Schiffenberg.
Wemn man zum Neuweger Thore hinauswandelt und den Weg nach dem Buschischen Garten rechts ab lässt, so kommt man auf einem durch Felder und Gärten hinziehenden Fuss- pfade in ein ziemlich sandiges Terrain, durch welches die Strasse nach dem Walde führt. Vor sieben Jahrhunderten ragte dieser Wald, der»Wiesecker Wald« genannt, noch weit in die Gegend herein, vielleicht bis an die Stätte, wo heut- zutage Giessen steht, und gehörte, wie die ganze Gegend den mächtigen Grafen von Gleiberg.
Die Tochter jenes Grafen Hermann von Gleiberg, welcher zur Zeit des Kaisers Heinrich IV, zuerst für diesen in der Schlacht an der Unstrut gegen die Sachsen, dann gegen ihn, mit Heinrich V eine so bedeutende Rolle spielte, hiess Kle- menzia und war an den Grafen Gerhard von Geldern ver- mählt. Nach dem Tode ihres Gemahls stiftete sie mit Be- willigung ihrer Neffen, der Grafen Otto und Wilhelm von Glei- berg dort auf der beträchtlichen Höhe im Wiesecker Wald, welche ich am Ausgange der Strasse vor mir sehe, nämlich auf dem Schiffenberg(»Sceffenberg,“«„Scheffenberg heisst er in den Urkunden des Mittelalters) im Jahre 1129 eine Kir- che und ein Kloster für Chorherrn von der Regel St. Augustins und begabte diese Stiftung mit 20 Huben angerodeten Landes im Wiesecker Wald und zwei Huben in Konradsrode(einem Dorfe, welches in der Folge erloschen ist). Später wurden
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