Ausgabe 
3.4.1852
 
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Um nur den schönen Einband vor Ruin zu retten,

Gibt man die guten Werke nicht heraus,

Auch keine Kupfertafeln kriegt ihr mit nach Haus.

Romane soll der Studio nicht lesen

Er möchte sonst die Grundrechte vergessen!

Drum sagt euch der gelehrte Bibliothekar

Nachdem erst eine Stunde weggeflogen war

Vis er euch nur gehöret hat: Mein Lieber

Dem Herren Zurbuch etwa gegenüber

Sind die verlangten Bücher aufzufinden.

Ich wasche meine Hände rein bei ihren Sünden,

Denn Börne, Voltaire und Jean Jae zu lesen

Vereint sich nicht mit dem Studentenwesen.

So gibt man Steine, wenn ihr Brod euch for dert,

Und manches Werk ist, wie das deutsche Reich vermodert

Und dennoch kam es nur in heil'ge Professo renhände,

Daraus man die Hypothesis ziehen könnte

Daß auch des Reichsvermoderers Glanz und Macht

Durch solche Hände ward hervorgebracht.

Indessen wecken diese Herrn auch frisches, reges Leben

Besonders wenn sie Soupees und Thees dansants geben,

Wozu jedoch nur solche Herren geladen werden

Die in dem Klubbe sind und tanzen können. Doch Beschwerden

Der Uebergang'nen konnt ich niemals hören, weil

Wie diese sagten, Professorenthee und Langeweil'

Stets Hand in Hand zu finden sey. Indessen,

ich möchte doch einmal bei Professoren essen

Denn wie ich glaube, gibt's in Gießen keine Qual,

(Die ausgenommen) die ich nicht genossen schon einmal.

Ich war im Klubb, im Faust, im Liebhaber⸗ theater

Auch sprach ich schon einmal, wiewohl mein Ab delkader

Sehr schuftig war, mit einem Lieutenant und doch

Bin ich gesund und munter und ich lebe noch.

Am liebsten hielt ich mich zu dem französischen Verein,

Wo man als Ehrenmitglied jeden führet ein

Der einmal im Gefängnisse gewesen und ich war

An solchem Orte schon manch halb 1 und ganzes Jahr.

Wer dorthin gieng, der brauchte Paul de Cock

und Casanova nicht zu lesen

Die damals grade sehr beliebte Damenbücher sind gewesen

(Ja manches Mädchenherz ward durch den letz⸗ teren so weich,

Daß es dem Herren Hofmann spielte Streich

einen

Und die poetischten der Schilderungen aus den Büchern riß,

Das ist doch Kunstsinn, Liebe zu der Poesie? Gewiß!)

Wer nichts haben soll, der verliert:

Das Brod aus dem Sacke,

Den Stiel von der Hacke,

Das Geld aus dem Beutel,

Die Haare vom Scheitel,

Die Knöpfe vom Kleide,

Den Degen aus der Scheide,

Den Gurt von den Lenden,

Die Ringe von den Händen,

Das Band von dem Hute,

Das Mundstück von der Tute,

Das Schloß sammt dem Riegel,

Die Wurst aus dem Tiegel,

Den Ton aus der Kehle,

Den Traum aus der Seele,

Das Garn von der Weife,

Das Loch sammt der Pfeife,

Die Fische aus dem Teiche,

Die Saiten von der Geige,

Die Uhr von der Kette,

Die Wärmflasche aus dem Bette,

Die Haasen beim Zielen,

Die Trümpfe beim Spielen. Nur Eins, wie herb das Schicksal spricht, Verliert der Unglücksvogel nicht Bricht Alles ihm in Scherben, Bleibt ihm das Recht zu sterben.

Da ich die sehr übele Gewohnheit habe, je⸗ den Abend länger beim Bierglas zu sitzen als es den Herrn mit rothen Krägen gefällt und ich auch deswegen schon oft mit denselben in Colli⸗ ston gerathen bin, so suche ich, um dieses zu vermeiden, einen jungen Mann, der diese üble Gewohnheit nicht hat, als Begleiter. Demselben gebe ich die Vollmacht, mich mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln des Abends um 11 Uhr nach Hause zu schaffen. Dagegen bin ich erbö tig meinem Begleiter unter anderm auch Unter⸗ richt im Ringblasen, sowie im Hervorbringen der feinsten Tönen auf einer Messerklinge, in welchen Branchen ich es zu einer bewunderungswürdigen Fertigkeit gebracht habe, zu ertheilen.

5 Ein alter Herr, der das Ding nicht lassen kann.