Ausgabe 
12.2.1832
 
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Wirken fordert, diesem Gesetze zu folgen, nach dem Willen des Höchsten seine Bestim⸗ mung; in der Erfüllung desselben ewiges Heil, in der Nichterfüllung dagegen unermeß⸗ liches Verderben gelegen,

(Fortsetzung folgt.)

Von der Gestalt des Erdkoͤrpers. (Schluß.)

Die Sonne geht für die Bewohner der Erd oberfläche nicht zu einer und derselben Zeit, sondern zu verschiedenen Zeiten auf und unter. Die Bewohner derjenigen Gegenden, welche näher nach dem Aufgangspunkte der Sonne zu, d. i. östlicher liegen, sehen dieselbe früher auf⸗ und untergehen, als diejenigen, deren Wohn⸗ sitze mehr nach dem Untergangspunkte der Son⸗ ne, d. i. nach Westen hin sich erstrecken. Dieser Umstand findet nur in der Aunahme einer Krümmung des Erdkörpers von Osten nach We sten seine Erklärung; denn wäre derselbe eine in allen ihren Theilen einerlei Nichtung verfol⸗ gende Scheibenfläche, so müßte die Sonne für alle seine Bewohner zu gleicher Zeit auf- und untergehen. Daß aber der Erdkörper auch von Norden nach Süden keine sich gleichbleibende oder ebene, sondern eine gekrümmte Richtung

habe, geht aus am Sternenhimmel gemachten Beobachtungen hervor. Die Gestirne nämlich, welche den Bewohnern des Nordens im weiten Himmelsraume erglänzen, entschwinden, je weiter nach Süden hin dieselben sich begeben, in immer größerer Zahl deren Anblick, und andere vorher nie erschaute nehmen ihre Stelle ein, bis zuletzt über den ihren früheren Wohnsitzen gänz⸗ lich Entrückten ein ganz anderer Sternenhimmel sich wölbt. Diese Beobachtungen wurden unter andern von den Portugiesen gemacht, als sie A. CG. 1486 die Südspitze Afrikas umschiff⸗ ten und einen neuen Handelsweg nach Ostindien auffanden. Bereits früher waren von Seefah rern anderer Völker, welche von Norden nach Süden reisten, gleiche Wahrnehmungen gemacht worden.

Nur durchaus runde Körper werfen in allen Lagen einen völlig runden Schatten hinter sich. Einen solchen wirft nun der Erdkörper bei Mondsfinsternissen, d. i. wann derselbe zwischen

den Mond und die Sonne zu stehen kommt, ob, gleich seine Stellung zur Sonne eine wechselnde ist, auf die Mondscheibe, daher ihm nothwen⸗ dig eine kugelförmige Gestalt eigen seyn muß

Seit dem Anfange des sechszehnten Jahr, hunderts ist der Erdkörper von verschiedenen Orten aus oftmals rings umschifft worden. Die Erdumsegler verfolgten auf ihrem Wege immer eine und dieselbe Hauptrichtung, und kamen zuletzt, meist nach Verlauf dreier Jahre, wie der an dem Orte an, von welchem aus sie ab gesegelt waren. Wäre der Erdkörper eine platte Scheibenfläche, so hätte doch irgendwo deren äußerste Grenze aufgefunden werden müssen; aber gerade das Gegentheil ist durch die Gh umsegler dargethan worden, und demnach die Annahme einer kugelförmigen Gestalt desselbn als die allein richtige festzuhalten.

Aus Gießens Vorzeit. (Fortsetzung.)

Philipp der Großmüthige, welcher in seinen 63sten Lebensjahre, den 31. März 1567 zur tiefsten Betrübniß seiner getreuen Unterthanen starb, hinterließ vier Prinzen, welche nach eier testamentarischen Verfügung die Erben der ver schiedenen Landestheile werden sollten. Land⸗ graf Wilhelm, der älteste Prinz, welcher bei der Befreiung seines Vaters sich hauptsächlich thaͤtig gezeigt hatte, erhielt die Hälfte des Landes, das ganze Niederfürstenthum Hessen; der ältere, Ludwig IV., als Viertheil, das gan ze Oberfürstenthum, worin Marburg die Haupt⸗ stadt war; Philipp II. die Niedergrafschaft Ka tzenelnbogen mit der Residenz Rheinfels; Ge org I., der erlauchte Stifter der Darmstädtischen Linie, die Obergrafschaft Katzenelnbogen mit Darmstadt, welcher Antheil bedeutenden Zu⸗ wachs erhielt, weil nachmals ein Erbtheil von Philipp II. und Ludwig IV. dazu kam. Ludwig IV. begann 1567 das große und für die damalige Zeit kostbare, noch Jahr⸗ hunderten trotzende Zeughaus zu erbauen, und versah es mit allen Arten von neuem und altem Geschütz. Er erbaute ein fuürstliches Schloß, welches jetzt von dem für das Wohl der leidenden Menschheit unermüdlich thätigen Medicinalrath, Professor Dr. Balser bewohnt wird, weil die alte Burg, das jetzige Kanzlei