Ausgabe 
4.3.1832
 
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gegen, erwirbt das köͤstlichste aller Güter, eine über alle Erdenverhältniße erhabene in vol⸗ lendeter Tugend bestehende Freiheit.

Diese aus der Vereinigung der Gegensätze hervorgehende Entwickelung des Menschenge⸗ schlechts zu geistiger Reife durch gewaltsame Unterdrückung der freien Gedankenäußerung hemmen zu wollen, wäre ein frevelhaftes, aber anch ein vergebliches Beginnen. Denn die Wahrheit ringt sich siegreich durch die Boll⸗ werke, welche die Erdensatzungen der Selbst süchtlinge ihr entgegenzusetzen wagen; zerbricht mächtig die Fesseln, welche Unvernunft um sie zu schlingen droht; leuchtet um so heller und be⸗ lebender, je länger die Nacht war, welche sie zu umhüllen schien, gleich der Morgensonne nach einer langen, kalten Winternacht.

Wie so ganz jenem hochheiligen Streben nach freier Geistesentwickelung zuwider ist aber das Beginnen einer Preßfreiheit! Preßfreiheit! schrei⸗ enden Menge! Preßfreiheit, ja Freiheit die Geister einpressen zu können in ihre keine Schranken kennenden persönlichen Ansichten, nur leider zu oft Ausgeburten unheilbringen⸗ den Wahnwitzes, das ist ihr Begehren. Diesem volle Genüge zu leisten scheuen ihre Wortführer und Häuptlinge kein Mittel, stehe es auch mit der wahren Freiheit im grellsten Wiederspruche. Unterzeichnungen zu Geld⸗ beiträgen werden gesammelt zur Unterstützung der freien Presse des Volks, das heißt der gewaltsamen Einzwängung der Gemüther in die hochtönenden beweisthümelnden Lehrsatzungen einer sich für allein weise haltenden Meinungs⸗ unft.

f Die armen bethörten Leute, von denen ge⸗ wiß der größte Theil zu Geldbeiträgen sich unter⸗ zeichnet, weil dieser oder jener sonst achtbare Mann auf der Liste steht, entziehen ihre Sparpfennige den nothleidenden Armen des Vaterlandes, um Ausichten zu fördern, deren Nährer und Ver⸗ breiter ihnen durchaus persönlich unbekannt sind, besteuern sich gleichsam selbst, damit eine selbwaltige Lehrzunft in den Stand gesetzt wer⸗ de, sie in die Banden einer die wahre Lebens⸗ regung der freien Geisteswesen zu ersticken dro⸗ henden Zwingherrschaft zu schlagen. Echt freisinnige Deutsche, lernet, o lernet eure eigent⸗ lichen auf Unterdrückung sinnenden Feinde ken⸗ nen, erklärt euch mit der Offenheit und Frei⸗

müthigkeit, welche stets die Ehrenmänner dez

deutschen Vaterlandes zierte, gegen alles Schlechte, wo auch es sich findet, in den höhe⸗ ren oder niederen Kreisen des Staatslebens: haltet aber vest, unverbrüchlich vest an heiligen geschwornen Eiden; vertrauet Euren hochherzi⸗ gen Herrschern und sie werden euch vertrauen; zeigt, daß ihr der Freiheit werth seid, durch reines Tugendstreben, und laßt an eurer Ve⸗ stigkeit, welche nur Eintracht und treues Zu⸗ sammenhalten euch zu geben vermögen, das niedrige Treiben der Störer der öffentlichen Ordnung sich brechen, damit nicht die Nachwelt in den Büchern der Geschichte unseres Zeitalterz einst die Worte lese: Deutschlands Ernieds gung, Deutschlands Schmach.

Ein Freund der wahren Freiheit

Der Proceß.

A.

Mein Recht ist klar und, wie mir scheint, Kann mein Proceß gar nicht verloren werden

B.

Hast du das Recht auf deiner Seite, Freund, So fürchte noch die Nechtsgelehrten. J. F. Castelli.

Dr. Martin Luther wider den Aufruhr.

Ueber einen öffentlichen Aufrührischen ist ein jeglicher Mensch beides Oberrichter und Scharfrichter. Gleich als wenn ein Feuer ange het, wer am ersten kann loͤschen, der ist der be, ste. Denn ein Aufruhr ist nicht ein schlechter Mord, sondern wie ein groß Feuer, das ein Land anzündet und verwüstet. Also bringt Auf⸗ ruhr mit sich ein Land voll Mordes, Blutver⸗ gießens, und macht Wittwen und Waisen und verstöret alles, wie das allergrößeste Unglück. Darum soll hie zuschmeissen, würgen, stechen,

heimlich oder öffentlich, wer da kann, und ge⸗

denken, daß nichts giftigeres, schädlicheres, teuflischeres seyn kann, denn ein aufrührischer Mensch, gleich als man einen tollen Hund todt schlagen muß: Schlägest du nicht, so schläget er dich und das ganze Land mit dir.

Redaction und Verlag der Brü h l'schen Buch⸗ und Steindruckerei.