Ausgabe 
8.5.1852
 
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den Kochlöffel oder die Stopfnadel in die Hand zu nehmen, aber da ist's freilich nicht von so nachhaltiger Gefahr, denn ein tüchtiger Bürgers mann weiß gewöhnlich sich seine Frau zu ziehen, wenn ste nicht jo ist, wie sie sein sollte. So

weiß ich sicher, daß das Bürgersmädchen, dessen.

Complimentirbuch neulich nach Oestreich gewan dert ist, sich sicher noch zum Besseren bekehren wird und kann es über seinen Verlust trösten. Doch Sie wissen nun noch nicht, in welcher Tracht die Männer auf den Bällen erscheinen Je nun, sie tragen Röcke mit abgeschnittenen Schößen und hohen Halsbinden, so daß die dünnen aussehen wie Bachstelzen und die Dicken wie Pinguiner, und dazu kommt noch die sonderbare Art von Hüten, von denen ich neulich Ihnen ein Muster schickrte. Denken Sie sich nun eine recht wol- lüstige, raus tende Musik, ein Dutzend Pärchen von der beschriebenen Gestalt wie Betrunkene durch einen Saal rasen, einige weitere Dutzend schweigend mit keuchendem Athem und klopfendem Herzen den Wink erwartend, durch den auch sie losgelassen werden, fügen Sie hinzu einige gäh nende ältere Herrn, einige mit Wohlgefallen auf die Töchter schanende Mütter, einige verschmähte Liebhaber mit Symptomen der Verzweiflung Es sigwein trinkend, einige Schimmel hier und da der Erlösung harrend, und Sie haben das Bild eines Balles, wenn Sie stets bedenken, daß beim Tanze selbst nur höchst selten einmal eine schöne

graziöf, anständige Bewegung zum Vorschein kommt. Unterhaltung findet bei Bällen nicht statt, und dennoch werden meist hier Bekannt⸗

schaften angeknüpft, die für's Leben binden sol; len. Kein Wunder, daß in einem solchen Zu- stand der Raserei viele dumme Stieiche gescheher und den Kupplern Thür und Thor offen ist. Bei une gilt der Grundsatz erst zu prüfen und dann zu wählen, bei den Menschen ist das umgekehrt, wenigstens prüfen sie meist nur das, was sie nicht prüfen sollten, nemlich wieviel Geld oder wieviel Ahnen, wieviel hochgestellte Verwandten etwa ein Mädchen hat, nicht wieviel Tugend und welche Gemüthsart. Ja man bespöttelt sogar in Gesellschaßten diejenigen, welche jene innere Plüfung vornehmen oder vielleicht gar den Aus schlag geben lassen. (Foris. folgt.)

Zwiegespräche.

Malzthier: Ich kann mich bald nir mehr ernähre, ich werrn unner die Solldate gieh; ich sein nor noch nitt recht ahns, zou welche.

Hoppewanst: Ich will Dersch sage, De giehst zo unserm Kenig, do wern jeden Dag viele Feldwewel gemacht, do kannste shnell awan⸗ stre.

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Malzthier: Gieh, Späßmächer! De mahnst doch do, wo das goute Beier unn die schleechte Benk sei?

Hoppew.:

Dei Benk sei bahld all, es sein

neilich schund zwä mit zwä Handwärksborsch dorchgeg ange, ohne daß die 8 gewahre worde, dann de Bänk sei an de Hose hänge gebliewe.

Malzthier: Waß e Glick, daß ich nett grad hinne druff saß, wei leicht hätt ich unschul⸗ dig könne entfihrt wern!

Hoppew.: Ach, Dich behält Kahner! Doas bittere Beier drink ich gern. e

Malzth.: Na, sei Bockbeier gout, unn kost blöslich 4 Kreizer; schaad, daß'r nix bumbt, waß aigentlich sei Glick sei könnt, awer es hähst, hei de Bock unn hei de Batze.

Hoppew.: Do hottr aigentlich recht, dann doas Geld, doas mer versoffe hatt, bezahlt mer nitt gern zwämohl.

Ein Pariser, der Alles durchgebracht hatte ist auf ein eignes Mittel verfallen, um sich Geld zu verschaffen. Er eröffnete eine Ausspielung mit 100,000 Nummern zu 10 Francs. Blos eine Nummer gewinnt und zwar verspricht er die eingegangene Million mit der gewinnenden Per son zu theilen. Zieht dagegen eine Dame die gewinnende Nummer, so macht er stch verbind lich, ste auf jeden Fall zu heurathen, wie alt und häßlich sie auch sey. Will die Dame ihn nicht, so erhält sie die halbe Million

Wird gewiß manche alte Jungfer einsetzen.

In Mainz fragte ein österreichischer Soldat seinen Kameraden:Seppel, wie lang host holts dei Moadel jetzt schun? worauf dieser antwor⸗ tete:wann's widder drüwen zu Castel brennt, werd's grod a Johr.

Mann: Zum Gewitterkeil, waß mechste dann so spät off dem Brahnd, hoste deham nix ze thoun?!

Frau: Mer giehn de dritt spaziere, werd Dich doch nix kümmern, wann de Awendlufft genieße.

Mann: Awer do kannste mitt mir gieh, do brachste doch zom Gewitterkeil kahn annern, isses nitt genug, wammer morgens beim Kaffibringe schaͤnd Visitte mecht, na, mer laaft aach noch uff de Brahnd, daß kann ich grad noch brache.

das ich e wink

Blanbart(in wohlgewogenem Tone): Vieh⸗

lippche was trinkst Du denn da, ich glauwe Dir ist nicht gut?