wir tragen keine falschen Brüste und Beine, und
es wäre mir leid, wenn ich je unter meinem Geschlecht einen solchen Erzschaafskopf fände, der sich zu solchen Dingen versteht.
Unterdessen hatte das Mädchen ihren Ver— lust entdeckt und ich weidete mich an seiner Ver—⸗ legenheit, aber nicht lang, denn hatte ste mich gesehen oder gefühlt, sie tappte mit der Hand nach mir, und hätte ich nicht eine vorzügliche Gewand—⸗ heit in den Beinen, ich wäre des Todes gewe— sen. Spätere Erfahrungen lehrten mich, daß solche Haussuchungen von dem Frauenzimmer ziemlich oft und sehr gründlich vorgenommen wur⸗ den, und aus diesem Grunde rathe ich allen Mitflöhen, die nicht ihr Geschäft oder Studium dazu nöthigt, von dem Aufenthalt beim Frauen— zimmer ab. Das Blut der Männer ist weniger schmackhaft und darum auch diese kaum ein Ge— genstand für uns. Ich erlebte an jenem Abend selbst noch, daß der junge Zimmermann, den die Exploston etwas geschwächt hatte, gefangen und schmählich getödet wurde.—
Dennoch hielt ich mich noch längere Ztit bei Frauenzimmern auf und machte dabei unter andern die Bemerkung, daß oft unter sehr kost— baren Obergewändern unordentliche Untergewän— der versteckt sind, was mich an ein gewisses deut⸗ sches Sprichwort erinnerte. Sind vielleicht die Menschen darunter noch unordentlicher und schlech— ter? Der Umstand, daß viele es für anständiger halten, stait der eignen Haut an den Händen eine Thierhaut und im Gesicht einen Farbüber— zug zu zeigen, scheint hierauf hinzuweisen. Im Allgemeinen fand ich auch wirklich, daß je ein⸗ facher und kunstloser das Aeußere war, desto ordentlicher und werthvoller das Innere, daß diejenigen Menschen die meisten äußeren Zierra⸗ then an sich beachten, die äußerlich oder inner⸗ lich, meist beides, wahre Vogelscheuchen waren. Ist ᷣoch kein Geschöpf so häßlich, daß es nicht durch seinen Nutzen und Werth die unschöne Form minder fühlbar machen könnte, wird doch nicht selten das Häßlichste schön durch Tugend! Und das sollten die Menschen nicht wissen, die doch das erste Geschöpf sein wollen, habe ich doch, ich armer Floh, vielfach erfahren, daß jogar Krüppel aufhörten einen unangenehmen Eindruck auf mich zu machen, sobald ich ihre innere Schönheit erkannte. Wenige Menschen scheinen dies zu verstehen. So hat namentlich das Frauenzimmer bei Bällen und, derlei Fest⸗ lichkeiten die Gewohnheit Brust und Kopf in einen Blumen und Gemüs⸗ Garten umzuwan⸗ deln statt sich mit der einfachen Blume am Her⸗ zen, mit dem bescheidenen Kranz in der Locke zu
begnügen. So erscheinen ste denn auch nicht sel⸗ ten, wenn man ihr Inneres in Betracht zieht,
zwar nicht als Blumen ⸗, wohl aber als wahre Mist⸗ Beete.————
Das theologische Examen zu Krähwinkel,
am 24. März 1852.
Examinator: Wilhelm Heinrich Dor. Eduard v. Köhler, Dr. theol. et phil.
Candidaten: Matathias, Gottschalk, Schweppermann, Schlupper, Pfef⸗ ferkorn, Schputze.
Examinator(spricht durch die Nase.): ben Sie seither getrieben, Herr Matathias?
Candidat Matathias(besinnt sich)——
Exatd.: Herr Gottschalk?
Cand. G.(besinnt sich ebenfalls).——
Exam: Nun Herr Schweppermann?
Cand. Schweppermann(scheint sich auch zu besin⸗ nen).
Exam.(hastig): Herr Schlupper, Herr Pfefferkorn Herr Schputze!
Cand. Schputze: Theologie!
Exam.: Welche theologische Disciplin ist unstreitig die wichtigste, so zu sagen das Fundament der Theolo⸗ ie?
Cand. Schputze: Symbolik!
Exam.: Herr Pfefferkorn, was ist Symbolik?
Cand. Pfeff.: Symbolik ist die Lehre von den Sym⸗ bolen.
Exam: bol?
Cand. Pfefferkorn:(besinnt sich).——
Exam.: Herr Matathias, was ist ein Symbol?
Cand. Matathias: Symbola sunt— sunt en- Tunslomes— confuslones, quibus Luthe-
Was ha⸗
Herr Pfefferkorn, was ist denn ein Sym⸗
rani tum militiam suam spiritualem— spiri- tualem.—— Exam.: Nun, Herr Gottschalk?
Cand. G.: Symbol ist das— das, was die Apostel zusammengemacht haben!
Exam: Auch gut, aber— Herr Schweppermann können Sie mir nicht eine bessere Definition geben von Symbol?
Cand. Schweppermann: Symbol ist das Erkennungs⸗ zeichen, die Parole.
Exam.: Diese Definition hat man wohl auch anf⸗ gestellt ob es aber den Begriff, den wir mit Symbol verbinden, vollkommen erschöpft, möchten wir doch be⸗ zweifeln.— Herr Schputze!
Cand. Schputze: Symbol ist eine öffentliche Be⸗ kenntnißschrift und Symbolik die Wissenschaft der öffent⸗ lichen Bekenntnißschriften
Exam.: Schön, sehr schön, Herr Schputze!— Nun Herr Matathias, nennen Sie mir unsere Symbole!
Cand. Matathias: Confessio Augustana, Apo-
logia.—
Exam.: Herr Gottschalk?
Cand. G.: Confessio Augustana, catechismus uterque, articuli schmalealdici, Liber concor- diae.
Exam. Herr Schweppermann, welche Verwechslung
findet hier statt und welche Bekenntnißschriften sind aus⸗ gelassen? g
Cand Schwepp.: Gottschalk verwechselt den liber concordiae mit ber Concordia Wittenbergensis, und hat den catechismus Romanus ausgelassen!
(Forts. folgt.)


