*
Das
Laternemäunche.
Erster Jahrgang.
Erscheint wöchentlich mal. Preiß für Stabt und Umgegend mit Bringerlohn monatlich 12 kr Einzelne Nrn 2 Kr.
Gießen, 10. pril 1852.
swärtige können nur bei den nächsten Postämtern 3 Monate abonniren wobei der übliche Postaufschlag eintritt.
Ein Maskenball in Krähwinkel.
III.
DO ie Kokettste der Koketten war heute nicht erschienen und ein Paar reicher Chemiker wurden heute nicht beblickfolgt. Ein Hermaphrodite mag die Schilderung der Damen schließen, seine weiße Figur war auffallend; wir vermochten aber an diesem Damenjüngling nichts Außergewöhnliches aufzufinden, überhaupt hatte derselbe blos Schmach ten und keine Worte. 46 fl. in— die haute volée zu werfen und doch bei ihr in Ungnabe gefallen das ist.... hart.
Doch nun zur Perle des Abends, den schwar— zen Buchsen, dem rothen Pelzwamse und der ditto Mütze an welcher allen Motten zum Trotz sich noch einige Haare befanden; Alles wich ih— nen aus, Alles war anhänglich— ihrem schmie— rigen„Complexe, wer nicht rasch sich vor sah. Gewiß, der Schneider, der euch gefertigt, dessen Urenkel schlafen längst in Frieden. Arg⸗ loser, schateker-saurer Jüngling vom Nesenbach, warum hast Du Dir das gethan? Sahst Du niemals in einen Spiegel? Wie mag des bos⸗ haften M. H. Nußknackerphystonomie gegrinst ha⸗ ben, als er Dir den Jubilar unter den Ladenhü— tern aufgeschwatzt! Aber, Rache ziemt dem Po len: erhöre ihr Flehen, die jüngst„Gatt, wenn doch“ geseufzt! Noch zu zwei Bojazzos, die An⸗ fangs zu dem Policinellen-Kasten gehört hattenz bezüglich des Einen wollen wir das Sprüchwort: Alter schützt nicht vor Thorheit; bei einer Gele— genheit, wo die Thorheit regieren soll, außer Anwendung lassen, aber er, der so manchen „Bescheid“ ertheilt, höre den unseren: Alter Hanswurst! wer's nicht lassen kann, sey was er sein will ganz und die Pritsche muß man nicht nur seben, sondern auch fühlen. Der Andere, der Protheus des Abends erschien halt nach je⸗ der Metamorphose— als ewiger Jüngling und prüfte den Abend durch die Kraft seiner Lenden
(Nicht alttestamentlich gaufzufassen). Ueber eine Anzahl andrer Masken kein Wort; auf ste paßt der Rath eines unsrer Bekannten:„wickelt Euch in Schaafswolle, laßt Eure Köpfe frei, aber dann hütet Euch vor dem Schäferhunde. Unmaskirt sah man Alltagsgesichter, darunter berüchtigte Persönlichkeiten, die nie ohne Maske und Män⸗ telchen hier kriechen, dort brutal sind, Alles je wie der Wind weht. Manche„Unvermeidliche“ dagegen fehlten von denen man zum Theil ge— wohnt ist, daß ste nur sich und immer sich und ihre Aussichten und ihre Erfolge besprechen; oder bie zum Theil es gründlich verstehen, und weil sie eine seichte, 50mal wiedergekaute Unterhaltung endlich geläufig zu führen wissen und hiermit ein paar Gänschen imponirr baben, sich deßhalb für unwiderstehlich halcen. Auf diese an Selbstüber— schätzung kranke Bursche, die Angriffe auf ihre Geckenhaftigkeit nur dem Neid„weil sie eine Rolle spielten“ zuschreiben, passen recht Gold— smith's Worte:„The eullest fellows may learn to be comical for a night or tico“)!“ Verehrte Leser und Leserinnen, wir haben
den Satz,„daß Neid der Destilirkolben sey, um Bosheit in Sarkasmus oder Humor zu verwan⸗ deln, nie für wahr gehalten; daß er auf uns angewendet werde fürchten wir nicht, da die Ge- genstände unsrer Schilderung dem Neide sehr wenig Spielraum lassen. Wir haben nicht un⸗ wahr, nicht übertrieben berichtet und nur in be— stimmt ausgesprochener Uebereinstimmung mit einer Anzahl von Sachkennern. Nur das objeetiv lä⸗ cherliche haben wir aufgefaßt und darzustellen versucht und sind weit davon entfernt ein„Plau- ite, Plaudite“ Euch zurufen zu wollen ꝛsc. chließlich noch ein Wort an Ihn: Der Ger ehrte mag bei seinem Palaephatus etc. tüchtig anderwärts vielleicht nicht; der Schu h⸗ mag in seinem Wirkungskreise trefflich
„) Die albernsten Burschen können so viel lernen, daß sie für ein⸗ oder zweimal unterhaltend sind.


