Das
Laternemäunche.
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9 0 3 4,
8 Erster Jahrgang.
Gießen, 7. pril 852.
Erscheint wöchentlich 2mal. Preiß für Stabt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr. Einzelne Nrn 2 Kr.
119.
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7 5: herumwagen. Daß übrigens einige Damen in Ein Maskenball in Krähwinkel. sehr auffallender Weise unserem Ritter folgten
II.
[OO Das Signal zum Demaskiren hatte zu unserm Bedauern ein Geflüster unterbrochen, dem wir eine geraume Weile mit höchlichem Er— götzen zugehört. Wenn es zwar nicht zu läugnen ist, daß unter den deurschen Herren und Damen der Krähwinkler haute-volée nur ganz Wenige der französischen Sprache mächtig sind, und wir von den Flüsternden nicht unter die Ausnahmen gerechnet wurden, so mögen ste aus ihrer Verle— genheit, die sich ihrer bei Durchlesung(woran wir nicht zweifeln) dieser Zeilen bemeistern wird ein Motiv zur Vorsicht entnehmen. Im Uebrigen wollen wir, obwohl der Gegenstand und Inhalt des Gespräch's mit Glück von uns hier benutzt werden könnte, diskret sein und sofort„hervor— ragendsten“ Masken unsre Aufmerksamkeit schenken. Es ist eine blau angelaufene Erscheinung aus dem Geschlechte der Grallae'en(Stelzenläufer) mit Schwert, Mantel und Barett— vielleicht Don Carlos, vielleicht der Ritter St. Georg(sprich Oschoadsch). Steif und hölzern schlich er einher, stattlich und aufrecht, nur die Nase gekrümmt und unverkennbar fragte sein Blick: Bin ich nicht der gescheivte St. Georg, bin ich nicht der berühmte St. Georg? Doch nicht Alles ist voll— kommen hienieden und fühlte dieses unser Ritter, oder was sagte der scheue Blick, der zuweilen nach jener Gegend hin glitt, wo regelrecht die Mm. gastronomii sein sollen? Sonderbar! wir wurden den Gedanken nicht los: ein Mantel und Barett nachtwandele auf riesigen Spucknäpfen mit Tragstangen daran; freilich, wie fast jeder Vergleich, hinkt auch der unsere, denn jene Trag- stangen sind wenigstens gerade. Wer ein solches Piedestal produeiren muß, verdient Mitleiden, dem Spotte und Gelächter verfällt aber mit Recht, wer glaubt, er könne sich in anliegenden Hosen auf solchem Beinwerk in halbleerem Saole ungestraft
und mit Gelächter den Finger nach der schwachen Seite desselben ausstreckten, verletzte den Anstand und verdient eine Rüge. Ein rothgekleideter Be⸗ dienter folgte dem Rittier, wie der Onkel dem Vater, so der Neffe dem Sohn, ein unbedeuten— der Apendix. Einen Bedienten freiwillig vorstel⸗ len— wahrhaftig, das kann nur eine Bedien— tenseele und der Rothgekleidete mag instinctiv das Passende gefunden haben. Vor dem Demaskiren schlug er Sekonden und Primen und ich dachte bereits„auch Du Bruder Corpsstudio bist un⸗ tteu Deinen Fäßchen auf langweiligem Boden;
aber weit gefehll! der Neffe des Onkels entwickelte sich. Galten die Lufthiebe viel— leicht den Studenten, die er beleidigt und
welchen er Genugthuung versagt oder hält er noch immer fest den Grundsatz: Laß Dich stumpen, laß Dich treten, ein Duell ist kein Thee und ein Schläger keine Pfauenfeder: Meid Dinger die gefährlich sind? Doch weg mit der widerwaͤr— tigen Erscheinung, die höchstens einigen verstan⸗ desschwachen Gänschen imponiren konnte. Seltsam daß einige Menschen entsetzlich un⸗ geschickt sin und geraze das wählen was nicht für sie paßt. So war ein Hohn auf das Prin⸗ cip des Schönen ein junger Mann, eine Parodie der geschmackvollen Tracht von Hellas, der mit stupidem Blick hinter seiner Brille hervorschaute. Mit seiner weißen Suleika sah er einem Bäcker⸗ burschen nicht unähnlich, dem man ein Koch⸗ oder gar anderes Gefäß aufgestülpt, und wer je bei einem hier unnennbaren, narürlichen Geschäft von dem Flurschützen gestört, in flatternder Toi⸗ leite urplötzlich die Flucht nehmen mußte, der wurde, sah er den Hellenen-Jüngling im Tanze umherwalzen und im Schweiße des Angesichts sein Vergnügen ausstehen, lebhaft an die ungra⸗ ciöse Zeit der Jugend erinnert. Zur Entschädi⸗ gung für diesen erbärmlichen Repräsentanten war
dem einst klassischen Lande die Genugthuung ge—


