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Von der Gestalt des Erdkoͤrpers. Fortsetzung.
Ungeachtet der Bemühungen einsichtsvoller Forscher um die Verbreitung richtigerer Ansich⸗ ten von der Gestalt des Erdkörpers, blieb die Menge noch viele Jahrhunderte hindurch bei der auf bloßer Sinnentäuschung beruhenden Vor— stellungsweise des Alterthums stehen, und in das die flache Erdscheibe umfluthende Meer auf Schiffen segeln, hieß eben so viel, als aus der Welt hinausfahren. Durften doch selbst in den Jahrhunderten nach Christi Geburt die der Weltkunde sich hingebenden Forscher ihre richti⸗ gen Ansichten von der Gestalt des Erdkörpers, weil solche irriger Weise mit den Lehren der Bibel im Widerspruche stehen sollten, nicht einmal laut werden lassen.— So wurde z. B. der im achten Jahrhundert lebende Bischof von Salzburg, Virgilius, welcher der Lehre von der Kugelgestalt der Erde anhing, auf Befehl des Papstes Zacharias seines Amtes entsetzt.
Wären die einer umsichtigen Beobachtung sich darbietenden Erscheinungen früher gehörig beachtet und gewürdiget worden, so würde die Annahme einer kugelförmigen Gestalt des Erd⸗ körpers weit eher herrschend geworden seyn. Aber, wie es in so vielen Dingen zu geschehen pflegt, die Menschen urtheilten nach dem bloßen Scheine,— nicht nach aus einer vernünftigen Weltanschauung hervorgehenden Erfahrungen.
Die aus einer vernünftigen Weltanschauung sich ergebenden Erfahrungen, welche die Kugel—⸗ gestalt des Erdkörpers deutlich darthun, sind aber folgende:
Wir mögen uns auf der Erdoberfläche be— finden, wo wir wollen, auf den höchsten eine nach allen Nichtungen hin ungehinderte Aus⸗ sicht gewährenden Berghöhen, oder auf der in eine unabsehbare Weite sich ausdehnenden Spiegel— flache des ruhig dahingleitenden Meeres, so se— hen wir, selbst mit den besten Fernröhren, nur einen sehr kleinen Theil der Gegenstände, wel— che in dem uns umgebenden weiten Umkreise auf der Oberfläche der Erde vorhanden sind.— Nähern wir uns auf irgend eine Weise solchen Gegenständen, so werden sie nur nach und nach unserm Gesichtssinne sichtbar, tauchen so zu sa⸗ gen allmählich an dem uns umgebenden Ge— sichtskreise auf, und entziehen sich auf gleiche Weise wieder unsern Augen, je weiter wir uns
von ihnen entfernen, tauchen alsdann
len.
gleich⸗
sam an dem Gesichtskreise unter. Wäre der
Erdkörper eine nach allen Seiten hin in gerader
Richtung fortlaufende Scheibenfläche, so könnten diese Erscheinungen durchaus nicht stattfinden; — nur durch die Annahme einer kugelförmigen Gestaltung desselben werden solche überall auf seiner Oberfläche zu machenden Wahrnehmungen erklärbar.
(Schluß folgt.)
Mittheilungen aus der Geschichte von Polen.
4. CC (Schluß.)
Liebe zu der Fürstin Dabrowka, einer Toch— ter Boleslaws, Herzogs von Böhmen, wo das Christenthum bereits seine Segnungen verbreitet hatte, bewog den Miecislaus, sich taufen zu lassen und dem Gotte Saboth, welcher als der Geber alles Guten auf dem Zobtenberge— damals mons Sabothus, früher Asciburgus verehrt wurde, zu entsagen; denn nur einen Christen wollte die Böhmenfürstin sich vermäh— Nachdem Miecislaus dem Heidenthume entsagt hatte, wurde ihm 965 zu Gnesen die fromme Dabrowka angetraut, und beide verbrei— teten nun durch ihr Beispiel und die Hülfe wa— ckerer, aus Böhmen mitgebrachten Lehrer das Christenthum in ihrem Reiche. Gnesen und Krakau wurden zu Erzbisthümern erhoben und der vom Pabste zur Verbreitung des Christen— thums nach Polen gesandte heilige Adalbert erhielt das Primat über das ganze Reich. Die Geburt eines Sohnes regte den Miecislaus zu noch größerem Eifer für die Beförderung des Christenthums an; er stiftete neue Bisthümer, errichtete mehrere Klöster und ließ den Befehl
ergehen: die Polen sollten, während ein Ab—
schnitt aus dem Evangelium vorgelesen werde, ihre Schwerter halb aus der Scheide ziehen, um damit ihre Bereitwilligkeit, die Lehren des Christenthums gegen jeden Angriff zu verthei— digen, öffentlich zu bezeigen. Die stete Sorge für diese und ähnliche Einrichtungen beschäftigte ihn so sehr, daß er, uneingedenk seiner Herr⸗ scherpflicht, die unbilden, welche der Herzog der Russen dem Reiche zufügte, ungeahndet ließ.


