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hielten das Schloss Vetzberg von diesen zu Lehen. Sie thaten sich als„Ganerben« zusammen, und kommen als solche ur- kundlich schon 1245 vor; mehrere adelige Mitglieder dieser Ganerbschaft fügten ihrem Namen noch bei:„von Vetzberg«. Im Jahre 1454 waren ihrer neunzehn; diese errichteten einen Burgfrieden unter sich und ihre Vorsteher hiessen„Buwen- meister«(Baumeister); die darüber ausgefertigte Urkunde, das pactum ganerbicum von Vetzberg*), ist ein interessanter Bei- trag zu den deutschen Rechtsalterthümern. Unter den adeligen Familien, welche zur Vetzberger Ganerbschaft gehörten, fallen uns manche berühmte Geschlechter auf, die von Nordeck, von Buseck, von Holzhausen, die Schenk zu Schweinsberg, die von Schwalbach, die von Breidenbach, die Holzapfel. Die letztgenannten flochten 1467 das einzige romantische Blümchen in die friedliche Geschichte Vetzbergs. Die Holzapfel und ihre Genossen entführten nämlich damals eine Jungfrau vom Hofo des Grafen Johann IV von Nassau-Dillenburg, und flohen mit der Geraubten hieher. Kaum vernimmt der Graf die That, so schwingt er sich, von Zorn entbrannt, mit seinen Mannen zu Rosse und jagd hinter den flüchtigen Räubern her, und unter- wegs ruft er alles Volk in den Dörfern auf, ihm gegen sie beizustehen. Am Fuss des Vetzberges erreicht er endlich die Verhassten und ein furchtbarer Kampf beginnt. Vergeblich ihr Muth, vergeblich ihre Tapferkeit; der zürnende Graf trägt den Sieg davon; die Holzapfel und ihre Genossen ergreifen endlich die Flucht, während manche Leiche auf dem Wahlplatz und mancher Verwundete in der Gewalt des Grafen bleibt.— Im Verlauf der Zeiten kam die den Ganerben gemeinschaftliche Burg, zu welcher weiter nichts als ein Stück Feld und ein Stück Wald gehörte, allmälig sehr in Abnahme. Es konnte, seit der Erfindung des Pulvers und der Einführung der Feuer- gewehre, nicht mehr eine Vorhut für das bei weitem festere Gleiberg sein; man vernachlässigte es. Manche ganerbschaft- liche Familie erlosch und kein neues Geschlecht meldete sich zur Aufnahme in den ganerbschaftlichen Verband. Ueberhaupt war die ganze Zeit unvermerkt eine andere geworden, und
*) Mitgetheilt in Abicht's„Kreis Wetzlar⸗ 1. Thl. 4. Beilage.


