard Roos.
Ehr k ande- Erfahrung und Vernunft 7 5 mein Erstes eben. O Mensch, du brauchst 68 oft, sehr oft in dei⸗ 5 8 nem Leben. Und nur der Thor ist es, der es verachten kann; Allein der Weise nimmt vom Thoren selbst es an. Mein Zweites aber muß auch lebenslang dir 5 nützen; Wer könnt' auch ohne es vor Hitz' und Frost dich . schützen. In meinem Ganzen wird das Wohl der Stadt 6. berathen, Durch weise Führung sie geschüͤtzt vor Trug und 1„ S u Schaden. Und lies'st mein Ganzes du, den Sylben nach, a i von hinten, So wirst in jedem Haus unfehlbar du mich fin⸗ 10.8 den. A. L. Rosenthal.
Auflösung der Charade in Nr. 6: Näthselhaft.
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Der Reitknecht.
Eine aus dem Leben gegriffene Anekdote.
Im Hotel zur St. G. in D. war vor Kurzem eine Gesellschaft von Personen aus den höhern Ständen versammelt. Ein dabei befindlicher Officier ließ der Gesellschaft ein vor Kurzen gekauftes Pferd vorreiten; man stellte sich an die Fenster und bewunderte das schöne Thier. Als es wieder abgeritten werden sollte, sprach Jemand die Bitte gegen den Besitzer aus: 70 sagen Sie doch Ihrem Neitknechte, daß er 60 noch einmal vorbeifuhre!“—„„Wie? Nest⸗ knecht?!““ rief plötzlich ein Dritter, der fon cirt liberale Herr von K.„„ Neitknecht?!— In was für Zeiten leben wir? Gott sei gepiz, sen, die Zeit der Knechtschaft ist vorüber, z gibt keine Knechte mehr und folglich auch keige Reitknechte!““— Mehrere der Anwesenden, welche Herrn von K. nicht genauer kannten, lachten über diese Aeußerung, als über eines beißenden Spottwitz: er aber kam darüber fast außer sich. Man suchte ihn nunmehr dadurch zu beruhigen, daß es fur das Wort Neitknecht noch keinen andern passenden Ausdruck gebe, ud Spaßvögel setzten hinzu, es müsse ein so wich tiges Geschäft, wie die Auffindung geeignenn Ersatz⸗ Ausdrücke an die Stelle nicht mehr zeit gemäßer Bestimmungen sei, einem kunftigen Landtage vorbehalten bleiben. Herr von k. rühmte aber, daß er schon seit Sachsens großen Septembertagen seinen ehemaligen RNeitknecht in seinen—„Reitdiener wahrscheinlich?“ un— terbrach ihn Jemand.—„„Nein, nichts Die; ner, es gibt keine Herren und Diener mehr entgegnete Herr von.,„„in meinen Neitge⸗ hülfen habe ich ihn verwandelt.““— Die Sache fand Beifall und es soll damals in der St. G. beschlossen worden seyn, in Zukunft aus den Hofknechten, Stallknechten, Lichtknechten, Fuhrmannsknechten, Schinderknechten, Stie—
felknechten, Großknechten, ferner aus den Kam⸗
merdienern, Theaterdienern, Herrendienern u. s. w., lauter dergleichen Gehülfen hervorge— hen zu lassen, zu Ehren des Zeitgeistes und der großen Tage im September. 8
Mitgetheilt im Unterhaltungsblatt Unser Planet von R d.
Nedaction und Verlag der Brü hll'schen Buch⸗ und Steindruckerei.


