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Erster Jahrgang.
Gießen, 3. April 1852.
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Höchst verderbliche Ansichten eines gereisten Gesindelgesellen über die hochedele Ludowieiang.
III.
So käm ich denn zu den Philistern jetzt! Von ihnen hab' ich mir in meinen Kopf gesetzt, Sie seyen fest und so beständig wie das Glück, Ja, ja! Heut' rufen sie: Hoch leb' die Republik! Und morgen kommt des Fürsten Hoheit, unser
Landesvater Sechsspännig angefahren mit dem Hofgeschwader Und siehe da: Hurrah! Es lebe unser Fürst und 1 König Ruft der Philister da und beugt sich unterthänig. Wenn Aufruhr ausbricht, scheußliche Emeute So sind die Burschen alle Demokraten heute, Vis morgen die Kartätschenkugeln sausen Kanonen brüllen und die Staatenretter hausen In dem rebell'schen Land, wie einst in Baden Das jetzt sein Glück nur danket den Soldaten, Dann heißt's auf einmal: Prügelt das Gesindel Und jeder packt in Still' und Ruh' sein Bündel, Schnell wieder leer, das er gefüllet hatte Weil bei der letzten Volksversammlungsdebatte Er rief: Für Freiheit opfer' ich Blut und Leben Will vor dem Tod nicht bangen und nicht beben! Ich sag' es frank und frei, kaum einer weiß Was Freiheit ist, daß aus des Volkes Fleiß Nur Heil und Segen quillt und daß das Va—⸗ terland Am größten ist als wohlgeflicktes Band Das durch den Bundestag repräsentiret wird, Ein ander Regiment nur zum Verderben führt! Le pire des étafs, sagt ja schon Corneille C'est Petat populaire, die Herrschaft der Ka⸗ naille! Die Herren Professoren wissen das sehr gut Daher sich keiner mit der Politik befassen thut, Als nur in so fern, daß er saget: Meine Herrn! Es ist vor allem nöthig, daß der edle Kern
Des Volkes alles billigt, was der Fürst beginnt
Denn daß er nur auf's Wohl der Unterthanen
sinnt
Das lehret die Geschichte! Wäre denn das Volk so weit
Gekommen, ohne Fürst und Obrigkeit, als es sich heut
Den Blicken aller unbefangenen Beobachter beut?
Nun ja! Ein manch Ediet ist freilich hart—
Auch wir verlieren gern nicht unsern Bart—
Doch wissen Sie, was schon die Bibel spricht
Beklage dich, mein Sohn, nur über Leiden nicht
Denn, wen Jehova liebt, den züchtigt er
Und Gottes Spiegel ist der Fürst, nicht weniger noch mehr.
Im Jahre 48 freilich waren
Die Herren noch in jugendlichen Jahren
Und Narrenstand und Jugend gehn stets Hand
in Hand,
Jetzt ist kein demokral'scher Prosessor mehr im Land
Seitdem Herr C....... selbst zum Bessern sich gewandt.
Die Bärte sind geschwunden und im Publikum
Des Herrn S.... bringt man die letzten So⸗ zialisten um!
Doch darf man draus kein blaues Wunder machen
Denn wahrlich saget an, wär's nicht zum Lachen,
Wenn so 1 Professor wär nicht an Weisheit
größer Als Wieland, Goethe, Hannes Paul und Justus Möser,
Da er doch die Gelehrsamkeit der ganzen Welt
So ganz umsonst von jener Bibliothek erhält,
Wo der Student, wenn er ein Buch sich fordert
Von Pontius zu Pilatus wird beordert;
Die phystolog'schen Werke sind in bischöflichen Händen,
Die theolog'schen und jurist'schen Bücher, ja die könnten
Vorhanden sein, wenn nicht die Herrn Dozenten
Sie liebvoll meist heimgetragen hätten.


