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Giessen und seine Umgebungen : mit sechs Stahlstichen / geschildert von Eduard Duller
Entstehung
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sante alte Gotteshaus steht. Wir nehmen auf der niederen Kirchhof-Mauer Platz, und so haben wir die Kirche in der Perspektive ihrer Längenseite vor uns mit dem Thurm, dessen Dach ganz kürzlich neu aufgesetzt worden ist und ein altes Kreuz für seine Spitze erhalten hat; das Portal mit dem Wap- pen zeigt sich uns in der Verkürzung. Mehr rechts gewahre ich vor mir in einer geringen Entfernung den Stauffenberg. Am westlichen Abhange desselben zeigen sich die bescheidenen Häuser der sogenannten Stadt bis zu den Ruinen hinan, meist von Obstbäumen unterbrochen. Nun verweilet der Blick auf der unteren oder Schabenburg, bis er sich zum laubum- kränzten Gipfel des Berges erhebt, auf welchem die wonigen Reste der oberen Burg ragen.

Durch den wohlgepflegten Garten des Pfarrhauses von Kirchberg wandeln wir nun auf die Strasse hinaus, um das Städtchen

Stauffenberg

und die beiden Burgen zu besuchen. Der Berg, den wir hinansteigen, besteht eigenthümlich genug mitten in einer Gegend, wo⸗Sandstein vorherrschend ist, durchweg aus Ba- saltgebilden, deren imposante Fülle, wo sie frei zu Tage liegen, uns überrascht. Durch ein altes Thor, treten wir in einen Hof und stchen plötzlich vor den hohen Resten der Schabenburg. Die Spuren der Zerstörung sind überall noch so frisch, dass ich meine Neugierde nicht zurückhalten kann. Ich ersuche denn meinen Freund um genauere Angaben, und bereitwillig giebt er mir folgende Auskunft, welche allerdings weiter in den Hintergrund der Zeiten zurückgeführt, und mit der oberen Burg beginnt.Da wir hinaufsteigen,« bemerkt mein Freund,»so thut mein Bericht ein Gleiches.

Den Namen Stauffenberg. hat man wohl in älteren Zeiten von einem altgermanischen Gotte Stuffo ableiten wol- len, dessen Existenz übrigens schwerlich anderswo als in dem Kopfe des braven Mannes zu suchen ist, welcher den Namen Stauffenberg dadurch zu erklären versuchte. Im Miittelalter