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auf den Basaltsäulen des Berggipfels, und an ihn schliesst sich das Hauptgebäude der alten Burg, auch in seinen Ruinen noch stark und schön. Ob beide, Thurm und Hauptgebäude aus einer und derselben Zeit stammen,— wer vermag die Frage mit unumstösslicher Bestimmtheit zu beantworten? Ein hochachtharer Forscher, Professor Nebel in Giessen, welchem man eine genaue Geschichte und Beschreibung des Schlosses Gleiberg*) verdankt, hält es für möglich,»dass der erste Bau und der noch stehende hohe Wartthurm aus den Zeiten der fränkischen Herzoge herrühren;« er will es aber auch nicht in Abrede stellen,»dass die Lothringischen Brüder Richwin und Siegfried, in der Mitte des 10ten Jahrhunderts, die Gründer einer Burg seien, von welcher aus sie das Lahn- thal und einen grossen Theil ihres Gebietes überschauen konnten, und, dieses angenommen, stehe der runde Thurm nebst den Hauptmauern nun schon beinahe ein Jahrtausend.“
Jedenfalls war diese Burg einst eine grosse und stattliche Hofburg. Ich erinnere mich hier an Ort und Stelle lebhaft der trefflichen Arbeit Leo's über»Burgenbau und Burgenein- richtung in Deutschland vom 11ten bis zum 14ten Jahrhun- dert,«**) und indem ich die Hauptmomente derselben mit der Einrichtung vor mir vergleiche, ergänzt mir die Phantasie rasch- geschäftig alle Lücken, welche Feindeshand und der Arm der Zeit gebrochen haben. Eine Hofburg hatte zuvörderst eine Um- gebung aus Mauerwerk oder Pfahlwerk, eine äusserste Umfas- sung, die»Zingeln«; zwischen diesen und der inneren Mauer befand sich der Zwinger, und aus diesem trat man in den von den Umfangsmauern und den Burggebäuden eingeschlossenen Burghof. Beide Mauern, die des Zwingers und der Zingeln, sind hier noch zu erkennen; um die letztere läuft die soge- nannte»Stadtmauer«(welche jedoch erst nach 1331 errichtet worden ist) mit zwei Thoren, dem einen in der Richtung nach Crofdorf, dem andern in jener nach Heuchelheim zu. Unter den, den Burghof einschliessenden Gebäuden fehlen(nach Leo) zwei bei keiner grössern Burg, nämlich der»Palas“ und
*) In P. Wigands Wetalar'schen Beiträgen 1839. „) In Raumers historischem Taschenbuch, Ster Jahrgang, 1837.


