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Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
Entstehung
Seite
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kurz entschlossen, das stattliche Gebäude, welches eine wahre Zierde der ganzen Umgebung war, zu verkaufen, und zwar auf den Abbruchtl für einen wahren Spottpreis, wenn man den Umfang der Gebäulichkeiten und der dazu gehörigen Grundstücke ermisst. Der Kauf wurde abgeschlossen, und der neue Besitzer beeilte sich mit dem Abbruch nur allzusehr, um Steine zu gewinnen, obgleich sich in der Nähe Stauffen- bergs ein ganz vortrefflicher Sandsteinbruch befindet. Und welche Mühe hatte man bei dem Werke der Zerstörung! Die Burg setzte dem modernen Vandalismus einen solchen Wider- stand ihrer Solidität entgegen, wiée eine starke Mannesnatur in den besten Jahren der Ungeschicklichkeit eines Charlatans. Man musste alle Gewalt anwenden, um den beklagenswerthen Zweck zu erreichen. Darum sind denn die Spuren der Zer- störung überall noch so frisch, wie von gestern, und allerdings scheint das Werk noch nicht ganz vollbracht zu sein. Stehn ja doch die Hauptmauern noch in ihrer vollen Höhe, die Thürme, die Pforten; also: welche schöne Menge von Steinen ist noch übrig! Etwas nordöstlich oberhalb der Burg stand bis vor ganz kurzer Zeit eine Kirche, sie war freilich nicht sehr alten Baustyles, wenn man mich recht berichtet, und obendrein etwas baufällig, gleichviel, da, wo sie stand, liegt jetzt ein wüster Trümmerhaufe. Warum greift der Mensch der Zeit vor? Genügt es ihm nicht, ihren Arm auf seinem eigenen Nacken zu fühlen? Warum will er im Frieden nachholen, was der Krieg vergass? Hier, umrauscht von den Erinnerungen der vaterländischen Geschichte, hätte ein Mann wohnen müssen mit einem Herzen, erfüllt von treuer Liebe zu ihr; hier in den urahnlich geschmückten Räumen, die so traulich winkten, hätte er still forschen und wirken müssen, und hätte sich, an's Fenster oder auf die Thurmzinne tretend, erholen können in der Betrachtung der lieblichen Natur. Hier, in der Mitte des Weges, der die beiden Hoch- schulen Giessen und Marburg verbindet, hätte er ihre Gelehrten gastlichen Empfanges vereinigen können, und wie manche Frucht eines Gedankenaustäusches beim traulichen Symposion wäre der Wissenschaft und dem Vaterlande gereift!

Doch fort jetzt mit den trüben Gedanken! Verscheuche